Ein Strauch mit weißen rosen im Vordergrund. Im Hintergrund weitere Rosenbeete und ein Haus.

Rosengarten

Idylle in der Stadt

Der Rosengarten ist eine Ruheoase ganz nah an der Isar – und noch immer ein Geheimtipp. Auf Holzbänken, weißen Metallstühlen oder auf der grünen Wiese kann man hier herrlich entspannen und den Duft der vielen Rosenbüsche genießen. Wir flanieren durch eine besondere Münchner Anlage.

Neben den Pflanzen sind die Menschen das Spannendste am Münchner Rosengarten. An wenigen Orten der Stadt sitzen, liegen oder spazieren ganz Jung und ganz Alt so dicht neben- und miteinander. Über den 4500 Quadratmeter großen wildschönen Garten hinweg sind Stühle und Bänke verteilt, auf denen schon beim ersten Sonnenschein viele ältere Menschen sitzen und in Büchern oder Zeitungen blättern. Unter den Kirschbäumen im Mittelteil wiederum feiern Familien auf Picknickdecken Kleinkindergeburtstage. Und für Schwangere gilt der Rosengarten als echter Geheimtipp: Wer einen außergewöhnlichen Namen für ein Kind sucht, kann hier leicht fündig werden.

Schließlich gibt es im Hauptteil des Gartens allein 8500 Rosen in mehr als 200 verschiedenen Sorten zu entdecken, die klangvolle Namen wie „Lupo“, „Caramella“ oder „Pepita“ tragen. Die liebevolle Ausstattung jeder Pflanze, aber auch jedes Baumes und Strauchs mit einem Namensschild ist nicht nur bei Botanikfreunden beliebt, sondern auch bei Grundschulkindern, die hier manchmal zum Lesenüben vorbeikommen.

Man muss also nicht einmal die Natur lieben, um sich im Rosengarten wohlzufühlen. Es reicht schon, wenn man Menschen gern mag. Wobei die Pracht der Pflanzen dann doch auch den Großstadtkauz begeistert. Weniger streng englisch mutet der Garten an als vielmehr wild und vielfältig, unterschiedlich in seinen verschiedenen Teilen, die aus besagten Rosenfeldern bestehen, aber auch aus Themengärten für alle Sinne: einem Duftgarten, in dem einem zur Blütezeit beinahe schwindelig wird. Dem Fliedergarten. Einem Tastgarten für Blinde. Und einem abgezäunten Giftgarten, den Kinder unendlich aufregend finden, schließlich versteckt er sich hinter einem extra Eintrittsgatter mit großem, rotem Warnschild davor, auf dem „Lehrgarten für Giftpflanzen aus Feld, Flur und Garten“ steht.

Die gut beschrifteten Geschichtenkarten zu den verschiedenen Giftpflanzen regen die Fantasie nicht nur der Jüngsten an. Wenn dann noch ein städtischer Gärtner oder eine Gärtnerin in grüner Latzhose, mit großem Sonnenhut und Gartenschlauch oder Schaufel in der Hand vorbeikommt, fühlt man sich vollends an einen anderen, beinahe zauberhaften Ort versetzt, obwohl man doch eben noch auf der viel befahrenen Wittelsbacherbrücke zwischen Autohupen, Fahrradklingeln und Isarbesucher*innen stand.

Hervorgegangen ist der heutige Rosengarten, an der Sachsenstraße zwischen Schyrenbad und Isarauen gelegen, aus der Städtischen Baumschule Bischweiler, die 1901 vom damaligen Stadtgartendirektor Jakob Heiler als Teil der Isaranlagen geplant wurde und bis heute die Ziergehölze für die städtischen Beete im hinteren Teil der Anlage kultiviert. 1955 dann wurde der eigentliche Rosengarten angelegt. Man wollte damit verschiedene Pflanzen für die Beete erproben, also erst mal ausprobieren, ob sie das Münchner Klima vertragen und es sich lohnt, sie in großer Stückzahl anzupflanzen. Von 1986 bis 1989 dann gestaltete das Baureferat den Rosengarten erneut umfassend um. Ziel war es nun, interessierten Gästen zu zeigen, wie Profis Rosen arrangieren.

Bis heute ist er in dieser Form erhalten. Dass er nie ausgeputzt wurde oder als Garten perfektioniert, dass er immer auch natürlich gewachsen und an der ein oder anderen Stelle fast ein bisschen verwunschen aussieht, dass der Rosengarten heute frei zugänglich für alle ist und man sich überall niederlassen und verweilen kann, ist ein Geschenk an wirklich alle Einheimischen und Gäste. Hinter dem Rosengarten befindet sich ein kleiner Bach, der seit einigen Jahren als geheimer Lieblingswasserspielplatz für Münchner Kleinkinder gilt. Und wer verweilen möchte, aber kein Buch dabei hat, kann neben dem Giftgarten in einem offenen Bücherkasten fündig werden.

Das Schönste aber am Rosengarten, der ganz offiziell „Schaugärten an der Sachsenstraße“ heißt, sind vielleicht nicht die Rosen und womöglich sogar nicht einmal die Menschen. Das Schönste am Rosengarten sind die Bäume. Groß, klein, dick, dünn, krumm und kerzengerade stehen unzählige Baumsorten kreuz und quer herum und wiegen ihre Häupter beruhigend rauschend hin und her.

Buchen, die zueinander gebogen einen Torbogen bilden, unter dem man sich beim Durchgehen beinahe königlich fühlt. Oder der lustig herabhängende Goldregen. Als Rarität gilt die Kastanie mit dem botanischen Namen „Aesculus neglecta ,Erythroblastos‘“, auch Carolina-Rosskastanie genannt, die vor allem durch ihr Farbenspiel beeindruckt.

Im Frühling leuchten die Blätter rosa, dann wechseln sie zu grün und im Herbst sind sie gelb. Auch toll: der asiatische Blauglockenbaum oder Taschentuchbaum. Wer es irgendwie einrichten kann, sollte kommen, wenn die Magnolien blühen. Zahlreiche Sorten stehen im isarnahen hinteren Bereich. An nur wenigen Tagen meist im März oder April tragen sie so prachtvolle Blüten in den verschiedensten Rosa-, Gelb- oder Weißtönen, dass einem schier der Atem stockt. Manche sind handgroß, andere so zerbrechlich, dass sie, einmal aufgeblüht, schon beim ersten Regen gleich wieder vergangen sind. Üppigster Luxus der Natur. Und auch hier wieder: klangvolle Namen. Wenn Sie irgendwann mal einem Münchner Kind namens „Lennei“ begegnen – vielleicht ist das „Lennei – so wie die Magnolie“.

 

 

Text: Nansen & Piccard, Fotos: Frank Stolle
La nave Alte Utting su un ponte di Monaco

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