Wanderführer: Klamm

Mir ist so Klamm! Wanderungen mit Abkühlung

Sie mögen es beim Wandern eher schattig? Sie schauen lieber nach unter auf einen gurgelnden Bach als hinauf zum Gipfelziel? Dann ist eine Klamm-Wanderung das richtige für Sie. Fragt sich nur welche. Ein paar Vorschläge.

 

Die klassische Tour: Partnachklamm

Die Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen ist wunderschön und geheimnisvoll – und leicht zu erreichen. Kein Wunder, dass man sie sich an schönen Tagen mit vielen Besuchern teilen muss. Früher wurde das Wasser für den Holztransport genutzt, beim Triften wurden ganze Baustämme den reißenden Fluten übergeben.

Wenn sich ein Stamm zwischen den Felsen verkeilte, versuchten die Trifter, ihn mit langen Stangen herauszustoßen. Sie standen dazu auf wackligen Brettern, die im Fels befestigt waren. Der heutige Weg ist gut ausgebaut, er schlängelt sich immer am Fels entlang, manchmal auch mitten hindurch. Weil ständig Wasser von den Wänden rieselt, sind feste Schuhe und eine Regenjacke sehr zu empfehlen.

Der Eintritt kostet für Erwachsene fünf, für Kinder zwei Euro. Wer die Mühen nicht scheut, steigt für den Rückweg zum Vordergraseck auf – und traut sich auf die Klamm-Brücke, die sich in 80 Metern Höhe über die Schlucht spannt.

Anfahrt: Mit dem Zug bis Garmisch-Partenkirchen, wahlweise weiter mit den Buslinien 1 und 2 bis zum Skistadion. Mit dem Auto über die A95 und B2. Parkplätze gibt es am Olympiastadion oder am Kainzenbad. Wer nur die Schlucht besuchen will, folgt hinterm Stadion der Teerstraße bis zum vorderen Eingang der Klamm und kehrt an ihrem Ende wieder um (ca. 1 Stunde). Schöner ist der Rückweg über das Vordergraseck (ca. 2 Stunden, 300 Höhenmeter). Vom Graseck führt auch eine Seilbahn zum Klamm-Eingang zurück. Für eine längere Rundwanderung bietet sich die umgekehrte Route an: Über Wamberg, Eckbauer und Vordergraseck geht es über den hinteren Eingang in die Klamm hinein (ca. 4 Stunden, 520 Höhenmeter). Wer abkürzen will, nutzt hinauf die Eckbauer-Seilbahn.

Die salzige Tour: Wimbachklamm

Die Region Berchtesgaden ist bis heute für ihr Salz bekannt. Die ersten, die den beschwerlichen Weg durch die Wimbachklamm wagten, waren deshalb Holzknechte, die die Saline in Reichenhall mit Holz versorgen mussten. Sie legten den ersten Steg durchs Tal an. Der Trift wurde 1843 eingestellt, der Weg bald für Touristen umgebaut.

Über viele Holztreppen geht es immer weiter ins Tal hinein, während das Wasser donnernd durch den Felskanal schießt. Für den Besuch wird ein kleiner Obolus in Höhe von 2,50 Euro erhoben. Am hinteren Ende der Klamm befindet sich das Wimbachschloss, früher ein Jagdhaus der Bischöfe.

Anfahrt: Über die A8 bis Siegsdorf/Traunstein, dann über B306 und B305 bis zum Parkplatz an der Wimbachbrücke (Rotheben 14, 83486 Ramsau bei Berchtesgaden). Alternativ Bus 846 vom Bahnhof Berchtesgaden aus. Die Klamm ist mit ca. 200 Metern vergleichsweise kurz. Alternativ lässt sich die Tour mit einer längeren Wanderung verbinden, zum Beispiel zur Wimbachgrieshütte, ca. 3.30 Stunden, 700 Höhenmeter. Achtung: Die Wimbachklamm ist nur von vorne zugänglich – wer hinten durchs Drehkreuz geht, muss über das Wimbachschloss zurückkehren.

Die tiefe Tour: Breitachklamm

Die Breitachklamm im Allgäu ist die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas. Bis zu 150 Meter ragen die Wände links und rechts empor. Über 2,5 Kilometer schneidet sich die Klamm immer tiefer in den Fels hinein. Während viele Schluchten für den Holztransport genutzt wurden, galt eine Begehung der Breitachklamm lange als zu gefährlich.

