In einem Altbauhaus befindet sich im Erdgeschoss ein Restaurant mit Terrasse

Besondere Straßen: Volkartstraße

Neuhausen aus dem Bilderbuch

Fast zu schön, um wahr zu sein: In der Volkartstraße in Neuhausen grüßen sich die Menschen aus der Nachbarschaft im Vorbeigehen, im Hinterhof wird gemütlich Kaffee getrunken. Kaum zu glauben, dass wir nur wenige Stationen vom wuseligen Hauptbahnhof entfernt sind.

Das Viertel Neuhausen liegt ganz besonders – so zentral wie das Lehel, dabei aber gemütlich wie Giesing. Obwohl man nur zwei U-Bahn-Stationen vom Hauptbahnhof entfernt ist, hat man in den kleinen Seitenstraßen Ruhe, viel Grün und jede Menge wunderschöner Altbauhäuser. Es scheint fast so, als würde das Nymphenburger Schloss mit seinem Prunk auf das Viertel abstrahlen, denn man findet in Neuhausen bemerkenswert viele Villenkolonien und Jugendstil-Häuser.

Die Volkartstraße ist wie die Kulisse einer Fernsehserie – wenn die „Lindenstraße“ nicht in Köln gedreht worden wäre, dann hier.

Das Viertel ist auch immer noch ein kleiner Kosmos für sich, wie ein unentdeckter Schatz. Für die richtig guten Tipps muss man mit den Menschen sprechen, die hier leben, also frage ich in meinem Freundeskreis herum: Das Viertel hat besondere und wunderschöne Straßen wie die Blutenburg-, die Donnersberger- oder die Schulstraße, aber am meisten genannt wird die Volkartstraße zwischen Rotkreuzplatz und Leonrodplatz – also verabreden wir uns an einem heißen Sommertag dort.

Vielleicht liegt es auch an dem tollen Wetter, aber die Straße ist fast zu schön, um wahr zu sein: Nachbar*innen grüßen sich nett im Vorbeigehen, während die Mittagssonne langsam über die Altbaudächer wandert. In bunt bewachsenen Innenhöfen sitzen Rentnerinnen beim schattigen Kaffee, in den Restaurants werden in aller Ruhe die Tische für den Abend gedeckt. Zwischendrin vergisst man schon einmal ganz leicht die Zeit. Die Volkartstraße ist wie die Kulisse einer Fernsehserie – wenn die „Lindenstraße“ nicht in Köln gedreht worden wäre, dann hier. Wenn die Straße ein Monat wäre, dann auf jeden Fall der ruhige August, in dem viele im Urlaub sind, man immer einen Parkplatz findet und ohne Reservierung einen Restauranttisch bekommt.

 

Renate wohnt schon fast 70 Jahre in der Volkartstraße

Während wir ganz gemächlich durch die Straße spazieren, lächelt mich eine ältere Dame an und macht mir ein Kompliment: „Ein tolles Kleid ham' se da an!“ Ich bedanke mich und wir kommen ins Gespräch. Die Frau heißt Renate, ist 78 Jahre alt und wohnt schon fast ihr ganzes Leben in der Volkartstraße – nur die Hausnummer hat sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder geändert. Sie erzählt: „Nach dem Krieg hab ich bis zum sechsten Lebensjahr in Laim gewohnt, danach sind wir in die Volkartstraße gezogen. Ich habe über 40 Jahre lang als Beamtin bei der Berufsgenossenschaft fürs Baugewerbe in Neuhausen gearbeitet!“

„Ach, ich kenn' einfach jeden Pflasterstein hier. Manchmal brauch' ich zwei Stunden heim, weil ich auf dem Weg mit Leuten rede, Hunde streichle oder einfach die Natur beobachte."
Renate

Was ihr an der Straße besonders gut gefällt? „Ach, ich kenn' einfach jeden Pflasterstein hier. Manchmal brauch' ich zwei Stunden heim, weil ich auf dem Weg mit Leuten rede, Hunde streichle oder einfach die Natur beobachte. Meine Akazien mag ich gerne, die riechen immer so gut!“ Heute sind viel mehr Menschen in der Straße unterwegs als früher noch, erzählt Renate, und das ist nicht das Einzige, das sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hat: Damals fuhren nur wenige Autos auf der Landshuter Allee, man kaufte in Tante-Emma-Läden ein und auf der großen Wiese gegenüber stand ein Zirkus mit Dult und Autoscooter.

Wenn Renate nicht gerade in der Volkartstraße unterwegs ist, trifft man sie auf dem Bauernmarkt, der jeden Dienstag in der Loristraße stattfindet: „In der Straße habe ich früher gearbeitet und gehe immer noch gerne zum Einkaufen hin. Auf dem Markt ist alles frisch und nicht teurer als im Supermarkt.“ Ein weiterer Tipp von ihr ist der Grünwaldpark gleich um die Ecke – besonders praktisch, wenn man nur eine Stunde Zeit hat. Wer mehrere Stunden im Grünen verbringen möchte, spaziert in den Nymphenburger Schlosspark.

