Ausstellungsvorschau Münchner Museen 2022

Lust auf Kunst

Die Münchner Museen im Kunstareal und in der ganzen Stadt laden ein zur Begegnung mit den Alten Meistern genauso wie mit den jungen Wilden und vielen weiteren internationalen Künstler*innen aller Sparten und Epochen. Großartig, was ihre Kunst alles kann: Sie bringt Farbe ins Leben, sie amüsiert, sie irritiert und rebelliert, sie entspannt und manchmal ist sie einfach auch nur wunderschön.  Diese Ausstellungen machen richtig Lust auf einen Besuch:

Vom 18. Jahrhundert bis zur Klassischen Moderne

 

Von Goya bis Manet - Meisterwerke der Neuen Pinakothek in der Alten Pinakothek, 14.12.21 - 31.12.22

Unter dem Titel „Von Goya bis Manet“ sind rund 90 Gemälde und Skulpturen vom ausgehenden 18. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert ausgestellt. Mit dem temporären Umzug der Meisterwerke aus der Neuen Pinakothek in die Alte Pinakothek bietet sich die einmalige Gelegenheit, die berühmtesten Gemälde dieser beiden Häuser vereint unter einem Dach zu erleben.

 

Stille Rebellen. Polnischer Symbolismus um 1900, Kunsthalle München, 25.03. - 07.08.2022

Die polnische Malerei um 1900 entführt in eine Welt der Mythen und Legenden, in träumerische Landschaften, in alte Traditionen und Bräuche, in die Tiefen der menschlichen Seele. In einer Nation ohne eigenen Staat – Polen war bis zu seiner Unabhängigkeit 1918 zwischen Russland, Preußen und Österreich-Ungarn aufgeteilt – trat eine junge Künstlergeneration an, die Malerei zu erneuern. Mit ihren Gemälden stifteten sie eine gemeinsame Identität. Inspiration fanden sie ebenso in der eigenen polnischen Geschichte, Kultur und Natur wie im Austausch mit Künstlerkreisen in Berlin, München, Paris, Sankt Petersburg oder Wien.

Anhand von rund 140 bedeutenden Werken aus öffentlichen und privaten Sammlungen (das Titelbild des Artikels zeigt einen Ausschnitt aus dem Gemälde „Polnischer Hamlet" von Jacek Malczewski) zeigt die Kunsthalle München erstmals in Deutschland eine so umfassende Schau zur Blütezeit der polnischen Kunst zwischen 1890 und 1918. Die Ausstellung ist eine Kooperation der Kunsthalle München mit den Nationalmuseen in Warschau, Krakau und Posen und wird vom Adam-Mickiewicz-Institut gefördert.

Max Beckmann – Departure, Pinakothek der Moderne, 25.11.22 - 12.03.23

Die groß angelegte monografische Ausstellung widmet sich erstmals dem Thema der Reise, das für Max Beckmann (1884–1950) von existentieller Bedeutung war. Sein Leben war geprägt durch tragische Erfahrungen von Krieg und Exil, aber auch von mondänen Urlaubsreisen, von Freiheitsdrang und Reisesehnsucht. Etwa 100 Leihgaben aus privaten und öffentlichen Beckmann-Sammlungen in Europa und den USA, wie das erste Triptychon „Departure" aus dem MoMA, zeigen die enorme Bandbreite der Bildmotive und -ideen des Reisens und ergänzen den größten europäischen Gemäldebestand Beckmanns, der sich in der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne befindet.

Mithilfe der 2015 erfolgten Schenkung der Familiennachlässe Max Beckmanns an das Max Beckmann Archiv der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen können erstmals auch zahlreiche unbekannte Materialien und Dokumente wie Fotoalben und Filme präsentiert werden, die einen neuen und aktuellen Blick auf den Künstler ermöglichen.

