Wanderführer: Berghütten

Kleiner Münchner Hüttenführer

Es soll Menschen geben, die vor allem deshalb auf Berge steigen, um mit einem guten Appetit in der Berghütte einzukehren. Egal, was der Beweggrund ist: Mit dieser Hüttenauswahl findet jeder ein Ziel.

 

Für Bewusste: Hündeleskopfhütte

Im Allgäu wartet im wahrsten Sinne des Wortes ein besonderes Schmankerl auf Wanderer: Die Hündeleskopfhütte (1180 m) ist vermutlich die einzige Alm Bayerns, auf der es ausschließlich vegetarische Kost gibt. Eine Ausnahmeerscheinung – ist doch die Bergküche sonst gerne deftig und durchaus fleischlastig.

Seit Chefin Silvia „Silli“ Beyer auf vegetarisch umgestellt hat, haben deshalb schon zahlreiche Journalisten bei ihr vorbeigeschaut; der Bayerische Rundfunk karrte sogar ein ganzes Kamerateam den Berg hoch, um sich das mal genauer anzusehen.

Die Speisekarte ist übersichtlich, aber gut: Es gibt Spezialitäten wie Käsebrot mit Bergkäse aus Allgäuer Heumilch oder Flädlesuppe (Pfannkuchensuppe), dazu nach Saison verschiedene Salate.

Anfahrt: A96, Ausfahrt Jengen/Kaufbeuren. Der B12 über Marktoberdorf bis Nesselwang folgen, dort auf die Hauptstraße/B309 abbiegen. Der Aufstieg beginnt im Ortsteil Kappel beim Waldseilgarten (Bürgermeister-Franz-Keller- Straße 13, 87459 Pfronten) und dauert 45 Minuten.

Für Familien: Blomberghaus

Das Blomberghaus (1203 m) liegt recht niedrig. Das ist sein größter Vorteil: Während im Frühjahr anderswo noch Skifahrer wedeln, ist der Tölzer Hausberg schon gut begehbar. Wer den Wanderweg wählt, braucht höchstens eine Stunde bis zum Gipfel, mit dem Sessellift ist es noch weniger – schneller geht es kaum.

Festes Schuhwerk ist trotzdem zu empfehlen, an manchen Stellen bleiben Eisplatten lange liegen. Das Blomberghaus selbst wird ganzjährig bewirtschaftet. Die Sonnenterrasse bietet einen spektakulären Blick auf die Bayerischen Alpen. Wagemutige schauen nebenan im Kletterwald vorbei, der Hochseilgarten schlängelt sich zwischen den eng stehenden Bäumen hindurch.

Für den Rückweg sollte man unbedingt auf die Sommerrodelbahn umsteigen, die von der Mittelstation des Sessellifts über 1300 Meter gen Tal führt. Wegen Attraktionen wie dieser schätzen vor allem Familien den Blomberg.    

Anfahrt: A8 Ausfahrt Holzkirchen/Bad Tölz, über B13 und B472 bis zur Blombergbahn (Am Blomberg 2, 83646 Bad Tölz-Wackersberg); alternativ A95 Ausfahrt Sindelsdorf und B472. Von der Talstation der Blombergbahn führen der Wanderweg (einfach 45 Minuten bis 1 Stunde) und der Forstweg (einfach ca. 1 1⁄2 Stunden, beide 703 Höhenmeter) hinauf. Wer will, geht vom Blomberghaus weiter zum Zwiesel (einfach 30 Minuten, 144 Höhenmeter). Dieser Weg kann im Frühjahr über ein Schneefeld führen.

Für Genießer: Obere Maxlraineralm

Leben wie Gott im Alpenreich: Das geht wahrscheinlich nirgends so gut wie auf der Oberen Maxlraineralm (1520 m) am Spitzingsee. Die Hütte führt eine gute Küche, darunter Spezialitäten wie Spinatknödel oder die berüchtigte Maxlrainer Currywurst, die zwar nicht unbedingt gesund, dafür aber saulecker ist.

