Entlang des Königsbaus am Max-Joseph-Platz gibt es viele Sonnenplätze zur Auswahl.
Ein Sonnenspaziergang

Entschuldigung, wo geht's denn hier zur Sonne?

Ein rund zehn Kilometer langer Spaziergang durch die Münchner Innenstadt gemäß dem Motto: Immer der Sonne entgegen, um die Frühlingswärme zu genießen und gleichzeitig einen unvergesslichen Einblick in die Stadt zu bekommen.

Wonnemonat Mai. Kollektives Aufatmen. Der Frühling ist spürbar angekommen, die Jacken werden ausgezogen, die Biergärten füllen sich, die Bäume blühen. Ich liebe diese Jahreszeit, wenn nicht nur die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, sondern mit ihr die ganze Stadt und ihre Bewohner. Wo monatelang nicht viel los war, platzen die Sonnenterrassen wie auf Kommando aus allen Nähten, denn Einheimische und Touristen sitzen selig lächelnd auf den Stühlen und strecken die Gesichter gen Himmel. Es ist der perfekte Zeitpunkt, um München zu Fuß zu erkunden und den ganzen Tag draußen zu verbringen!

„Im Morso gilt: Man kennt sich. Und dieses freudige Zusammentreffen der Nachbarn macht die wohlige Atmosphäre aus.“

10:30 Uhr – Morso Caffetteria: Einmal Italien im Schnelldurchlauf

Das klitzekleine Morso versprüht Italien-Flair wie kaum eine andere Adresse in München. Am Vormittag sind die wenigen Stühle vor der Caffetteria schnell besetzt, da man hier wunderbar die Nase in die Sonne recken kann. Einen Platz bekommt man spätestens nach kurzer Wartezeit jedoch immer, denn viele Stammgäste halten es wie die Italiener: Sie kommen schnell auf einen Espresso vorbei, tauschen sich aus, dann ziehen sie weiter. Im Morso gilt: Man kennt sich. Und dieses freudige Zusammentreffen der Nachbarn macht die wohlige Atmosphäre aus.

Ich biege gegen halb elf ums Eck und erspähe einen letzten freien Platz vor dem Café. Die Siebträgermaschine rattert und zwischen den vielen Focaccias und Paninis kann ich mich kaum entscheiden. An der Theke bestelle ich einen Cappuccino und nehme mir ein mit Schokolade gefülltes Cornetto, das zur Selbstbedienung ziemlich verführerisch angerichtet ist. Es ist noch warm und mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Dann setze ich mich nach draußen, die Sonne scheint bereits direkt auf meinen Platz und hinein in das kleine Café. Ich bezweifle, dass man besser in den Tag starten kann als so. Ein kleines, sehr besonderes Stück Italien, zwischen der Maxvorstadt und Schwabing.

Nordendstraße 17

11:30 Uhr – die Ludwigstraße: Spazierengehen auf dem Boulevard Ludwig I.

Vom Café Morso ist die breite Leopoldstraße nur einen kurzen Spaziergang durch Schwabing entfernt. Ich laufe die Georgenstraße entlang, bewundere wie immer die imposanten Prachtbauten und Baudenkmäler, die hier zu finden sind, und biege am Ende der Straße Richtung Süden in die Leopoldstraße. Bereits am Siegestor geht sie in die Ludwigstraße über, mit den breiten Gehwegen ist sie eine der besten Straßen für einen Spaziergang Richtung Altstadt: vorbei am Geschwister-Scholl-Platz und der Universität über verschiedene Gebäude der Neuromanik und Neurennaissance zum Odeonsplatz. Erwähnt werden muss an dieser Stelle natürlich, dass es hier Sonne satt gibt dank König Ludwig I. und seiner Vision dieser Prachtstraße.