 

Starke Frauen, starke Kunst

 

Alexandra Bircken: A–Z, Museum Brandhorst, bis 16. Januar 2022

Alexandra Birckens Kunst basiert auf den Prinzipien des Trennens und Verbindens unserer Welt des Innen und Außen. Das Museum Brandhorst widmet der international bedeutenden deutschen Bildhauerin ihre bislang umfangreichste Werkschau. Wie stehen wir der uns unmittelbar umgebenden Umwelt gegenüber? Schützen wir uns oder setzen wir uns ihr widerstandslos aus? Sind wir verletzlich oder gerüstet und unangreifbar? Und wie konstituiert sich unser Körper in einer technoiden Zeit, in der er selbst ein archaisches Überbleibsel zu sein scheint?

 

Unter freiem Himmel. Unterwegs mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter, Lenbachhaus, bis 30. Januar 2022

Das Lenbachhaus, nur wenige Gehminuten von den Pinakotheken entfernt im Kunstareal gelegen, zeigt mit der Ausstellung Unter freiem Himmel. Unterwegs mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter Werke des bekanntesten Paares des Blauen Reiters. Unter freiem Himmel und mit leichtem Gepäck waren die beiden jahrelang unterwegs, wie wild auf der Suche nach dem richtigen Ausdruck für ihre Malerei.

Ab 1902 entdeckten sie zunächst das Münchner Umland mit dem Fahrrad für sich. Später steuerten sie auch internationale Reiseziele an. Ihre künstlerische Neugier und die Tatsache, dass sie ihre gesellschaftlich nicht akzeptierte Beziehung unterwegs frei leben konnten, führte sie weiter nach Holland, Tunesien, an die italienische Riviera, nach Paris und zuletzt nach Südtirol.

 

Vertrauliche Distanz. Fotografien von Barbara Niggl Radloff 1958–2004, Münchner Stadtmuseum, bis 20. März 2022

Nach einer Jugend zwischen den Trümmern fand die Künstlerin Barbara Niggl Radloff (1936–2010) in der Fotografie ihr Medium, um Menschen und Geschehen im München der Nachkriegszeit festzuhalten. Barbara Niggl Radloffs frühe Karriere als Bildjournalistin und ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Künstlerporträt haben zu einem beeindruckenden Œuvre geführt.

Der Nachlass der Fotografin gelangte 2018 als Schenkung der Familie Radloff in die Sammlung. Obwohl ihr Werk in der deutschen Fotografie nach 1945 eine besondere Stellung einnimmt, ist es bis heute weitgehend unbekannt geblieben. Im Rahmen einer großen Retrospektive präsentiert das Münchner Stadtmuseum dieses Werk nun erstmals der Öffentlichkeit.

Fujiko Nakaya. Nebel Leben, Haus der Kunst, 07.04.-31.7.2022

Die Nebelskulpturen von Fujiko Nakaya bestehen vollständig aus reinem Wasser. Sie fordern traditionelle Vorstellungen von Skulptur heraus, denn je nach Temperatur, Wind und Atmosphäre verändern sie sich in jedem Augenblick.
Die Ausstellung im Haus der Kunst ist die erste Retrospektive der Künstlerin und Bildhauerin Fujiko Nakaya (*1933 in Sapporo, Japan) außerhalb Japans.

Inspiriert vom in den 1970er-Jahren aufkeimenden ökologischen Bewusstsein arbeitet Nakaya seit jeher und bis heute mit Luft und Wasser – Elemente, die inzwischen im Zusammenhang der Klimakrise Bedeutung erlangt haben. Fujiko Nakaya wurde im Rahmen des ‚Pepsi Pavillons‘ auf der Weltausstellung in Osaka 1970 Teil der von Rauschenberg und Klüver gegründeten Gruppe Experiments in Arts and Technology (E.A.T.). Sie leitete viele Jahre lang das Japan International Video Television Festival.

