Münchner Kammerspiele

Das Theater der Stadt

Die Kammerspiele an der Maximilianstraße sind ein Kleinod des Jugendstils und der Ort, an dem die Theaterkarriere von Bert Brecht begann. Sie zählen zu den bedeutendsten Sprechtheatern im deutschsprachigen Raum.

Die 1912 gegründeten Münchner Kammerspiele logieren seit 1926 in der schicken Umgebung der Maximilianstraße 26-28. Das Schauspielhaus von Architekt Richard Riemerschmid ist das einzige erhaltene Jugendstiltheater in Deutschland.

Nationale und internationale Theatergrößen wie Franz Xaver Kroetz, Robert Wilson und George Tabori haben hier inszeniert. Die Namen renommierter Schauspielerinnen und Schauspieler sind seit jeher mit den Kammerspielen verknüpft. Heute kennt man sie auch aus internationalen Film- und Fernsehproduktionen, wie beispielsweise Sandra Hüller, Brigitte Hobmeier, Sunnyi Melles, Julia Jentsch, Edgar Selge, Michael von der Au oder Frances Fulton Smith. Zum Ensemble 2017 gehört Franz Rogowsky, der in dem 2017 in Cannes vorgestellten Film „Happy End“ von Michael Haneke an der Seite von Isabelle Huppert spielte.

Bei der jährlichen Umfrage von „Theater heute“, dem einflussreichsten Fachmagazin der deutschsprachigen Theaterwelt, wählten die Kritiker die Kammerspiele seit dem Jahr 2000 dreimal zum „Theater des Jahres. Aber bereits in den 1920er-Jahren hatten sich die Kammerspiele als führendes Avantgardetheater Deutschlands etabliert und unter anderem Therese Giehse und Heinz Rühmann unter Vertrag.

Im September 1922 wurde das Theaterstück „Trommeln in der Nacht“ von Bertolt Brecht in den Kammerspielen uraufgeführt. Die Aufführung war die allererste Inszenierung eines Brecht-Stücks und markierte den Beginn seiner Karriere. Regie führte der damalige Intendant Otto Falckenberg, Brecht selbst wirkte als Dramaturg mit. 1946 wurde die dem Haus angegliederte Schauspielschule gegründet und nach Otto Falckenberg benannt. Zu ihren berühmtesten Absolventen zählt Mario Adorf. Auch Joachim Meyerhoff, Schauspieler des Jahres 2017, hat die Otto-Falckenberg-Schule besucht.

Intendanten wie Dieter Dorn, Frank Baumbauer und Johan Simons haben das künstlerische Profil des Hauses in den letzten dreißig Jahren geprägt. Seit 2015 ist Matthias Lilienthal Intendant der Kammerspiele. Er ist mit dem Anspruch angetreten, ein „Stadttheater neuen Typs“ zu führen. Von 2003 bis 2012 war er künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Berliner Theaters Hebbel am Ufer. 2014 kuratierte er das Festival „Theater der Welt“ in Mannheim.

Lilienthal ist dafür bekannt, radikal mit theatralen Sehgewohnheiten zu brechen und provoziert innerhalb und außerhalb des Theaters gerne mit einer Mischung aus politischen Themen und Performance. Der Spielplan ist unkonventionell, er sieht Produktionen internationaler Regisseurinnen und Regisseure genauso vor, wie einen gemeinsamen Auftritt von Gerhard Polt, den Well-Brüdern und den Toten Hosen oder das kostenlose Drag- und Karaoke-Event „Wuss“ mit Mitgliedern des Ensembles.

www.muenchner-kammerspiele.de

 

 

Foto: Gabriela Neeb