12:30 Uhr – Max-Joseph-Platz: Das Treiben der Innenstadt beobachten

Ich lege eine Verschnaufpause am Max-Joseph-Platz ein, den ich über die Residenzstraße nach fünf Minuten Gehweg erreiche. Durch die vielen Sitzgelegenheiten entlang des Königsbaus und auf den Stufen des Nationaltheaters bekommt man hier immer ein Stückchen Sonne ab. Ich setze mich am Königsbau nieder und lasse den Blick über den sonnengefluteten Max-Joseph-Platz schweifen. Links von mir liegen das wunderschöne Nationaltheater und das Residenztheater, mir direkt gegenüber das Kuffler, ein elegantes Restaurant, dessen unter Denkmalschutz stehende Loggia des Architekten Leo von Klenze einen tollen Blick auf den gesamten Platz und die von hier abgehende Maximilianstraße bietet.

Nach ein paar Minuten des Durchatmens merke ich, dass ich Durst habe, vor allem jedoch Lust, den Trubel für einen Moment hinter mir zu lassen und eine neue Perspektive zu wagen. Um mich dafür nicht ins Getümmel der Fußgängerzone zu werfen, biege ich am Max-Joseph-Platz rechts in Maffaistraße und gehe am Hotel Bayerischer Hof in Richtung Lenbachplatz.

13:15 Uhr – Kulturdachgarten: Eintauchen in die Oase auf dem Parkdeck

Ein paar Minuten Fußweg vom Lenbachplatz entfernt, befindet sich das Parkhaus am Stachus in der Adolf-Kolping-Straße. Nein, ich habe mich nicht verirrt, ja, ich bin hier richtig, denn rauf geht’s auf das Sonnendeck! Also, sozusagen. Ich fahre mit dem Aufzug nach ganz oben, wo sich der Kulturdachgarten befindet – ein schönes Café, um nicht zu sagen eine kleine Oase der Innenstadt. Mitten auf dem Parkdeck steht sie, gebaut aus hellem Holz und ausgestattet mit einigen Pflanzen und sogar kleinen Gartenkästen, die jeder, der möchte, bepflanzen kann.

Das Gute am Kulturdachgarten ist, dass er gar kein Dach besitzt und durch die Höhe ganz viel Sonne abbekommt. Vorausgesetzt, sie scheint natürlich. Im Hochsommer wird es hier oben über den Dächern schon nach Feierabend voll, viele genießen ein paar Drinks und warten währenddessen auf einen pinkfarbenen, instagram-tauglichen Sundowner. Jetzt um die Mittagszeit sind nur vereinzelte Plätze belegt.

Ich bestelle eine eisgekühlte Saftschorle an der Theke und lasse mich auf die großen Sitzkissen fallen. Gemütlich ist es hier, ruhig und entschleunigend. Und sollte mir die Sonne langsam doch etwas zu viel werden, dann ziehe ich mich unter eins der kreativen, aus Holz gefertigten Schattensegel zurück.

Übrigens: Wer Hunger hat, findet auf der Karte auch ein paar leckere Gerichte und neben den Saftschorlen gibt es natürlich auch Kaffeevariationen und alkoholische Getränke.

Adolf-Kolping-Straße 10

15:30 Uhr – Preysingstraße: Das Dorf im Millionendorf durchstreifen

Es wird Zeit für eins der schönsten Viertel, die München zu bieten hat: Haidhausen, das Dorf im Millionendorf sozusagen, denn: Haidhausen versprüht bayerischen Charme, es ist nicht weit von der Innenstadt entfernt und steht doch für sich mit seinem dörflichen Charakter und einer der schönsten Straßen der Stadt, der Preysingstraße. Um dorthin zu kommen, laufe ich gegen 14:30 Uhr zurück zum Odeonsplatz und dann über die Maximilianstraße zur Isar, die ich über die Brücke überquere. Vom imposanten Maximilianeum, wo der Landtag sitzt, ist der Wienerplatz, das Herz des Viertels, nur einen Steinwurf entfernt. Hier stehen schattige Kastanien und ein blau-weißer Maibaum, der mich ganz traditionell in Haidhausen empfängt.

Übrigens: Wer nicht laufen möchte, steigt am Karlsplatz-Stachus in die Tram 19 Richtung St.-Veit-Straße ein und am Max-Weber-Platz wieder aus. Von dort aus ist es nur ein kurzer Fußweg zum Wiener Platz.