 

Die Frauen der Bohème. Monacensia im Hildebrandhaus, ab Frühsommer 2022,
(Ausstellung noch nicht auf der Website des Museums verfügbar)

Die Ausstellung in der Monacensia richtet den Blick auf die Frauen der Münchner Bohème in den Jahren von 1890 bis 1920 und fragt nach deren Bedeutung im Kontext von Literatur, Kultur, Politik und Gesellschaft. Über welche Themen schreiben die Frauen der Bohème? Mit welchen Lebensentwürfen und politischen Forderungen treten sie an die Öffentlichkeit? Welche Ideale und Überzeugungen vertreten sie? Wie wollen sie leben? Wie sehr prägten sie die Bohème als Subkultur der Jahrhundertwende?

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Frauen, deren Leben und Wirken zu einem großen Teil in München angesiedelt war. An spezifischen Einzelschicksalen, wie denen von Franziska zu Reventlow, Margarete Beutler, Frida Stindberg-Uhl, Emmy Hennings und Lotte Pritzel werden Schwierigkeiten und Probleme deutlich, aber auch mutige Vorkämpferinnen für weibliche Selbstverwirklichung und Autonomie sichtbar.

Kunst im Dialog

 

Intervention. Intermezzo Murano. Moderne trifft Barock, Bayerisches Nationalmuseum, bis 9. Januar 2022

Ergebnis einer spannenden Kooperation des Bayerischen Nationalmuseums mit der Neuen Sammlung – The Design Museum ist die Ausstellung „Intervention. Intermezzo Murano. Moderne trifft Barock“. Murano gilt als Inbegriff der italienischen Glaskunst. Ihre Tradition reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als Venedig seine schon damals weltberühmte Glasherstellung auf die benachbarte Insel verlagerte.

Nach einer wechselvollen Geschichte erlebte das Glas aus Murano im 20. Jahrhundert eine neue Hochphase. Manufakturen wie Archimede Seguso, Barovier & Toso oder Venini leisteten hier bahnbrechende Arbeit. In der Sammlung barocker Glaskunst des Bayerischen Nationalmuseums werden erstmals rund 30 hochkarätige Werke aus Murano der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts präsentiert, die aus dem Bestand der Neuen Sammlung – The Design Museum stammen.

Teil 2: Au Rendez-Vous Des Amis. Klassische Moderne im Dialog mit Gegenwartskunst aus der Sammlung Goetz,  Pinakothek der Moderne, bis 16. Januar 2022

Auf eine besondere Zeitreise durch die Kunst des 20. Jahrhunderts entführt eine Kooperationsausstellung der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne mit der Sammlung Goetz. Die Ausstellung „Au Rendez-Vous Des Amis“ schafft einen Dialog zwischen Werken der klassischen Moderne, wie zum Beispiel von Pablo Picasso, Franz Marc, Emil Nolde, Oscar Schlemmer und Francis Bacon, mit den Werken zeitgenössischer Künstler*innen aus der Sammlung Goetz. Man erfährt dabei, auf welch vielschichtige Art die Gegenwartskunst von älteren Künstlergenerationen inspiriert wurde.

Wegen großer Beliebtheit bei den Besucher*innen wurde die ursprüngliche Ausstellung um einen zweiten Teil verlängert, in dem die  Kurator*innen die Schau um weitere Gegenüberstellungen bereichert haben. Einige der thematisch gegliederten Räume wurden komplett neu konzipiert und zeigen Werke von unter anderem Carla Accardi, Michael Buthe, Marcel Odenbach, Tom Sachs, Egon Schiele, Cindy Sherman, Tatiana Trouvé, Luc Tuymans, die nun die Präsentation ergänzen und weitere Dialoge zwischen Klassischer Moderne und Gegenwartskunst schaffen.