Der Ausblick von der Sonnenterrasse wird als das „schönste Panorama in Oberbayern“ beworben. Was die Hütte aber vollends von der Konkurrenz abhebt, ist ihr Swimmingpool. Ins kühle Nass hüpfen und gleichzeitig ein kühles Weißbier genießen – ein Wandertag kann ja so entspannend sein.

Wer möchte, kann die Hütte auch für Veranstaltungen mieten und seine Gäste das „Bauernabitur“ nachholen lassen. Angeboten werden die Fächer Nageln, Sägen, Melken und Butter schlagen.

Anfahrt: A8, Ausfahrt Weyarn. Der B742 nach Miesbach, der B37 bis Schlier- und Spitzingsee folgen. Parkmöglichkeiten gibt es an der Talstation der Taubensteinbahn (Spitzingstr. 12, 83727 Schliersee). Zu Fuß erfolgt der Aufstieg über den Schwarzkopfweg (1 1⁄4 Stunden, 340 Höhenmeter); wer lieber mit der Bahn zur Bergstation hinauffährt, hält sich oben rechts (10 Minuten).

Für Gipfelstürmer: Münchner Haus

Die Hütte der Superlative heißt, eh klar, Münchner Haus (2959 m). Höher hinaus geht es in Deutschland nicht: Ganz oben auf der Zugspitze trotzt die Hütte Wind und Wetter. Und vor allem dem Schnee. Selbst im Sommer kann es hier oben eisig kalt sein.

Besucher sollten also unbedingt eine warme Jacke und feste Schuhe mitbringen. Für die Strapazen belohnt das Panorama, an schönen Tagen kann der Blick weit hinein in die Berge schweifen. Das Münchner Haus selbst wird inzwischen in dritter Generation bewirtschaftet und hat sogar eine eigene Photovoltaikanlage – natürlich, ein weiterer Superlativ, die höchste Deutschlands.

Anfahrt: A95 bis Autobahnende, weiter über die B2. Die Zugspitzbahn beginnt in Garmisch-Partenkirchen (Olympiastr. 27, 82467), die Eibsee-Seilbahn in Grainau (Am Eibsee 6, 82491). Ungeübte Wanderer sollten vom Aufstieg unbedingt absehen und stattdessen auf die Bergbahn ausweichen. Der leichteste, gleichzeitig auch längste Aufstieg führt vom Skistadion in Garmisch übers Reintal zum Gipfel (8 bis 10 Stunden, 2232 Höhenmeter) und sollte nur mit entsprechender Ausdauer und Ausrüstung begangen werden.

Für Bergfüchse: Tegernseer Hütte

Manche Besucher nennen die Tegernseer Hütte (1650 m) auch Adlerhorst. Mit Recht: Auf scheinbar unzugänglichem Terrain liegt sie auf einem Grat zwischen Roßstein (1698 m) und Buchstein (1701 m). Auf der einen Seite geht es steil den Berg hinauf, auf der anderen senkrecht die Felswand hinunter.

Der Ausblick übers Alpenvorland ist sagenhaft gut. Der Aufstieg erfordert Wandererfahrung und entsprechende Ausrüstung. Wer die Herausforderung sucht, kann die Tour um Klettersteig- und Kletterpassagen erweitern; wer auf dem Wanderweg bleiben will, sollte etwas mehr Zeit einplanen und die steilsten Abschnitte umgehen.

Übernachtungsgäste genießen abends auf der Terrasse den Sonnenuntergang. Die Hütte ist nur im Sommer bewirtschaftet.

Anfahrt: A8, Ausfahrt Holzkirchen, über Tegernsee, Rottach-Egern und Kreuth Richtung Achensee (Österreich). Bei Bayerwald befindet sich ein Wanderparkplatz (Bayerwald 8, 83708 Kreuth). Der Aufstieg erfolgt über die Sonnbergalm (mit Klettersteig) oder über den Altweibersteg (ein Parkplatz weiter nördlich). Gehzeit zwischen 2 und 4 Stunden (ca. 800 Höhenmeter).

 

 

Text: Nansen & Piccard; Fotos: Frank Stolle