Flanieren: Hohenzollernstraße

Spaziergang durchs bunte Schwabing

Die Hohenzollernstraße entspringt der Leopoldstraße, zusammen sind sie das „Schwabinger T“. Auf ihren zwei Kilometern residierten im Lauf der Jahrzehnte einige weltbekannte Künstler.

Wassily Kandinsky etwa gründete in der Nr. 6a seine Malschule „Phalanx“ und Joachim Ringelnatz lebte zehn Jahre in der Nr. 31a/I mit seiner Frau, die er Muschelkalk nannte. Heute besteht die große Kunst darin, alle Schuhläden, internationalen Labels, Concept Stores, Boutiquen und Cafés der Straße an einem einzigen Tag abzugrasen.

 

Café Reed, Nr. 12

Im Café alleine an seiner Latte zu nuckeln hat etwas ungewollt Verzweifeltes. Ganz anders, wenn man in einem Café sitzt, das Wände voll Design-, Fashion- und Lifestyle-Magazine verkauft. Dann nämlich kann sich der Einsiedler hinter coolen Titeln wie Surface, Fantastic Man und Another verstecken. Das winzige Café Reed ist männlicher Shopping-Begleitung auch eine gute Gelegenheit, sich früh aus dem Anprobe-Albtraum zu klinken.

 

Pepe e Sale, Ecke Wilhelmstraße

Die ewige Liebe zwischen München und Italien hat sich auch hier ein Eckchen gesucht und teilt ihr Glück in Form von täglich frischen italienischen Gerichten. Vor allem die Lasagne steht nie lange auf der Tafel – der frühe Vogel fängt die Pasta.

 

Bartu Schuhe, Nr. 14

Jeder Schuhfetischist in München kennt die fünf bunten Lettern, die über 130 internationale Marken verheißen. Auf den Pfaden der Ladenhistorie gelangt man in die Parallelstraße. Dort verkauft der heute 70-jährige Ex-Schuhkönig von Schwabing Tommy Bartu inzwischen Bio-Eis (Bartu Bio-Eis-Manufaktur, Wilhelmstr. 23) nach seinem persönlichen Reinheitsgebot: Eine der wertvollen Zutaten ist das frische Münchner Wasser.

 

Bertrand Workwear, Nr. 19

Kumpel, Cowboys und Goldgräber trugen die ersten Denim-Jeans – 150 Jahre später stapeln sich sämtliche Größen, Waschungen und Styles der Mutter aller Hosen bei Alexander Bertrand bis unter die Ladendecke. Sein Vater gründete das Geschäft für Berufskleidung 1931. Die alte Registrierkasse steht noch am Tresen.

 

Kostüme Breuer, Nr. 22a, Innenhof

Man wird nicht einfach so einer der größten Kostümausstatter Europas – die Familie Breuer kultiviert ihren Fundus seit fast 70 Jahren und kann nun zu jedem Anlass das passende Gewand herausfischen: Frack, Smoking, Cut, Brautoder Ballkleid für feierliche Anlässe. Kostüme für Fasching, Karneval und Mottopartys. Horrorameisenmaske? Laufendes Wiener Würstchen? 160 Husarenuniformen? Alles auf Lager.

 

Kunst Oase, Nr. 58

Durch eine von großen goldgerahmten Spiegeln gesäumte Seitenpassage und über eine steile Treppe hinab erreicht man die Kunst Oase – früher ein Bierkeller, jetzt ein 300-qm-Sammelsurium aus Lüstern, Lampen, antiken Möbeln, Teppichen, Bildern, Porzellan … Mutige fordern den Künstler und Oasenchef Manfred Wambsganss zu einem Kicker-Match heraus.

einfach Schwabing

Spazieren Sie mit einem offiziellen Guide von München Tourismus durch den Stadtteil Schwabing, der Heimat von Local Heroes und Global Playern. Alle Infos finden Sie hier.

Nordbad, Ecke Schleißheimer Straße

Wer die Schwabinger Einkaufsodyssee hinter sich hat, den erwartet am Ende eine monumentale Erfrischung aus Zeiten von Faschismus und Körperkult: Das 1941 erbaute neoklassizistische Nordbad trumpft mit Dampfbad, Wasserfall, Sauna unter Farblichtspielen, 34-Grad-Außenbecken und einer Schwimmhallen-Tribüne für 1.400 Zuschauer auf.

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Text: Nansen & Piccard; Fotos: Frank Stolle