 

Von AOI bis SAM: Die Straße der asiatischen Restaurants

Wir laufen weiter und merken schnell: Die Volkarstraße hat nicht nur für Natur-Fans, sondern auch kulinarisch einiges zu bieten – besonders auffällig ist die Dichte an guten, asiatischen Restaurants. Direkt in der Straße befindet sich der zweite Ableger vom SAM Sushi and meat, das Chay Vegan, DuFu Bun und AOI Ramen, um die Ecke außerdem das Hanami Sushi Addict sowie die JACCI Asian Kitchen. Wir entscheiden uns für das AOI Ramen, weil ich schon viel Gutes über das familiengeführte Lokal gehört habe.

Die Volkarstraße hat nicht nur für Natur-Fans, sondern auch kulinarisch einiges zu bieten – besonders auffällig ist die Dichte an guten, asiatischen Restaurants.

Drinnen sitzt man ganz unaufgeregt zwischen Sake-Flaschen und kleinen Holztischen. Auf der Speisekarte finden sich verschiedene Ramen mit Yuzu-Zitrone, Hähnchenhackfleisch oder scharfem Sesam. Jede Ramen kann mit Toppings wie gekochtem Ei, Sojasprossen oder gerösteten Nori-Blättern aufgemotzt werden. Toll sind auch die Vorspeisen: Wir entscheiden uns für Seealgensalat, gebratene Teigtaschen (Gyoza) und das japanische Hähnchenschnitzel mit japanischer Würzsoße. Möchte man vegetarisch essen, nimmt man zum Beispiel die Gemüse-Teigtaschen als Menü, dann gibt es noch eine kleine Suppe und einen Salat dazu.

In der Volkartstraße steht außerdem ein echtes Traditionswirthaus: Der Großwirt ist das älteste Lokal im Viertel – vor über zehn Jahren hat ein neuer Pächter das Lokal renoviert und wiedereröffnet. Die Geschichte des Lokals reicht allerdings noch viel weiter zurück: Schon vor über 400 Jahren konnte man hier nicht nur speisen und Bier trinken, sondern auch übernachten, Post abgeben und sein Pferd im Stall unterbringen. Heute kommt man zu Fuß, Radl oder Auto und sitzt entweder gemütlich in der Wirtschaft oder draußen auf der Terrasse. Auf der Karte stehen echt bayerisch Weißwürsten, Schweinebraten und Schnitzel.

 

Ulrike führt seit 17 Jahren die Perlerie

Nicht ganz 400 Jahre alt, aber zumindest seit 17 Jahren gibt es die Perlerie in der Volkartstraße, an der wir ganz zufällig vorbeilaufen. In dem bunten Laden kann man nicht nur Perlen, Zubehör und Bänder aller Art kaufen, sondern auch selber Schmuck herstellen in einem der angebotenen Kurse oder Kindergeburtstag feiern. Ulrike betreibt die Perlerie, einen der letzten Perlenläden in München, und wohnt auch im Viertel: „Neuhausen ist eine sehr schöne Mischung aus grün und zentral. Man ist schnell in der Stadt und hat trotzdem seine Ruhe!“

Zuvor hatte Ulrike einen Bürojob und öfter einmal bei Freundinnen ausgeholfen, die Läden im Viertel haben. Da hat sie gemerkt, wie großen Spaß ihr das macht: „Zudem gab es immer wieder die Nachfrage nach Perlen und als die Kinder groß waren, wurde es Zeit für was Eigenes!“ Der Laden in der Volkartstraße hat viel Laufkundschaft und Stammpublikum. Dass das Viertel Neuhausen als eher wohlhabend gilt, schadet dem Geschäft natürlich auch nicht. „Trotzdem hat sich das Viertel etwas Bodenständiges bewahrt, vor allem drüben am Rotkreuzplatz – dort gibt es noch viele Genossenschaftswohnungen“, erzählt Ulrike uns.

„Neuhausen ist eine sehr schöne Mischung aus grün und zentral. Man ist schnell in der Stadt und hat trotzdem seine Ruhe!“
Ulrike

An der Volkartstraße gefällt ihr ganz besonders die Mischung an Menschen und Läden, auch wenn die sich im Lauf der Jahre natürlich immer wieder verändert hat. Die Spielzeuggeschäfte sind verschwunden, mehr Restaurants sind dazu gekommen. Auch hier hat Ulrike Tipps für uns: „Das Emporio Italiano und das türkische Lokal Pardi sind sehr lecker. Mein Lieblingsplatz ist der kleine Kiosk Cinque Panini vorne am Grünwaldplatz – da trifft man das ganze Viertel, die verschiedensten Menschen und kann ganz unkompliziert am Abend noch ein Gläschen trinken.“ Selbstverständlich ohne Reservierung.

Nicht verpassen in der Volkartstraße:

 

 

Text: Anja Schauberger; Fotos: Frank Stolle

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