Ausstellungsvorschau Münchner Museen 2022

Lust auf Kunst

Die Münchner Museen laden ein zur Begegnung mit den Alten Meistern genauso wie mit den jungen Wilden. Nahezu alle Sparten und Epochen sind vetreten. Großartig, was ihre Kunst alles kann: Sie bringt Farbe ins Leben, sie amüsiert, sie irritiert und rebelliert, sie entspannt und manchmal ist sie einfach auch nur wunderschön. Diese Ausstellungen machen richtig Lust auf einen Besuch.

Vom 18. Jahrhundert bis zur Klassischen Moderne

 

Von Goya bis Manet – Meisterwerke der Neuen Pinakothek in der Alten Pinakothek, voraussichtlich wieder ab Februar 2022

Unter dem Titel „Von Goya bis Manet“ sind rund 90 Gemälde und Skulpturen vom ausgehenden 18. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert ausgestellt. Mit dem temporären Umzug der Meisterwerke aus der Neuen Pinakothek in die Alte Pinakothek bietet sich die einmalige Gelegenheit, die berühmtesten Gemälde dieser beiden Häuser vereint unter einem Dach zu erleben.

 

Stille Rebellen. Polnischer Symbolismus um 1900, Kunsthalle München, 25. März bis 7. August 2022

Die polnische Malerei um 1900 entführt in eine Welt der Mythen und Legenden, in träumerische Landschaften, in alte Traditionen und Bräuche, in die Tiefen der menschlichen Seele. In einer Nation ohne eigenen Staat – Polen war bis zu seiner Unabhängigkeit 1918 zwischen Russland, Preußen und Österreich-Ungarn aufgeteilt – trat eine junge Künstlergeneration an, die Malerei zu erneuern. Mit ihren Gemälden stifteten sie eine gemeinsame Identität. Inspiration fanden sie ebenso in der eigenen polnischen Geschichte, Kultur und Natur wie im Austausch mit Künstlerkreisen in Berlin, München, Paris, Sankt Petersburg oder Wien.

Anhand von rund 140 bedeutenden Werken aus öffentlichen und privaten Sammlungen (das Titelbild des Artikels zeigt einen Ausschnitt aus dem Gemälde „Polnischer Hamlet" von Jacek Malczewski) zeigt die Kunsthalle München erstmals in Deutschland eine so umfassende Schau zur Blütezeit der polnischen Kunst zwischen 1890 und 1918. Die Ausstellung ist eine Kooperation der Kunsthalle München mit den Nationalmuseen in Warschau, Krakau und Posen und wird vom Adam-Mickiewicz-Institut gefördert.

 

Vive le Pastel! Pastellmalerei von Vivien bis La Tour, Alte Pinakothek, 6. Mai bis 23. Oktober 2022

Pastelle waren im 18. Jahrhundert äußerst beliebt. Besonders in Frankreich entstanden zahlreiche dieser Werke, deren Farben trocken, mit Hilfe von Stiften, aber flächendeckend aufgetragen wurden und die sich daher weder der Malerei noch der Zeichnung zuordnen lassen. Pastelle dieser Zeit faszinieren bis heute – mal aufgrund ihrer Naturnähe und Unmittelbarkeit, mal aufgrund der Virtuosität ihrer Ausführung, und immer aufgrund ihrer kostbaren Fragilität.

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verfügen über einen Bestand herausragender Pastelle, die zwischen 1700 und den 1750er-Jahren entstanden sind: Auftragswerke Kurfürst Max Emanuels stehen neben späteren Erwerbungen und Dauerleihnahmen, Joseph Vivien und Maurice Quentin de La Tour sind ebenso vertreten wie Rosalba Carriera und Jean-Étienne Liotard.

Max Beckmann – Departure, Pinakothek der Moderne, 25. November 2022 bis 12. März 2023

Die groß angelegte monografische Ausstellung widmet sich erstmals dem Thema der Reise, das für Max Beckmann (1884–1950) von existentieller Bedeutung war. Sein Leben war geprägt durch tragische Erfahrungen von Krieg und Exil, aber auch von mondänen Urlaubsreisen, von Freiheitsdrang und Reisesehnsucht. Etwa 100 Leihgaben aus privaten und öffentlichen Beckmann-Sammlungen in Europa und den USA, wie das erste Triptychon „Departure" aus dem MoMA, zeigen die enorme Bandbreite der Bildmotive und -ideen des Reisens und ergänzen den größten europäischen Gemäldebestand Beckmanns, der sich in der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne befindet.

