Die Königsdenkmäler in München

Vier Könige und ein Prinzregent

Von 1806 bis 1918 war Bayern ein Königreich. Zum Gedenken an die Regenten dieser Zeit gibt es in München traumhafte Denkmäler zu bestaunen. Ein jedes von ihnen erzählt eine eigene Geschichte. Wo sie sind und was sie so besonders macht.

Das Max-I.-Joseph-Denkmal: Sitzung wider Willen

Nachdem der Münchner Magistrat 1820 beschlossen hatte, Bayerns erstem König ein Denkmal auf Kosten der Bürgerschaft errichten zu lassen, übernahm dessen kunstsinniger Sohn Ludwig ab 1824 die Planung. In den ersten Modellen legte er den Entwurf eines auf dem Thron sitzenden Königs vor. Anders als machtstrotzende Darstellungen hoch zu Pferde oder zumindest stehend sollte das Thronen die väterliche Milde des leutseligen Regenten symbolisieren. Doch der König erkannte die Sitzgelegenheit weniger als Thron und wollte partout nicht „auf dem Kackstuhle“ dargestellt werden.

Die Planungen verzögerten sich, der König starb im folgenden Jahr, und sein Sohn und Nachfolger Ludwig I. übernahm wieder. Der fand seinen ersten Entwurf nach wie vor gut, und so wurde am 13. Oktober 1835 das Denkmal anlässlich des zehnten Todestags von Max I. Joseph eingeweiht.

Ob man nun einen Thron, eine Toilette oder gar einen Wirtshausstuhl erkennt, von dem aus der König drei Halbe im gegenüberliegenden Spatenhaus bestellt: Die Münchner gesellen sich gerne zum ehemaligen Staatsoberhaupt und genießen mit ihm die Sonne auf dem Platz vor dem Nationaltheater.

Standort: Max-Joseph-Platz

Das Reiterstandbild König Ludwig I.: Vom König und vom King

Anders als sein Vater ist König Ludwig I. von Bayern heroisch hoch zu Pferde verewigt. Begleitet wird er von zwei Pagen, deren Tafeln auf das Motto des Königs hinweisen: Gerecht & Beharrlich.

Doch nicht nur mit dem Denkmal hat er seine Spuren in der Stadt hinterlassen: Als großer Bauherr prägen Ludwig und seine wichtigsten Baumeister Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner das Stadtbild bis heute. Odeonsplatz mit Feldherrnhalle, Ludwigstraße mit Staatsbibliothek, Universität und Siegestor, Königsplatz mit Glyptothek und Propyläen und die Ruhmeshalle mit Bavaria an der Theresienwiese sind nur ein kleiner Auszug ihres Schaffens.

Den richtigen Platz für das Denkmal zu finden war daher nicht ganz einfach. Letztlich sprach sich Leo von Klenze für den heutigen Standort aus. Dafür mussten zwei andere Statuen weichen, unter anderem die des Komponisten Orlando di Lasso. Diese ist an ihrem heutigen Standort am Promenadeplatz hauptsächlich als inoffizielles Denkmal für einen anderen König bekannt: Michael Jackson, den King of Pop.

Standort: Nord-westlicher Odeonsplatz

Das Maxmonument bzw. Max-II-Denkmal: Der königliche Trachtler

Maximilian II. übernahm die Regierung, weil sein Vater Ludwig I. in Folge einer Affäre mit der irischen Tänzerin Lola Montez zurückgetreten war. Während dieser vor allem den Klassizismus liebte, prägte Maximilian das Stadtbild mit seiner eigenen Handschrift: dem nach ihm benannten Maximiliansstil. Ludwig I. soll diesen so furchtbar gefunden haben, dass er die Maximilianstraße stets gemieden hat.

Heute ist die Maximilianstraße vor allem für Luxus-Shopping und Designermode bekannt. Maximilian selbst war jedoch ein Förderer der Tracht, da diese das bayerische Nationalgefühl gegenüber dem deutschen Einigungsbestreben stärken sollte. Er selbst trug Trachtenjanker und Lederhosen bei der Jagd und hielt alle Staatsbehörden an, Tracht zu tragen. Die Tracht wurde also hoffähig und ist bis heute eine gern gesehene Alternative zur Abendmode.