 

Duckomenta, Staatliches Museum Ägyptischer Kunst (SMÄK), bis 30. Januar 2022

Einen ungewöhnlichen, weil erheiternden Dialog mit großer Kunst bietet die Ausstellung Duckomenta. Nicht nur die „Mona Lisa" oder die Picknickgruppe aus Èdourd Manets „Frühstück im Grünen" tragen hier Entenschnäbel: Fossilien, fremde Artefakte, Gemälde oder Skulpturen aus allen Epochen und Teilen der Welt beweisen mit einem Augenzwinkern: Die Enten waren den Menschen mehr als einmal eine Schnabellänge voraus.

Die DUCKOMENTA ist ein Projekt der Berliner Künstlergruppe interDuck. Seit 30 Jahren präsentiert sie täuschend echte Enten-Exponate. Als Inspiration dienen dabei weltberühmte Highlights der menschlichen Kunst- und Kulturgeschichte. Im SMÄK werden rund 150 originale Werke der DUCKOMENTA präsentiert, darunter Neuentdeckungen aus dem Alten Ägypten.

Seladon im Augenmerk. Jadegleiche Porzellane und ihre Meister*innen in Longquan, China, Museum Fünf Kontinente, bis 27. März 2022

China kennt verschiedenartige Porzellane, die mit lokalen Tonarten und Erden seit Jahrhunderten in spezialisiertem Handwerk hergestellt werden. Dazu zählt das in vielfältigen Grün- und Blautönen schimmernde Seladon. Seit spätestens dem 9. Jahrhundert ist Zhejiang bekannt für dieses Porzellan. Die Stadt Longquan im Südwesten der Provinz entwickelte sich früh zu einem Zentrum der Porzellankunst, deren komplexes Wissen innerhalb einzelner Familien von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Die erste Blütezeit erlebte das Longquan-Seladon vom 11. bis in das 14. Jahrhundert: es fand Eingang in die kaiserlichen Sammlungen und wurde in die ganze Welt exportiert. Bis Ende des 19. Jahrhunderts geriet das Wissen um seine Herstellung dann mehr und mehr in Vergessenheit. Erst in den 1950er-Jahren konnte das Handwerk über die Etablierung von staatlichen Fabriken wiederbelebt werden. Eine erste Generation junger Keramiker und nun auch Keramikerinnen wuchs heran. Die Ausstellung im Museum Fünf Kontinente bietet ethnologische Einblicke in Geschichte, Technologie und Wissen in der Seladon-Metropole Longquan und präsentiert Spitzenstücke von achtzehn Seladon-Meister*innen.

 

Lust auf Lustheim. Meißen inspiriert. Moderne Keramik, Schloss Lustheim (Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums), bis 6. Juni 2022

2021 feierte die Meißener Porzellan-Sammlung Stiftung Ernst Schneider in Schloss Lustheim ihr 50jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums hat das Bayerische Nationalmuseum die Galerie Handwerk München zu einer Kooperation eingeladen. So entstand eine Ausstellung, die das historische Meißener Porzellan und zeitgenössische Keramik in einen erfrischenden, anregenden und kurzweiligen Dialog setzt.

Mit unterschiedlichsten künstlerischen Positionen demonstrieren 38 Keramiker*innen aus dem In- und Ausland ihre Beziehung zum barocken Porzellan. Für die Ausstellung wurden kreative Spitzenwerke ausgewählt, die einen ausgezeichneten Überblick über die internationale Keramikszene von Deutschland und Belgien bis China und Südkorea geben.

Site Visit, Museum Brandhorst, 08.03. - 03.04.2022

„Site Visit“ vereint eine Gruppe international tätiger Künstler*innen für ein einmonatiges Programm, das mit Talks, Workshops und wechselnden Installationen im Patio, dem großen Ausstellungsraum des Museums Brandhorst, stattfindet. Ortsbegehungen sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil künstlerischer Praxis, da sie es Künstler*innen erlauben, ihre Arbeiten auf spezifische Ausstellungskontexte abzustimmen. Sie bieten aber auch die Gelegenheit, über verschiedene Arten der Auseinandersetzung mit Institutionen nachzudenken.