Mithilfe der Schenkung der Familiennachlässe Max Beckmanns an das Max Beckmann Archiv der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im Jahr 2015 können erstmals auch zahlreiche unbekannte Materialien und Dokumente wie Fotoalben und Filme präsentiert werden, die einen neuen und aktuellen Blick auf den Künstler ermöglichen.

 

Starke Frauen, starke Kunst

 

Unter freiem Himmel. Unterwegs mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter, Lenbachhaus, bis 30. Januar 2022

Das Lenbachhaus, nur wenige Gehminuten von den Pinakotheken entfernt im Kunstareal gelegen, zeigt mit der Ausstellung Unter freiem Himmel. Unterwegs mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter Werke des bekanntesten Paares des Blauen Reiters. Unter freiem Himmel und mit leichtem Gepäck waren die beiden nämlich jahrelang unterwegs, wie wild auf der Suche nach dem richtigen Ausdruck für ihre Malerei.

Ab 1902 entdeckten sie zunächst das Münchner Umland mit dem Fahrrad für sich. Später steuerten sie auch internationale Reiseziele an. Ihre künstlerische Neugier und die Tatsache, dass sie ihre gesellschaftlich nicht akzeptierte Beziehung unterwegs frei leben konnten, führte sie weiter nach Holland, Tunesien, an die italienische Riviera, nach Paris und zuletzt nach Südtirol.

Fujiko Nakaya. Nebel Leben, Haus der Kunst, 7. April bis 31. Juli 2022

Die Nebelskulpturen von Fujiko Nakaya bestehen vollständig aus reinem Wasser. Sie fordern traditionelle Vorstellungen von Skulptur heraus, denn je nach Temperatur, Wind und Atmosphäre verändern sie sich in jedem Augenblick.
Die Ausstellung im Haus der Kunst ist die erste Retrospektive der Künstlerin und Bildhauerin Fujiko Nakaya (*1933 in Sapporo, Japan) außerhalb Japans.

Inspiriert vom aufkeimenden ökologischen Bewusstsein der 1970er-Jahre arbeitet Nakaya seit jeher und bis heute mit Luft und Wasser – Elemente, die inzwischen im Zusammenhang mit der Klimakrise Bedeutung erlangt haben. Fujiko Nakaya wurde im Rahmen des ‚Pepsi Pavillons‘ auf der Weltausstellung in Osaka 1970 Teil der von Rauschenberg und Klüver gegründeten Gruppe Experiments in Arts and Technology (E.A.T.). Sie leitete viele Jahre lang das Japan International Video Television Festival.

 

Die Frauen der Bohème. Monacensia im Hildebrandhaus, ab Frühsommer 2022,
(Ausstellung noch nicht auf der Website des Museums verfügbar)

Die Ausstellung in der Monacensia richtet den Blick auf die Frauen der Münchner Bohème in den Jahren von 1890 bis 1920 und fragt nach deren Bedeutung im Kontext von Literatur, Kultur, Politik und Gesellschaft. Über welche Themen schreiben die Frauen der Bohème? Mit welchen Lebensentwürfen und politischen Forderungen treten sie an die Öffentlichkeit? Welche Ideale und Überzeugungen vertreten sie? Wie wollen sie leben? Wie sehr prägten sie die Bohème als Subkultur der Jahrhundertwende?

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Frauen, deren Leben und Wirken zu einem großen Teil in München angesiedelt war. An spezifischen Einzelschicksalen, wie denen von Franziska zu Reventlow, Margarete Beutler, Frida Stindberg-Uhl, Emmy Hennings und Lotte Pritzel werden Schwierigkeiten und Probleme deutlich, aber auch mutige Vorkämpferinnen für weibliche Selbstverwirklichung und Autonomie sichtbar.

Etel Adnan, Lenbachhaus, 25. Oktober 2022 bis 26. Februar 2023

Das Lenbachhaus und die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen richten gemeinsam die erste umfassende monografische Ausstellung zum Werk der 2021 im Alter von 96 Jahren verstorbenen Künstlerin Etel Adnan in Deutschland aus. Die in Beirut geborene Etel Adnan (1925 – 2021) ist eine bedeutende Vertreterin der Moderne. Ihr künstlerisches und literarisches Werk zeichnet sich durch einen gelebten Austausch zwischen der arabischen und westlichen Welt aus.

