Oktoberfest

Wiesn-Guide: Welches Bierzelt passt zu mir?

Ein Oktoberfest, 16 Festtage, 6 Millionen Besucher*innen und 14 Zelte, in denen Bier und Schweiß fließen. Reinkommen ist schwer, drin sein ist ein Heidenspaß. Doch ehe man ein beliebiges Zelt stürmt, lautet die alles entscheidende Frage: Passt dieses Bierzelt überhaupt zu mir? Ein Überblick.

Schottenhamel Festzelt

 

Der Gast

Ich komme: zum Networken
Ich mag: konstruktive Diskussionen, meine Heimat
Ich trinke: drei Maß auf Spesen
Ich esse: ein halbes Hendl mit Messer und Gabel
Ich kaufe: zehn Schuss an der Schießbude

 

Das Zelt

Begrüßungsritual: Im ältesten Wiesnzelt sticht Münchens Oberbürgermeister am ersten Wiesntag um 12 Uhr das erste Bierfass an: „O’zapft is!“
Sitznachbarn: wissen über das tagespolitische Geschehen Bescheid – aber auch, wie man Afterwork zünftig zelebriert
90 % tragen: Bluse, Chino / Sakko, Hemd, keine Krawatte / Leinenhemd, Kostüm, Business-Rock, lange Lederhose
Trinkspruch: „Oans, zwoa, g’suffa“
Wiesnhit: „Tage wie diese“ – Die Toten Hosen
Bloß nicht: Schottenhamel mit zwei „m“ schreiben – Hammel ist, wer Dirndln in die Bluse grapscht
Alternative: Löwenbräu, Winzerer Fähndl

Hacker Festzelt

 

Der Gast

Ich bin: als erstes im Zelt und bleibe ohne Pinkelpause bis Schankschluss um 22.30 Uhr
Ich mag: mit meinen Freund*innen feiern
Ich trinke: selbst gemischte Radlermaß
Ich esse: Wir teilen uns einen Kaiserschmarrn

 

Das Zelt

Begrüßungsritual: „Seeervuuus!“
Sitznachbarn: stehen auf der Bank unter den weißen Wolken und goldenen Sternen an der Decke und singen dem „Himmel der Bayern“ entgegen
90 % tragen: Vintage-Dirndl, Sneaker, Blumenkranz im Haar / Lederhose ohne Geschirr, Karohemd, Sneaker
Trinkspruch: „Prost!“
Wiesnhit: tagsüber Blasmusik, abends Robbie Williams’ „Angels“ von der Partyband auf dem Drehpodium
Bloß nicht: von der Bank auf den Tisch springen – die Rausschmeißer sind gnadenlos
Alternative: Schützenzelt, Bräurosl

Hofbräu Festzelt

 

Der Gast

Ich komme: aus Übersee oder Italien
Ich mag: andere Länder, andere Sitten, Körperkontakt
Ich trinke: viel kühles bayerisches Bier
Ich esse: 250 Gramm Riesenbreze
Ich kaufe: Wiesn-Souvenirs
Ich fahre: abends mit der Fahrradrikscha in mein Hotel
Auf meinem Lebkuchenherz steht: „I ❤ Oktoberfest“

 

Das Zelt

Begrüßungsritual: Engel Aloisius mit BHs bewerfen
Sitznachbarn: 10.000 Feierwütige
90 % tragen: kurzes Dirndl aus dem Onlineshop, Ballerinas / T-Shirt mit Lederhosen-Aufdruck, Filzhut, Flipflops
Trinkspruch: „No ain Mahß Beer, biete“
Wiesnhit: „Skandal um Rosi“ – Spider Murphy Gang: „In München steht ein Hofbräuhaus...“
Bloß nicht: zum Pieseln das Zelt verlassen – es gibt kein Zurück
Alternative: unvergleichlich

Käfer Wiesn Schänke

 

Der Gast

Ich komme: um Selfies mit FC-Bayern-Spielern oder anderen Prominenten zu schießen
Ich mag: Aufmerksamkeit
Ich trinke: kein Bier
Ich esse: Ente
Ich fahre: wenn der Schampus um 1 Uhr versiegt – mit dem Taxi ins „P1“!
Auf meinem Lebkuchenherz steht: „Wiesn Prinzessin“ / „Mein Prinz“ 

 

Das Zelt

Begrüßungsritual: Luftbussi rechts, Luftbussi links
Sitznachbarn: kommen einem bekannt vor
90 % tragen: Designer-Seidendirndl, schwarze Spitzenbluse, High Heels / fabrikneue Hirschlederhose, royalblaue, bestickte Samtweste, Sonnenbrille
Trinkspruch: „Prösterchen!“ Wiesnhit: „Atemlos“ – Helene Fischer 
Bloß nicht: laut lachen – ordinär!
Alternative: Marstall, Weinzelt

Augustiner Festhalle

 

Der Gast

Ich komme: wegen der Münchner Originale in ihren bunten Trachten
Ich mag: Volkstanz, Volksfeste, meine Familie
Ich trinke: Augustiner aus traditionellen Holzfässern
Ich esse: Mittagsschmankerl, denn um 14 Uhr ist für mich Schluss
Ich kaufe: Dreh mir bloß nichts an!
Ich fahre: Krinoline, Wilde Maus

 

Das Zelt

Begrüßungsritual: stummes Zunicken
Sitznachbarn: meditieren in stillschweigender Eintracht über ihrem Bier
90 % tragen: die Tracht ihrer (bayerischen) Ur-Ur-Urgroßeltern
Trinkspruch: stummes Zunicken zum „Prosit der Gemütlichkeit“
Wiesnhit: Bayerischer Defiliermarsch
Bloß nicht: mit Polyestertracht hier auftauchen – ganz oder gar nicht
Alternative: Oide Wiesn, Armbrustschützenzelt

Ochsenbraterei

 

Der Gast

Ich komme: weil 100 Ochsen und eine halbe Million Hendl verdrückt werden wollen
Ich mag: Essen, Kochen, Kochshows
Ich trinke: zum Einspeicheln
Ich esse: alles hier, weil’s schmeckt
Ich kaufe: gebrannte Mandeln, Früchtespieß und Magenbrot für den Heimweg
Ich fahre: nichts, sonst speib’ ich
Auf meinem Lebkuchenherz steht: Schon verputzt!

 

Das Zelt

Begrüßungsritual: „Mahlzeit!“
Sitznachbarn: verspeisen gerade Hubert, Korbinian oder Max – die Kreidetafel zeigt, welcher Ochse serviert wird
90 % tragen: ihren Magen in den Kniekehlen – Hunger!
Trinkspruch: „Mahlzeit!“
Wiesnhit: „Lebt denn der alte Holzmichl noch“ – De Randfichten
Bloß nicht: zu wenig Platz lassen für die Dampfnudel mit Vanillesoße im Café Kaiserschmarrn
Alternative: Fischer Vroni

 

 

Text: Nansen & Piccard; Fotos: Frank Bauer