Die Zusammenführung einer vielfältigen Gruppe internationaler Künstler*innen und die Inszenierung einer Reihe lokaler wie internationaler Begegnungen im Museum Brandhorst bieten eine einzigartige Chance, sich auf ebenso intime wie lebendige Weise mit einigen der innovativsten künstlerischen Praktiken der Gegenwart zu befassen. Im Laufe des Programms werden die Künstler*innen auch Gelegenheit haben, ihre Arbeitsweisen eingehend zu erläutern und vorzustellen.

 

Hauptsache. Hüte, Hauben, Hip-Hop-Caps, Bayerisches Nationalmuseum, 20.10.22 – 30.04.23
(Ausstellung noch nicht auf der Website des Museums verfügbar)

Kopfbedeckungen waren und sind Kommunikationsmittel erster Güte: Sie dienen der Selbstdarstellung, machen Hierarchien sichtbar, können Gruppen vereinen, aber auch voneinander trennen. Das Bayerische Nationalmuseum präsentiert aus seinem Bestand rund 300 Hüte, Hauben, Mützen und vieles mehr. Vom Mittelalter bis in die Gegenwart wird die Kulturgeschichte dieser „Hauptsache“ unter verschiedenen Aspekten beleuchtet.

Im Zentrum stehen die historischen Originale, kommentiert und erläutert durch Bildmaterial in verschwenderischer Fülle. Leihgaben für das 20. und 21. Jahrhundert aus bedeutenden Privatsammlungen sowie von aktuellen Modist*innen und Hut-Künstler*innen ergänzen die Präsentation. Die Sonderausstellung zeigt: Kopfbedeckungen sind modische Statements, von einzigartiger Vielfalt und einfach wunderschön!

München - Mekka der zeitgenössischen Kunst

 

Future bodies from a recent past - Skulptur, Technologie, Körper seit den 1950er Jahren, Museum Brandhorst, 02.06.22 - 15. 01.23

Welch fundamentale Bedeutung die rasante Technisierung für unsere Körper hat und künftig haben wird, ist ebenso offensichtlich wie unabsehbar. Die Vernetzung mit technologischen Geräten, aber auch technische „Optimierungen“ von Körper und Geist sind längst Realität geworden. Die wechselseitige Beziehung zwischen Körper und Technologie wird in der zeitgenössischen Kunst schon lange vor allem in Form von Skulpturen thematisiert, die aber bisher wenig Beachtung fanden. „Future Bodies“ rückt dieses Thema in den Fokus: Mit Werken von rund 80 internationalen Künstler*innen – vornehmlich aus Europa, den USA und Japan, die von den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart entstanden sind.

Sweat, Haus der Kunst, bis 9. Januar 2022

Der menschliche Körper produziert Schweiß bei so unterschiedlichen emotionalen Zuständen wie Widerstand, Angst, Anziehung und Abstoßung, Freude, sexueller Erregung und Exzess. Die Ausstellung „Sweat“ im Haus der Kunst erzählt – ausgehend von bewegten Körpern – von lustvoller Selbstermächtigung und Geschichten des Widerstands. Die hier versammelten 30 künstlerischen Stimmen sind an unterschiedlichen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten und angesichts verschiedener Bedingungen des sozialen Druckes entstanden.

Die jeweiligen Erfahrungen der Ausgrenzung und Unterdrückung – in Bezug auf Kultur, Geschlecht, Herkunft, soziale Schicht oder Sexualität – werden dabei nicht gegeneinander aufgewogen oder abgegrenzt. Ziel der Ausstellung „Sweat“ ist es vielmehr, die Aufmerksamkeit auf die Komplexität verschiedener Realitäten zu lenken und sinnliche Zugänge zu aktuellen gesellschaftlichen Diskursen zu schaffen.

