Kochel am See

Wo Franz Marc sein Herz verlor – Museum und Themenweg

Eine Autostunde südlich von München liegt idyllisch am Kochelsee und Walchensee das Örtchen Kochel am See. In dieser Gegend fand der Münchner Franz Marc mit der Künstlergruppe „Blauer Reiter“ viele Motive für weltbekannte Werke. Besucher können sie im Museum bestaunen und die Originalschauplätze abwandern.

Im Zwei-Seen-Land am Herzogstand befindet sich der Luftkurort Kochel am See mit gerade einmal 4.000 Einwohnern. Viele Münchner nutzen die Gegend zur Erholung, zum Radfahren und Wandern. Der Kochel- und der Walchensee eigenen sich auch wunderbar zum Baden, Angeln und für den Wassersport. Mit der Gondel erreichen Besucher Hütten und Almen, von wo aus sich ihnen ein grandioser Ausblick bietet.

Auch Franz Marc zog es bereits als Schüler der Akademie der Bildenden Künste immer wieder in die landschaftlich inspirierende Gemeinde mit den Bergen und dem vielen Wasser. Im Jahr 1908 verlagerte er sogar seinen Wohnsitz von München ins bayerische Oberland; 1914 erfüllte er sich einen Wunsch und kaufte ein Haus in Ried. Die Landschaft um Kochel war für ihn sein „Blaues Land“.

Um das Werk des expressionistischen Malers in der Gegend zu zeigen, in der der größte Teil seiner Arbeiten entstand, wurde 1986 in Kochel das Franz-Marc-Museum eröffnet. Es zeigt mehr als 150 Meisterwerke aus dem Nachlass und wird durch Leihgaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ergänzt. Zudem können Besucher in einer Dauerausstellung und jährlichen Wechselausstellungen viele persönliche Gegenstände und schriftliche Dokumente aus Marcs Leben entdecken.

Im Jahr 2008 vergrößerte ein moderner Neubau die Ausstellungsfläche auf 700 Quadratmeter. Seither kann Marcs Werk noch besser präsentiert und in interessante Zusammenhänge gebracht werden. Nun ist Platz für die Sammlung Stiftung Etta und Otto Stangl, die Zeitgenossen von Marc wie etwa Paul Klee beinhaltet. Marcs Werk kann damit dem der „Brücke“-Künstler gegenübergestellt werden. Auch ein Vergleich mit der Malerei der deutschen Nachkriegsabstraktion ist so möglich. So gelingt es der Ausstellung, zu zeigen, wie Marc und seine Künstlerfreunde Wassily Kandinsky, Gabriele Münter oder Alexej von Jawlensky die Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend beeinflussten – vom Abbild zum Sinnbild und zur Abstraktion. Auch Marcs Persönlichkeit und sein visionärer Zeitgeist werden sichtbar.

Doch nicht nur im Museum können Kunstinteressierte dem berühmten Maler nahekommen. In Kochel gibt es auch einen Themenweg, der an zehn Stationen aufzeigt, welche Motive Marc zu seinen farbenfrohen Arbeiten inspirierten. Die Museumspädagogin Silke Lühr bietet von Mai bis September geführte Spaziergänge an, die am Bahnhof beginnen. Wer flexibler sein möchte, lädt sich den von der Gemeinde und dem Museum konzipierten Audioguide als kostenlose App aufs Handy, der auch offline funktioniert. Alternativ gibt es in den Touristeninformationen Kochel am See und Walchensee Broschüren, die den Weg zu den Originalschauplätzen von Marcs Motiven weisen.

 

Auch interessant: Unsere Autorin hat den Themenweg ausprobiert und ist auf den Spuren von Franz Marc gewandert. Warum sie so begeistert war erzählt sie hier: Die Heimat der blauen Pferde

 

 

Fotos: Frank Stolle

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