Erst 1904 gelang es dem örtlichen Pfarrer, genug Geld für eine Erschließung aufzutreiben. Zwanzig Mann brauchten ein Jahr, um mit Schwarzpulver, Dynamit, Handbohrern, Pickeln und Schaufeln einen Weg durchs Gestein zu treiben. Ein waghalsiges Unterfangen: Die Mineure wurden per Seil von oben abgelassen. Nachdem sie ein Loch für den Sprengstoff gebohrt und die Lunte angezündet hatten, mussten sie in Windeseile wieder emporgezogen werden.

Heute besuchen jährlich rund 300.000 Besucher die Klamm. Der Eintritt kostet für Erwachsene 4,50 Euro, für Kinder 1,50 Euro. Steilere Passagen können umgangen werden.

Anfahrt: Auf der A96 die Ausfahrt Jengen/Kaufbeuren, auf der A95 die Ausfahrt Sindelsdorf nehmen. Danach Richtung Kempten, Immenstadt und Sonthofen bis Oberstdorf. Dort den Schildern Richtung Tiefenbach und Klamm folgen; Parkplätze gibt es fast direkt am Eingang. Alternativ die Buslinien Walsertal oder Tiefenbach vom Bahnhof Oberstdorf. Der Rundwanderweg durch die Klamm dauert rund 1:30 Stunden (165 Höhenmeter).

Die familienfreundliche Tour: Schleifmühlenklamm

Der Name der Schleifmühlenklamm verrät es: Einst nutzten Wetzsteinmacher die Kraft des Bergwassers, um hier ihre Mühlen und damit ihre Schleifsteine anzutreiben. Einige ihrer Mühlen stehen noch und sind gut erhalten. „Schneiderlas Schleifmühle“ ist sogar bis heute in Betrieb, allerdings nur zu Schauzwecken.

Im Gegensatz zu anderen Schluchten ragen in der Schleifmühlenklamm die Felswände nicht immer bis direkt an den Bach heran, die Schlucht ist dadurch oft etwas breiter, offener und sonniger. In den Gumpen lassen sich wunderbar die Füße kühlen.

Wegen der vielen Treppenstufen sollten Besucher allerdings gut zu Fuß sein. Mehrere Informationstafeln klären über das Leben in der Klamm und ihre Entstehung auf.

Anfahrt: Auf der A95 bei Oberau abfahren, der B2 und B23 bis Unterammergau folgen. Der Eingang ist hinter der gleichnamigen Wirtschaft (Liftweg 2, 82497). Vom Bahnhof Unterammergau ist die Klamm in etwa zehn Minuten Fußweg zu erreichen. Die Tour selbst dauert 1:15 Stunden (137 Höhenmeter); über die Klamm sind auch die Wetzsteinbrüche erreichbar.

Die fordernde Tour: Höllentalklamm

Sie klingt furchterregend, dabei ist die Höllentalklamm bei Grainau vor allem eins: ein Naturwunder. Regen und Schmelzwasser fraßen sich über Jahrmillionen durch den harten Fels. Statt „Höllental“ wäre „Höhlen-“ bzw. „Aushöhlental“ korrekter, denn die Schlucht war früher für ihre Blei- und Molybdänbergwerke weithin bekannt.

Noch heute stoßen Wanderer auf die Ruinen längst verfallener Minen. Die Stollen selbst sollten allerdings auf keinen Fall betreten werden – die Balken sind längst verrottet, die Einsturzgefahr hoch.

Anders als die nahe Partnachklamm ist die Höllentalklamm nur nach einer Wanderung erreichbar. Sobald Schnee fällt, bauen Freiwillige des Alpenvereins die Stege in der Klamm ab: Im Winter herrscht hier oft Lawinengefahr.

Anfahrt: Zuerst wie zur Partnachklamm. Hinter Garmisch-Partenkirchen der B23 nach Grainau folgen. Als Startpunkte eignen sich unter anderem der Obergrainauer Dorfplatz oder der Ortsteil Hammersbach. Ein relativ einfacher Zugang führt über den Klammweg entlang des Hammerbachs, die Klamm selbst beginnt hinter der Höllentaleingangs-Hütte (insgesamt 3 Stunden, 300 Höhenmeter). Für den Weg vom und zum Bahnhof Untergrainau sollte zusätzlich eine Stunde eingeplant werden. Der Klamm-Besuch kann auch mit teils sehr anspruchsvollen Wanderungen im Zugspitzmassiv verbunden werden; Bergkenntnisse sind notwendig.

 

 

Text: Nansen & Piccard; Fotos: Frank Stolle