 

German Pop – Thomas Bayrle, K.H. Hödicke, Jörg Immendorff, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Museum Brandhorst, bis 30. April 2022

Parallel zu Andy Warhol und der amerikanischen Pop-Art reagierten auch in Deutschland viele Künstlerinnen und Künstler auf die neue Konsumkultur der 1960er-Jahre. Für die Sammlung des Museums Brandhorst wurden in den vergangenen Jahrzehnten herausragende Werke des sogenannten „German Pop“ erworben. Jüngste Beispiele sind Jörg Immendorffs „Teine Tunst mache“, Thomas Bayrles „Vasarely“ (beide 1965) und sechs frühe Gemälde von K.H. Hödicke. Die im Erdgeschoss gezeigten Werke setzen sich mit dem konservativen Kunstverständnis im Nachkriegsdeutschland auseinander.

 

Joan Jonas, Haus der Kunst, 09.09.22 – 29.01.23

Die bisher umfangreichste Werkschau der visionären Künstlerin Joan Jonas (*1936, New York) in Deutschland wurde von der Künstlerin und dem Haus der Kunst in Zusammenarbeit mit der Tate Modern, London, konzipiert.

Ein grundlegendes Interesse an kulturellen Riten sowie dynamischen Prozessen der Spiegelung, Verschiebung und Neubestimmung zwischen Genre und Zeiten kennzeichnet das Werk von Joan Jonas (geb. 1936, New York, New York, USA). Die Werkschau legt den Fokus auf wiederkehrende Themen.
Ökologische Fragestellungen klingen bereits in frühen Videoarbeiten wie Wind (1968) an; sie sind zentral für raumgreifende Installationen wie Reanimation (2010–12) oder Stream or River, Flight or Pattern (2016), die den Klimawandel und bedrohte Ökosysteme erzählerisch behandeln. Die Befragung kollektiver Bilder und Figuren aus Mythologie, Märchen und Fabel vor dem Hintergrund sozio-politischer Ereignisse bildet den Ausgangspunkt für Werke wie Juniper Tree (1969), Volcano Saga (1985) oder Lines in the Sand (2002).

Ein weiteres Segment der Ausstellung versammelt Masken und Requisiten, die Jonas über die Jahre hinweg in ihren Performances begleitet haben und sich auf Elemente des japanischen Noh-Theaters und des Surrealismus beziehen. Ergänzt wird die Ausstellung von zwei Live-Performances, in denen eine kollaborative Arbeitsweise und die eigene Historisierung zum Ausdruck kommen: Mit der Performance Mirror Piece I/II (1968/2018) führte Jonas Ende der 1960er-Jahre das zentrale Motiv des Spiegels zur Untersuchung weiblicher Rollenbilder in ihr Werk ein. Working Together: A Lecture Demonstration (2015) ist eine Hommage an die beinahe 20-jährige Zusammenarbeit mit dem Musiker Jason Moran.

Kunstlabor 2, Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA), ab sofort für fünf Jahre

Knapp 10.000 Quadratmeter und sechs Etagen umfasst das KUNSTLABOR 2 in einem ehemaligen Gesundheitshaus in der Maxvorstadt. Es wurde als Zwischennutzungsprojekt vom Museum of Urban and Contemporary Art (MUCA) in ein neues Zentrum für Kunst und Kultur umgewandelt. Besonders spannend für Fans von Street- und Urban Art: Zwei der sechs Etagen wurden und werden von mehr als 100 Künstlern in ein begehbares Kunstwerk verwandelt.

Mit dabei sind bekannte Namen wie Loomit oder Rapper Samy Deluxe, aber auch Newcomer wie Pepe (alias Jose Luis Villanueva Contreras). Neben den permanenten Rauminstallationen und wechselnden Ausstellungen, wird ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten: Führungen, Workshops, Filmtage, Konzerte, Lesungen, Werkstätten, Performances und viele weitere kulturelle Highlights. Die Fassade wird legal und kostenfrei von den Betreibern des KUNSTLABOR 2 für Künstler*innen als gestalterische Plattform zur Verfügung gestellt.