Das Werk der Dichterin, Journalistin, Malerin und Philosophin, die ihr Leben zwischen dem Libanon, Frankreich und Kalifornien verbracht hat, verbindet ganz unterschiedliche Kunstformen, Medien, Sprachen und Kulturen. Nach dem Unabhängigkeitskrieg Algeriens (1954 – 1962) lehnte Adnan es ab, weiterhin in der französischen Sprache zu arbeiten und solidarisierte sich mit Algerien: „Ich brauchte nicht mehr auf Französisch zu schreiben, ich wollte in Arabisch malen.“ Ihre politische Klarheit sowie die enge Verbindung zwischen dem Schreiben und dem Malen sind zu wesentlichen Merkmalen ihres Oeuvres geworden.

 

Kunst im Dialog

 

Intervention. Intermezzo Murano. Moderne trifft Barock, Bayerisches Nationalmuseum, bis 24. April 2022

Ergebnis einer spannenden Kooperation des Bayerischen Nationalmuseums mit der Neuen Sammlung – The Design Museum ist die Ausstellung „Intervention. Intermezzo Murano. Moderne trifft Barock“. Murano gilt als Inbegriff der italienischen Glaskunst. Ihre Tradition reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als Venedig seine schon damals weltberühmte Glasherstellung auf die benachbarte Insel verlagerte.

Nach einer wechselvollen Geschichte erlebte das Glas aus Murano im 20. Jahrhundert eine neue Hochphase. Manufakturen wie Archimede Seguso, Barovier & Toso oder Venini leisteten hier bahnbrechende Arbeit. In der Sammlung barocker Glaskunst des Bayerischen Nationalmuseums werden erstmals rund 30 hochkarätige Werke aus Murano der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts präsentiert, die aus dem Bestand der Neuen Sammlung – The Design Museum stammen.

Seladon im Augenmerk. Jadegleiche Porzellane und ihre Meister:innen in Longquan, China, Museum Fünf Kontinente, bis 27. März 2022

China kennt verschiedenartige Porzellane, die mit lokalen Tonarten und Erden seit Jahrhunderten in spezialisiertem Handwerk hergestellt werden. Dazu zählt das in vielfältigen Grün- und Blautönen schimmernde Seladon. Seit spätestens dem 9. Jahrhundert ist Zhejiang bekannt für dieses Porzellan. Die Stadt Longquan im Südwesten der Provinz entwickelte sich früh zu einem Zentrum der Porzellankunst, deren komplexes Wissen innerhalb einzelner Familien von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Die erste Blütezeit erlebte das Longquan-Seladon vom 11. bis in das 14. Jahrhundert: Es fand Eingang in die kaiserlichen Sammlungen und wurde in die ganze Welt exportiert. Bis Ende des 19. Jahrhunderts geriet das Wissen um seine Herstellung dann mehr und mehr in Vergessenheit. Erst in den 1950er-Jahren konnte das Handwerk über die Etablierung von staatlichen Fabriken wiederbelebt werden. Eine erste Generation junger Keramiker und nun auch Keramikerinnen wuchs heran. Die Ausstellung im Museum Fünf Kontinente bietet ethnologische Einblicke in Geschichte, Technologie und Wissen in der Seladon-Metropole Longquan und präsentiert Spitzenstücke von achtzehn Seladon-Meisterinnen und -Meistern.

 

Lust auf Lustheim. Meißen inspiriert. Moderne Keramik, Schloss Lustheim (Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums), bis 6. Juni 2022

2021 feierte die Meißener Porzellan-Sammlung Stiftung Ernst Schneider in Schloss Lustheim ihr 50-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums hat das Bayerische Nationalmuseum die Galerie Handwerk München zu einer Kooperation eingeladen. So entstand eine Ausstellung, die das historische Meißener Porzellan und zeitgenössische Keramik in einen erfrischenden, anregenden und kurzweiligen Dialog setzt.

Mit unterschiedlichsten künstlerischen Positionen demonstrieren 38 Keramiker*innen aus dem In- und Ausland ihre Beziehung zum barocken Porzellan. Für die Ausstellung wurden kreative Spitzenwerke ausgewählt, die einen ausgezeichneten Überblick über die internationale Keramikszene von Deutschland und Belgien bis China und Südkorea geben.