„Entlang der Straße stehen kleine Häuser, die die Frage aufwerfen: Ist das nun ein Dorf oder doch eine Millionenstadt?“

Ich biege in die Preysingstraße ein und stelle mal wieder fest: Auch wenn München sowieso entspannt ist und Gemütlichkeit mindestens so groß geschrieben wird wie das Verlangen nach einem kühlen Hellen, so ist dieses Fleckchen der Inbegriff von Entspanntheit. Entlang der Straße stehen kleine Häuser, die die Frage aufwerfen: Ist das nun ein Dorf oder doch eine Millionenstadt? Ein Highlight ist der Kriechbaumhof, das Vereinsheim des Deutschen Alpenvereins, eine alpine Hütte mitten im Viertel.

16:30 Uhr – die Gaststätte zum Kloster: mit bayerischer Kulinarik stärken

In der Preysingstraße befindet sich die urige Gaststätte zum Kloster, ein klassischer Nachbarschaftstreff. Ich steuere sie an, weil mein Magen mittlerweile knurrt und mich die blühenden Kirschbäume anlocken, die vor dem Lokal Schatten spenden. Ich suche mir einen Platz auf der schönen Terrasse und bestelle aus einer mit Hand geschriebenen Tageskarte die Zucchiniblüten an Frischkäse, die fantastisch schmecken. Die Nachmittagssonne blitzt immer wieder durch die Blätter und das frische Bier kühlt meine Kehle – hier passt einfach alles. 

Preysingstraße 77

18:30 Uhr – Maximiliansanlagen & Friedensengel: Durch die Maximiliansanlagen zum Friedensengel spazieren

Ich laufe ein Stück entlang des Auer Mühlbach, ein rund sieben Kilometer langer Stadtbach, der vom Isarwasser gespeist wird. Ein schöner Spaziergang durch die Maximiliansanlagen hin zum Friedensengel.

Gegen 19:00 Uhr mache ich es mir am Friedensengel gemütlich. Dabei zuzusehen, wie die Sonne langsam untergeht und München in ein goldenes Licht taucht, ist ein wunderschöner Abschluss eines langen Frühlingstages.

Übrigens: Wer am Friedensengel etwas trinken möchte, hat die Möglichkeit, vorab beim Kiosk am Gasteig (Rosenheimer Straße 8) oder im Biomarkt (Innere Wiener Straße 52) am Wiener Platz eine Flasche Wein, Bier oder etwas anderes zu kaufen und mitzunehmen.

20:30 Uhr – Haus der Kunst: Ins elegante Ambiente der Goldenen Bar eintauchen

Und weil ich nach dem Sonnenuntergang noch immer nicht genug von dieser Stadt, ihrer Wärme und dem Farbenspiel des Tages habe, laufe ich über die Luitpoldbrücke zur Prinzregentenstraße, die mich vorbei an den Eisbachsurfern führt und am Haus der Kunst endet.

„Die Drinks sind erstklassig und hochpreisig, die Luft ist frisch aufgrund des angrenzenden Englischen Gartens und mit etwas Glück legt ein DJ Musik auf, die mich durch die Nacht tragen wird.“

An dessen Rückseite wartet eine der elegantesten Terrassen Münchens auf mich, der Goldenen Bar zugehörig, die ihrem Namen alle Ehre macht. Die Terrasse ist gut besetzt, der Himmel pink angestrichen, das Publikum bunt durchmischt: Vom Touristen, der sich gerade eine Ausstellung im Haus der Kunst angesehen hat, zu jungen Studenten hin zu Businesstypen, die gerade erst Feierabend machen. Die Drinks sind erstklassig und hochpreisig, die Luft ist frisch aufgrund des angrenzenden Englischen Gartens und mit etwas Glück legt ein DJ Musik auf, die mich durch die Nacht tragen wird.

Prinzregentenstraße 1

Die Sonne ist längst untergegangen, als ich mich auf den Nachhauseweg mache. Beflügelt vom Tag stelle ich mal wieder fest, dass diese Stadt mir immer die liebste sein wird zu dieser Jahreszeit – und ich glücklicherweise noch ein paar Monate vor mir habe, bevor sich die Sonne wieder für eine ganze Weile hinter den Hausfassaden versteckt.

 

 

Text: Anika Landsteiner; Fotos: Frank Stolle

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