MUCA Bike Tour

Von der nächtlichen Sprühaktion zur museumswürdigen Kunst

Wetten, dass die meisten Leute auf Berlin Kreuzberg tippen, wenn man sie fragt, wo es die ersten deutsche Graffiti gab. Nix da, es war München, wo schon 1970 die deutsche Graffiti-Bewegung ihren Ursprung hatte. Als über Nacht in Schwabing und im Lehel an vielen Hauswänden der rätselhafte Schriftzug „Heiduk“ auftauchte, zerbrach sich halb München den Kopf und gab sich den wildesten Spekulationen hin. Eine Biketour durch München folgt den Spuren der Geschichte der Street Art.

The Geltendorf Train

Auch den ersten „Wholetrain“, einen auf voller Länge bemalten Zug, würden nur Insider in einem beschaulichen oberbayrischen Örtchen verorten. In einer kalten Märznacht im Jahr 1985 schlichen sich einige Jugendliche, ausgerüstet mit Farbdosen aus dem Baumarkt, in das S-Bahn-Depot der Linie S4 in Geltendorf und verzierten eine Zuggarnitur mit bunten Kalligraphien und Figuren im Comic-Stil. Als der „Geltendorf Train“ ging dieses legendäre Erstlingswerk der deutschen Street Art Szene in die Kunstgeschichte ein.

Mit von der Malerpartie war ein junger Mann namens Mathias Köhler aka Loomit, heute einer der bekanntesten Graffiti-Künstler Deutschlands. Er muss nicht mehr bei Nacht und Nebel durchs Unterholz schleichen, längst verewigt er sich mit großen Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum. Gemeinsam mit seinem Sprayer-Kollegen Won ABC schuf er zum Beispiel ein riesiges, dem Widerstandskämpfer Johann Georg Elser gewidmetes Graffiti im Herzen von München.

Im MUCA hat die temporäre Straßenkunst eine feste Bleibe

Der Ort, an dem die Geschichte der Street Art erzählt wird, ist das Museum of Urban and Contemporary Art, kurz MUCA, das erste seiner Art in Deutschland. Es präsentiert die Arbeiten international bekannter Graffiti-Künstlerinnen und Künstler und bietet ein vielfältiges Programm an Workshops und Gesprächen, Lesungen und Führungen, um diese junge Kunstform dem Publikum zu vermitteln.

Die MUCA Street Art Bike Tour führt Gruppen zu einigen Schauplätzen der Münchner Graffiti Szene. Wer Münchens Street Art auf eigene Faust erkunden will, kann sich im MUCA ein Fahrrad ausleihen und bekommt dazu eine Bike Tour Map mit den MUCA Street Art Bike Tour Zielen, die auch digital freigeschaltet werden kann.

Hier ist schon einmal eine kleine Sneak-Preview: Die rund vierstündige Tour startet am MUCA, erster Halt ist der Fußgängertunnel unter dem Friedensengel. Graffiti-Künstler aus aller Welt gestalteten auf Einladung von Loomit die grauen Wände mit bunten Bildern. Weiter geht es auf einer schönen Radlstrecke entlang der Isar zu versteckten Geheimtipps, Tunneln und Unterführungen, die nicht in jedem Stadtführer stehen.

Brückengalerie und Hall of Fame

Ein weiteres Highlight der Tour ist die „Brückengalerie“ am Candidplatz. Die mächtigen Pfeiler der Candidbrücke wurden von 18 Künstlerinnen und Künstlern in eine veritable Galerie umfunktioniert. Einer der Mitwirkenden war Case, einer der bekanntesten Street Artisten der Welt. Die „Hall of Fame“ auf dem alten Viehhof-Gelände bei der Containerburg der Kulturstätte Bahnwärter Thiel darf auf der Route natürlich auch nicht fehlen. Im MUCA endet die Rundfahrt mit einer Führung durch die aktuelle Ausstellung „Urban Fine Art II“, bei der Originale von Banksy, Kaws, Shepard Fairey, Swoon und vielen weiteren bekannten Künstlern zu sehen sind.

Street Art wird meistens nicht für die Ewigkeit geschaffen, vieles wird übersprüht oder fällt irgendwann der Abrissbirne zum Opfer. Auch im Schlachthofviertel drehen sich schon die Kräne, die kommende Baumaßnahmen ankündigen. Eine Besonderheit der lebendigen Münchner Street Art Szene, die auch vom Kulturreferat der Stadt gefördert wird, ist ihre Konzentration auf kulturelle Hotspots.

 

 

Fotos: Christian Kasper, München Tourismus    

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