Site Visit, Museum Brandhorst, 8. März bis 3. April 2022

„Site Visit“ vereint eine Gruppe international tätiger Künstlerinnen und Künstler für ein einmonatiges Programm, das mit Talks, Workshops und wechselnden Installationen im Patio, dem großen Ausstellungsraum des Museums Brandhorst, stattfindet. Ortsbegehungen sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil künstlerischer Praxis, da sie es möglich machen, die Arbeiten auf spezifische Ausstellungskontexte abzustimmen. Sie bieten aber auch die Gelegenheit, über verschiedene Arten der Auseinandersetzung mit Institutionen nachzudenken.

Die Zusammenführung einer vielfältigen Künstlergruppe und die Inszenierung einer Reihe lokaler wie internationaler Begegnungen im Museum Brandhorst bieten eine einzigartige Chance, sich auf ebenso intime wie lebendige Weise mit einigen der innovativsten künstlerischen Praktiken der Gegenwart zu befassen. Im Laufe des Programms werden die Künstler*innen auch Gelegenheit haben, ihre Arbeitsweisen eingehend zu erläutern und vorzustellen.

 

Gruppendynamik – Der Blaue Reiter, Lenbachhaus, 23. März 2021 bis 5. März 2023

„Das ganze Werk, Kunst genannt, kennt keine Grenzen und Völker, sondern die Menschheit." So formulierten es Kandinsky und Marc in ihrem Almanach „Der Blaue Reiter" 1912. Dieses Credo inspirierte das Lenbachhaus zu einer neuen Präsentation, die das Schaffen der Künstlergruppe in den Zusammenhang der im Almanach veranschaulichten kunst- und kulturhistorischen Erzählung einbettet.

Erstmals können in der Ausstellung die Verbindungen zwischen bayerischer und russischer Volkskunst, japanischen Holzschnitten, Kinderzeichnungen, zeitgenössischer Musik sowie den im Almanach abgebildeten Werken aus Bali, Gabun, Ozeanien, Sri Lanka, Mexiko und Ägypten konkret nachvollzogen werden. Durch den Dialog zwischen bedeutenden Leihgaben und den vertrauten Sammlungsbildern eröffnen sich neue Perspektiven auf das Selbstverständnis des Blauen Reiter.

 

Hauptsache. Hüte, Hauben, Hip-Hop-Caps, Bayerisches Nationalmuseum, 20. Oktober 2022 bis 30. April 2023
(Ausstellung noch nicht auf der Website des Museums verfügbar)

Kopfbedeckungen waren und sind Kommunikationsmittel erster Güte: Sie dienen der Selbstdarstellung, machen Hierarchien sichtbar, können Gruppen vereinen, aber auch voneinander trennen. Das Bayerische Nationalmuseum präsentiert aus seinem Bestand rund 300 Hüte, Hauben, Mützen und vieles mehr. Vom Mittelalter bis in die Gegenwart wird die Kulturgeschichte dieser „Hauptsache“ unter verschiedenen Aspekten beleuchtet.

Im Zentrum stehen die historischen Originale, kommentiert und erläutert durch Bildmaterial in verschwenderischer Fülle. Leihgaben für das 20. und 21. Jahrhundert aus bedeutenden Privatsammlungen sowie von aktuellen Modist*innen und Hut-Künstler*innen ergänzen die Präsentation. Die Sonderausstellung zeigt: Kopfbedeckungen sind modische Statements, von einzigartiger Vielfalt und einfach wunderschön!

München – Mekka der zeitgenössischen Kunst

 

Future bodies from a recent past – Skulptur, Technologie, Körper seit den 1950er-Jahren, Museum Brandhorst, 2. Juni 2022 bis 15. Januar 2023

Welch fundamentale Bedeutung die rasante Technisierung für unsere Körper hat und haben wird, ist ebenso offensichtlich wie unabsehbar. Die Vernetzung mit technologischen Geräten, aber auch technische „Optimierungen“ von Körper und Geist sind längst Realität geworden. Die wechselseitige Beziehung zwischen Körper und Technologie wird in der zeitgenössischen Kunst schon lange vor allem in Form von Skulpturen thematisiert, die aber bisher wenig Beachtung fanden. „Future Bodies“ rückt dieses Thema in den Fokus: Mit Werken von rund 80 internationalen Künstlern – vornehmlich aus Europa, den USA und Japan, die von den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart entstanden sind.