Auf seinem Denkmal steht Maximilian jedoch nicht im Trachtenjanker, sondern im Krönungsornat, umgeben von vier Figuren, die die Herrschertugenden darstellen: Friedensliebe, Gerechtigkeit, Stärke und Weisheit. Den Janker überlässt er damit den heutigen Landesherrschern Bayerns.

Standort: Kreuzung Maximilianstraße und Thierschstraße

Das Ludwig-II.-Denkmal: Statue statt Semperoper

König Ludwig II. liebte die bayerischen Berge und Seen mehr als die Stadt, war lieber Visionär und Träumer als Staatsmann und Politiker. Mit München wurde er daher nie wirklich warm.

Bis heute frönt der mittlerweile auch in München beliebte Märchenkönig eher ein Schattendasein: Während die Statuen seiner Vorfahren von zentralen Plätzen grüßen, steht von Ludwig II. ein vergleichsweise schlichtes Denkmal versteckt in den Maximiliansanlagen in Bogenhausen.

Überlebensgroß steht er auf einem Sandstein, eingerahmt von Abbildungen seiner Königsschlösser Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein. Eine vierte Abbildung zeigt ein nie gebautes Festspielhaus: Ganz in der Nähe des Denkmals plante Ludwig II. einen Prachtbau des Architekten Gottfried Semper, um den Musikdramen Richard Wagners einen würdigen Rahmen zu geben.

Doch es gibt Hoffnung für den Kini: Auf der Corneliusbrücke, wo 1910 ein prächtiges Ludwig-II.-Denkmal enthüllt wurde, erinnert bis heute eine Büste an die im Krieg eingeschmolzene Bronzefigur. Seit 2014 kämpft eine Initiative um die Inhaber des Hotels Deutsche Eiche für den Wiederaufbau: ganz nach dem Geschmack Ludwigs in Form einer romantischen Ruine.

Standort: In den Maximiliansanlagen auf Höhe Maria-Theresia-Straße 5

Prinzregent Luitpold: Der omnipräsente Vertreter des Königs

Wenn Bayern ein Königreich war, wieso herrschte dann plötzlich ein „Prinzregent“? Nachdem Ludwig II. für geisteskrank erklärt worden war, übernahm sein Onkel Luitpold die Regierungsgeschäfte. Auch nach dem tragischen Tod Ludwigs blieb der „regierende Prinz“ Luitpold im Amt, da Ludwigs kleiner Bruder, König Otto I. von Bayern, ebenfalls regierungsunfähig war.

Die Prinzregentenzeit gilt in Bayern bis heute als „die gute alte Zeit“. Luitpold schaffte es, durch Tüchtigkeit und Volkstümlichkeit die anfängliche Unzufriedenheit der Bevölkerung aufgrund seiner Prinzregentenstellung zu überwinden.

Neben Prinzregentenstraße und Prinzregententheater ist vor allem die Prinzregententorte bis heute in aller Munde. Aber auch viele Denkmäler erinnern an Luitpold: das Reiterstandbild vor dem Nationalmuseum, die Prinzregent-Luitpold-Terrasse unterhalb des Friedensengels und die Statue im Münchner Justizpalast.

Königliches München

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Am bekanntesten ist aber sicher die Reiterstatue als zentrales Denkmal in der Mitte des Neuen Rathauses in München. Fast die gesamte Linie des Wittelsbacher Herrscherhauses ist an der Fassade abgebildet. Und da die Fertigstellung des Rathauses in die Regentenzeit Luitpolds fiel, wurde ihm der prominenteste Platz gewidmet.

Der Nachfolger Luitpolds war sein Sohn Ludwig III., ab 1913 der letzte König Bayerns. Mit der Novemberrevolution 1918 endete die über 700 Jahre währende Regentschaft der Wittelsbacher als Herzöge, Kurfürsten und Könige. Ein König-Ludwig-III.-Denkmal gibt es in München nicht.

Standort: Neues Rathaus am Marienplatz

 

 

Text: Peter Kiser; Fotos: Frank Stolle

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