Das Pendel von Ingo Maurer schwingt in der Eingangshalle der Pinakothek der Moderne und ist ein wahrer Eye-Catcher.

Viertelliebe: Kunstareal

Die Kraft der Kultur

Das Museumsviertel besticht durch die einmalige Ballung hochklassiger Museen und Kunsträume – mitten in einem der lebhaftesten Viertel der Stadt. Eine Hymne an die Kraft der Kultur.

Ein Besuch bei Rubens’ schaurig-schönem „Höllensturz der Verdammten“? Ein inspirierendes Tête-à-tête mit da Vincis „Madonna mit der Nelke“? Einmal mit Dionysos über die Meere segeln? Sich mit griechischen und römischen Schönheiten über Schmuck und Mode austauschen? Alles möglich. Im Münchner Kunstareal kann man sich zu Fuß auf Zeitreise durch 5000 Jahre Kunstgeschichte machen.

Dicht an dicht lässt sich hier die geballte Kunst der Stadt bewundern, und als wäre das nicht schon Auszeichnung genug, ist das Ganze auch noch eingebettet in die lebendige Umgebung der Maxvorstadt mit ihren Hochschulen, Boutiquen, großzügigen Grünanlagen und vor allem ihren Cafés. Wo könnte man sich besser von Kunst inspirieren lassen als hier?

Das Kunstareal München eröffnet die Möglichkeit, nach einem Besuch bei Rubens und da Vinci einen Abstecher ins Café Puck zu machen, das seit mehr als 30 Jahren als eine der Wohnstuben der Maxvorstadt gilt. Wo einst wilde Partys gefeiert wurden, geht es heute gelassen zu. Man trifft sich zum Mittagstisch, zu Kaffee und Kuchen, und freut sich vielleicht an der Tatsache, dass keine 150 Meter entfernt im Museum Brandhorst eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst zu finden ist.

Das Publikum ist bunt gemischt, Gäste und Studierende trifft man hier ebenso wie jene Kulturbeflissenen, die ausschließlich der alten Meister wegen ins Münchner Kunstareal strömen.

Oder das Café Jasmin! Seit 1955 in der Maxvorstadt (zuvor war es einige Jahre am Lenbachplatz). Es hat alles für eine kleine Zeitreise in Münchens Bohème-Vergangenheit: die Farben Mintgrün und Rosé dominieren, ein imposanter Kronleuchter, geraffte Gardinen und Türen, verkleidet mit gestepptem Kunstleder. Die Originaleinrichtung ist erhalten und steht unter Denkmalschutz. Man nimmt Platz auf Samtsesseln und speist vor einer Zeichnung des Schlosses in Bayreuth, vor dem Menschen im Park lustwandeln. Das Publikum ist bunt gemischt, Gäste und Studierende trifft man hier ebenso wie jene Kulturbeflissenen, die ausschließlich der alten Meister wegen ins Münchner Kunstareal strömen.

Dabei sind die Museen selbst besondere Orte, inklusive Bewirtung: Das Café Ella etwa ist die beliebte Einkehr für Besucher des Lenbachhauses und befindet sich im selben Gebäude wie das Museum – und wer einmal den Blick von der Terrasse auf die Propyläen am Königsplatz genossen hat, denkt womöglich, er habe die Ausstellungsräume noch gar nicht verlassen.

Video: Stadtviertel Maxvorstadt

All diese Cafés und Wohlfühlzonen – und noch viele mehr – umgeben das, wovon hier eigentlich die Rede ist: Das Kunstareal ist einer der herausragenden Kulturstandorte Europas mit internationaler Strahlkraft und hält jedem Vergleich mit Kunst- und Künstlervierteln in Berlin, Wien, Paris und New York spielend stand: architektonische Schmuckstücke, Ausstellungshäuser, sechs international renommierte Hochschulen, 42 Galerien, Kulturinstitutionen – das alles auf einer Fläche von gerade mal einem halben Quadratkilometer! Das muss man sich einmal vorstellen. Dabei ist diese geballte Kunstansammlung mitten in eines der belebtesten Viertel der Stadt integriert.

In 200 Jahren kontinuierlich gewachsen, präsentiert das Kunstareal zwischen Königsplatz und Theresienstraße eine sagenhafte Bandbreite an Kunstwerken und Historie – aber auch an Münchner Lebensgefühl (Gelassenheit!) und studentischer Leichtigkeit. Vielleicht ist es gerade diese entspannte Mischung, die Lässigkeit, dieses Nicht-zu-hoch-Hängen, die die Kunst in die Stadt so perfekt einbettet. Nehmen wir die Wiese vor der Neuen Pinakothek: Hier trifft sich sonntags die Nachbarschaft, um die Hunde sausen zu lassen. Paare flirten auf Picknickdecken, Studenten-WGs spannen Netze und spielen Badminton. Auch das alles: eine Kunst.

Hier trifft sich sonntags die Nachbarschaft, um die Hunde sausen zu lassen. Paare flirten auf Picknickdecken, Studenten-WGs spannen Netze und spielen Badminton. Auch das alles: eine Kunst.

Das Café Vorhoelzer Forum auf der Terrasse der Technischen Universität bietet beim Sundowner einen Blick über die Dächer der Maxvorstadt. Gegenüber steht die Filmhochschule, in der seit 53 Jahren die besten und erfolgreichsten Filmschaffenden des Landes ausgebildet werden. Nicht nur die Architektur dieses Gebäudes ist beeindruckend, Kunst ist im Kunstareal nämlich sowieso auch ohne Ticket überall sichtbar, sie steht quasi auf der Straße.

Die Architektur vieler Museen, etwa der beeindruckende Neubau des Staatlichen Museums für Ägyptische Kunst oder das NS-Dokumentationszentrum, stellen unabhängig von ihren Exponaten im Inneren eine Attraktion dar. Bestes Beispiel: die Pinakothek der Moderne. Im Inneren wird man von einem spektakulären Lichttempel empfangen. Eine Rotunde, als öffentlicher Platz konzipiert, den wir auch als Durchgang benutzen könnten. Zwei imposante Treppen führen in die oberen Säle. Die Gäste entdecken hier Kunst, noch bevor sie die Ausstellungsräume überhaupt betreten haben.

Man kommt im Kunstareal aus dem Staunen also gar nicht mehr raus. Nur konsequent, dass die Ansammlung schöner Cafés und Wohlfühlzonen zum Ausruhen einlädt – alle nur einen Steinwurf entfernt von Rubens, Baselitz, da Vinci und Dionysos.

 

 

Text: Nansen & Piccard; Fotos: Redline Enterprises, Frank Stolle, Christian Kasper, Dominik Morbitzer; Video: Redline Enterprises