Sweat, Haus der Kunst, bis 27. Februar 2022

Der menschliche Körper produziert Schweiß bei so unterschiedlichen emotionalen Zuständen wie Widerstand, Angst, Anziehung und Abstoßung, Freude, sexueller Erregung und Exzess. Die Ausstellung „Sweat“ im Haus der Kunst erzählt – ausgehend von bewegten Körpern – von lustvoller Selbstermächtigung und Geschichten des Widerstands. Die hier versammelten 30 künstlerischen Stimmen sind an unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten und angesichts verschiedener Bedingungen des sozialen Druckes entstanden.

Die jeweiligen Erfahrungen der Ausgrenzung und Unterdrückung – in Bezug auf Kultur, Geschlecht, Herkunft, soziale Schicht oder Sexualität – werden dabei nicht gegeneinander aufgewogen oder abgegrenzt. Ziel der Ausstellung „Sweat“ ist es vielmehr, die Aufmerksamkeit auf die Komplexität verschiedener Realitäten zu lenken und sinnliche Zugänge zu aktuellen gesellschaftlichen Diskursen zu schaffen.

 

German Pop – Thomas Bayrle, K.H. Hödicke, Jörg Immendorff, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Museum Brandhorst, bis 18. April 2022

Parallel zu Andy Warhol und der amerikanischen Pop-Art reagierten auch in Deutschland viele Künstlerinnen und Künstler auf die neue Konsumkultur der 1960er-Jahre. Für die Sammlung des Museums Brandhorst  wurden in den vergangenen Jahrzehnten herausragende Werke des sogenannten „German Pop“ erworben. Jüngste Beispiele sind Jörg Immendorffs „Teine Tunst mache“, Thomas Bayrles „Vasarely“ (beide 1965) und sechs frühe Gemälde von K.H. Hödicke. Die im Erdgeschoss gezeigten Werke setzen sich mit dem konservativen Kunstverständnis im Nachkriegsdeutschland auseinander.

 

Joan Jonas, Haus der Kunst, 9. September 2022 bis 29. Januar 2023

Die bisher umfangreichste Werkschau der visionären Künstlerin Joan Jonas (*1936, New York) in Deutschland wurde von der Künstlerin und dem Haus der Kunst in Zusammenarbeit mit der Tate Modern, London, konzipiert. Ein grundlegendes Interesse an kulturellen Riten sowie dynamischen Prozessen der Spiegelung, Verschiebung und Neubestimmung zwischen Genre und Zeiten kennzeichnet das Werk von Joan Jonas. Die Werkschau legt den Fokus auf wiederkehrende Themen.

Ökologische Fragestellungen klingen bereits in frühen Videoarbeiten wie Wind (1968) an; sie sind zentral für raumgreifende Installationen wie Reanimation (2010 – 2012) oder Stream or River, Flight or Pattern (2016), die den Klimawandel und bedrohte Ökosysteme erzählerisch behandeln. Die Befragung kollektiver Bilder und Figuren aus Mythologie, Märchen und Fabel vor dem Hintergrund sozio-politischer Ereignisse bildet den Ausgangspunkt für Werke wie Juniper Tree (1969), Volcano Saga (1985) oder Lines in the Sand (2002).

Kunstlabor 2, Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA), ab sofort für fünf Jahre

Knapp 10.000 Quadratmeter und sechs Etagen umfasst das KUNSTLABOR 2 in einem ehemaligen Gesundheitshaus in der Maxvorstadt. Es wurde als Zwischennutzungsprojekt vom Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA) in ein neues Zentrum für Kunst und Kultur umgewandelt. Besonders spannend für Fans von Street- und Urban Art: Zwei der sechs Etagen wurden und werden von mehr als 100 Künstlern in ein begehbares Kunstwerk verwandelt.

Mit dabei sind bekannte Namen wie Loomit oder Rapper Samy Deluxe, aber auch Newcomer wie Pepe (alias Jose Luis Villanueva Contreras). Neben den permanenten Rauminstallationen und wechselnden Ausstellungen wird ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten: Führungen, Workshops, Filmtage, Konzerte, Lesungen, Werkstätten, Performances und viele weitere kulturelle Highlights. Die Fassade wird legal und kostenfrei von den Betreibern des KUNSTLABOR 2 für Künstler als gestalterische Plattform zur Verfügung gestellt.