 

Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum

 

To be seen. queer lives 1900–1950, NS-Dokumentationszentrum München, 18.05.22 bis 08.01.23

Die Ausstellung widmet sich der bewegten Geschichte von LGBTIQ* in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ausgewählte Exponate zeigen, wie queeres Leben ab 1900 in allen öffentlichen Bereichen – in Kunst und Kultur, Wissenschaft, Politik und Militär – immer sichtbarer wurde. Je selbstbewusster für gleiche Rechte gekämpft wurde, umso größer wurden jedoch auch die Widerstände. Die nationalsozialistischen Machthaber zerstörten die queere Subkultur und die von ihr besetzten Räume schließlich weitgehend.

„TO BE SEEN“ lädt Besucher*innen ein, diesen häufig vergessenen Geschichten und Lebensentwürfen nachzuspüren. Neben historischen Zeugnissen werden in der Ausstellung Werke von Künstler*innen der Gegenwart gezeigt, die teils eigens für die Ausstellung entwickelt wurden.

Ausstellungen im Deutschen Museum

 

Mobile Kinderwelten, Verkehrszentrum des Deutschen Museums, bis 20. Februar 2022

„Schau mal, so eins hatte ich auch!“ Solche Ausrufe sind gerade häufiger im Verkehrszentrum des Deutschen Museums zu hören. Beim Anblick von Bonanzarad, Kettcar oder Seifenkiste fühlen sich viele Große um Jahrzehnte zurückversetzt. Und nicht nur die Kleinen bekommen spontan Lust, auf dem Steiff-Bären davon zu rollen oder die Sprungfedern unter die Schuhe zu schnallen. Die Sonderausstellung „Mobile Kinderwelten“ zeigt Spielmobile aus mehr als 150 Jahren. Etwa 80 teils skurrile und seltene Stücke wurden hier zusammengetragen, von der Zimmerrodelbahn bis zum Karussell-Feuerwehrauto.

 

19 komplett neue Dauerausstellungen auf der Museumsinsel, Deutsches Museum, ab 2022

Der erste Abschnitt der großen Modernisierung des Gebäudes auf der Museumsinsel ist vollendet. Auf rund 20 000 Quadratmetern gibt es gleich 19 komplett erneuerte Dauerausstellungen zu entdecken. Die thematische Vielfalt reicht dabei von der Atomphysik bis zu Landwirtschaft und Ernährung, von der Chemie bis zu Brücken und Wasserbau, von der Luft- und Raumfahrt bis zur Gesundheit. Gezeigt werden einige der größten Meisterwerke, wie der erste Dieselmotor, das Siemens-Studio für elektronische Musik, die Helios-Raumsonde oder die berühmt-berüchtigte Enigma-Chiffriermaschine.

Und es sind auch Neuerwerbungen des Deutschen Museums, wie der richtungsweisende Sycamore-Quantenprozessor oder die ersten zugelassenen Anti-Corona-Impfstoffe zu sehen. Viele interaktive Demonstrationen, begehbare Exponate, Erlebnisräume für Virtual Reality oder Augmented Reality und zahlreiche Medienstationen machen Technik und Wissenschaft lebendig und im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar.

 

Informationen zu Ausstellungen und zu den Münchner Museen mit Adressen und Öffnungszeiten finden Sie auch auf muenchen.de und auf museen-in-muenchen.de

 

 

Text: Karoline Graf; Fotos: Nationalmuseum Warschau, Museum of Modern Art New York, Fratelli Büchi, Japan Foundation, interDuck, Bayerisches Nationalmuseum, Ben Broomfield, Pierre Le Hors, MUCA/ Wunderland Media, Deutsches Museum

 

Coronavirus

Die gute Nachricht: Hotels und Beherbergungsbetriebe, Innen- und Außengastronomie, und auch Ladengeschäfte sind geöffnet. Es gelten aber Beschränkungen. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus und Ihrem Aufenthalt in München finden Sie hier. Der Ausflugs-Ticker-Bayern liefert außerdem Tipps und Hinweise.