 

Fotoausstellungen

 

Wildlife Photographer of the Year 2021 – Die 100 besten Bilder zu Gast im Museum Mensch und Natur, 10. Dezember 2021 bis 6. März 2022

Mit der Ausstellung Wildlife Photographer of the Year kehrt ein Publikumsliebling zurück ins Museum Mensch und Natur. Gezeigt werden die preisgekrönten Bilder des gleichnamigen Wettbewerbs für Naturfotografie, der als größter und renommiertester seiner Art gilt und jährlich vom Natural History Museum London ausgerichtet wird. Mit insgesamt 100 faszinierenden Bildern bietet die Ausstellung bewegende Einblicke in das großartige, vielfältige und manchmal auch dramatische Naturgeschehen.

 

Ragnar Axelsson. Where the world is melting, 15. Dezember 2021 bis 13. April 2022, Versicherungskammer Kulturstiftung

Seit über 40 Jahren fotografiert der Isländer Ragnar Axelsson (*1958), auch bekannt als Rax, Menschen, Tiere und Landschaften in den entlegensten Regionen der Arktis, etwa in Island, Sibirien und Grönland. In kargen Schwarz-Weiß-Aufnahmen fängt er die elementaren Naturerfahrungen des Menschen am Rand der bewohnbaren Welt ein und macht die außergewöhnlichen Beziehungen zwischen den Menschen der Arktis und ihrer extremen Umgebung sichtbar – Beziehungen, die sich aufgrund nie da gewesener Klimaentwicklungen heute tiefgreifend und vielschichtig verändern.

Als Fotojournalist bei Morgunblaðið (1976 – 2020) hat Ragnar auch als Freelancer in Lettland, Litauen, Mosambik, Südafrika, China und der Ukraine gearbeitet. Seine Fotografien wurden in Zeitschriften wie LIFE, Newsweek, Stern, GEO, National Geographic, TIME und Polka abgedruckt und weltweit ausgestellt.

Vertrauliche Distanz. Fotografien von Barbara Niggl Radloff 1958 – 2004, Münchner Stadtmuseum, bis 20. März 2022

Nach einer Jugend zwischen den Trümmern fand die Künstlerin Barbara Niggl Radloff (1936 – 2010) in der Fotografie ihr Medium, um Menschen und Geschehen im München der Nachkriegszeit festzuhalten. Barbara Niggl Radloffs frühe Karriere als Bildjournalistin und ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Künstlerporträt haben zu einem beeindruckenden Œuvre geführt.

Der Nachlass der Fotografin gelangte 2018 als Schenkung der Familie Radloff in die Sammlung. Obwohl ihr Werk in der deutschen Fotografie nach 1945 eine besondere Stellung einnimmt, ist es bis heute weitgehend unbekannt geblieben. Im Rahmen einer großen Retrospektive präsentiert das Münchner Stadtmuseum dieses Werk nun erstmals der Öffentlichkeit.

 

Kunst zum Schmunzeln

 

Duckomenta, Staatliches Museum Ägyptischer Kunst (SMÄK), bis 30. Januar 2022

Einen ungewöhnlichen, weil erheiternden Dialog mit großer Kunst bietet die Ausstellung Duckomenta. Nicht nur die „Mona Lisa" oder die Picknickgruppe aus Èdourd Manets „Frühstück im Grünen" tragen hier Entenschnäbel: Fossilien, fremde Artefakte, Gemälde oder Skulpturen aus allen Epochen und Teilen der Welt beweisen mit einem Augenzwinkern: Die Enten waren den Menschen mehr als einmal eine Schnabellänge voraus.

Die DUCKOMENTA ist ein Projekt der Berliner Künstlergruppe interDuck. Seit 30 Jahren präsentiert sie täuschend echte Enten-Exponate. Als Inspiration dienen dabei weltberühmte Highlights der menschlichen Kunst- und Kulturgeschichte. Im SMÄK werden rund 150 originale Werke der DUCKOMENTA präsentiert, darunter Neuentdeckungen aus dem Alten Ägypten.

Herr Haas zeigt: Hasen, Valentin-Karlstadt-Musäum, 25. November 2021 bis 8. März 2022

Was machen die Hasen eigentlich, wenn nicht gerade Ostern ist? Dieser Frage und einigen anderen bislang ungeklärten Hasenfragen sind 55 Künstlerinnen und Künstler nachgegangen. Sie malten, zeichneten oder schrieben und erleuchten uns so die dunkle, kalte Jahreszeit, in der es weder junge Möhrchen noch saftigen Klee zu knabbern gibt, mit ihren höchst humorvollen Erkenntnissen.

Von was leben Hasen? Was machen Sie beruflich, wenn sie nicht tausende von Ostereiern bemalen? Welche Sportarten bevorzugen sie? Wie sieht das Familienleben der Hasen aus? Wie steht es um die Erotik und das Liebesleben und wie sieht der Hase den Tod? Ist Dürers Feldhase in Wirklichkeit ein Selbstportrait? Was hat Joseph Beuys dem toten Hasen ins Ohr geflüstert, damals? Noch mehr Fragen und ein paar Antworten liefert die Sonderausstellung im Valentin-Karlstadt-Musäum.

 

Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum

 

To be seen. queer lives 1900 – 1950, NS-Dokumentationszentrum München, 18. Mai 2022 bis 8. Januar 2023

Die Ausstellung widmet sich der bewegten Geschichte von LGBTIQ* in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ausgewählte Exponate zeigen, wie queeres Leben ab 1900 in allen öffentlichen Bereichen – in Kunst und Kultur, Wissenschaft, Politik und Militär – immer sichtbarer wurde. Je selbstbewusster für gleiche Rechte gekämpft wurde, umso größer wurden jedoch auch die Widerstände. Die nationalsozialistischen Machthaber zerstörten die queere Subkultur und die von ihr besetzten Räume schließlich weitgehend.

„TO BE SEEN“ lädt Gäste ein, diesen häufig vergessenen Geschichten und Lebensentwürfen nachzuspüren. Neben historischen Zeugnissen werden in der Ausstellung Werke von Künstler*innen der Gegenwart gezeigt, die teils eigens für die Ausstellung entwickelt wurden.

Ausstellungen im Deutschen Museum

 

Mobile Kinderwelten, Verkehrszentrum des Deutschen Museums, bis 20. Februar 2022

„Schau mal, so eins hatte ich auch!“ Solche Ausrufe sind gerade häufiger im Verkehrszentrum des Deutschen Museums zu hören. Beim Anblick von Bonanzarad, Kettcar oder Seifenkiste fühlen sich viele Große um Jahrzehnte zurückversetzt. Und nicht nur die Kleinen bekommen spontan Lust, auf dem Steiff-Bären davon zu rollen oder die Sprungfedern unter die Schuhe zu schnallen. Die Sonderausstellung „Mobile Kinderwelten“ zeigt Spielmobile aus mehr als 150 Jahren. Etwa 80 teils skurrile und seltene Stücke wurden hier zusammengetragen, von der Zimmerrodelbahn bis zum Karussell-Feuerwehrauto.

 

19 komplett neue Dauerausstellungen auf der Museumsinsel, Deutsches Museum, ab 2022

Der erste Abschnitt der großen Modernisierung des Gebäudes auf der Museumsinsel ist vollendet. Auf rund 20.000 Quadratmetern gibt es gleich 19 komplett erneuerte Dauerausstellungen zu entdecken. Die thematische Vielfalt reicht dabei von der Atomphysik bis zu Landwirtschaft und Ernährung, von der Chemie bis zu Brücken und Wasserbau, von der Luft- und Raumfahrt bis zur Gesundheit. Gezeigt werden einige der größten Meisterwerke, wie der erste Dieselmotor, das Siemens-Studio für elektronische Musik, die Helios-Raumsonde oder die berühmt-berüchtigte Enigma-Chiffriermaschine.

Und es sind auch Neuerwerbungen des Deutschen Museums, wie der richtungsweisende Sycamore-Quantenprozessor oder die ersten zugelassenen Anti-Corona-Impfstoffe zu sehen. Viele interaktive Demonstrationen, begehbare Exponate, Erlebnisräume für Virtual Reality oder Augmented Reality und zahlreiche Medienstationen machen Technik und Wissenschaft lebendig und im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar.

 

Informationen zu Ausstellungen und zu den Münchner Museen mit Adressen und Öffnungszeiten finden Sie auch auf muenchen.de und auf museen-in-muenchen.de

 

 

Text: Karoline Graf; Fotos: Nationalmuseum Warschau, Museum of Modern Art New York, Fratelli Büchi, Japan Foundation, interDuck, Bayerisches Nationalmuseum, Ben Broomfield, Pierre Le Hors, MUCA/ Wunderland Media, Ragnar Axelsson, Deutsches Museum

 

Coronavirus

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