Besondere Straßen: Theresienstraße München

Großstadt in der Maxvorstadt

Der Theresienstraße in München ein Label zu verpassen, fällt schwer. Aber zwischen Museen, Universitäten und Wettbüros fällt schnell auf: Diese Straße bietet wirklich alles, was wir uns von einer Großstadt wünschen – und das auf nur 1,5 Kilometern.

Wer in die Theresienstraße geht, der taucht in eine andere Welt ein – im wahrsten Sinne, denn egal, ob man beim Mittagessen in einem der vielen Restaurants sitzt oder nachmittags in eine Ausstellung in den Pinakotheken geht: Man hört um sich herum sämtliche Sprachen. Das liegt zum einen an den Gästen im Kunstareal, zum anderen sind zwischen der Ludwig-Maximilians-Universität und der TU junge Menschen aus aller Welt unterwegs – die Theresienstraße funktioniert wie ein Verbindungsstück zwischen den beiden renommierten Universitäten.

In der Theresienstraße bekommt man eigentlich alles: französische Pain au chocolat, neapolitanische Pizza, griechischen Frappé oder bayerischen Fisch aus dem Schliersee.

Die Internationalität spiegelt sich auch an dem gastronomischen Angebot wider, vom peruanischen Nasca bis zum vietnamesisch-veganen Restaurant SOY. In der Theresienstraße bekommt man eigentlich alles: französische Pain au chocolat, neapolitanische Pizza, griechischen Frappé oder bayerischen Fisch aus dem Schliersee. Selten hat man so viel Auswahl wie hier – veganen Döner, Trüffeldöner, Oldschool-Döner – und alles schmeckt fantastisch. Für eine kulinarische Weltreise ist die Theresienstraße in der Maxvorstadt also ziemlich gut geeignet!

 

Nostimo Deli: Neu und doch schon immer hier

Und die starten wir direkt im Nostimo, einem griechischen Deli, das seit 2018 die Straße bereichert. Ladenbetreiber Nicolas wollte eine Tagesbar, in der man wechselnde und frische Mittagsgrichte bekommt, genauso aber auch das gute griechische Olivenöl und leckeren Wein. In den Regalen findet man also auch sämtliche Köstlichkeiten für einen griechischen Abend zuhause. Wir setzen uns vor den hellblauen Laden an einen der weißen Tische und fühlen uns direkt ein bisschen wie am Mittelmeer, bestellen eine griechische Bowl mit Avoacado, Feta und Couscous, dazu eine Pasta mit Aubergine. 

Nicolas Vater ist Grieche, 1980 übernahm er die Galerie nebenan. Deshalb ist Nicolas auch größtenteils im Viertel aufgewachsen – die Theresienstraße wurde zur zweiten Heimat, er beobachtet das Treiben seit nun mehr als 40 Jahren: „Die Straße ist heute sicherlich anders als damals, aber sie war immer gut besucht. Auch das gastronomische Angebot war früher schon bunt und international.“ Er schätzt auch heute noch an der Theresienstraße, dass sie zwar zentral ist, aber trotzdem nicht überlaufen.

Nicolas schätzt auch heute noch an der Theresienstraße, dass sie zwar zentral ist, aber trotzdem nicht überlaufen.

„Dass man die vielen Museen und Galerien ums Eck hat, bestimmt natürlich auch die Laufkundschaft“, weiß Nicolas, „das Publikum ist kulturell interessiert und bringt auch ein gewisses Qualitätsbewusstsein mit.“ In der Parallelstraße sind deutlich mehr und deutlich jüngere Menschen unterwegs, erzählt er uns. Die Student*innen tummeln sich eher auf der Höhe der Pinakotheken und dort laufen wir gleich einmal hin.

Zwischen Studentenviertel und Kunstareal

Ein beliebter Treffpunkt ist die große Wiese vor der Alten Pinakothek. Hier treffen sich junge und ältere Menschen, die im Viertel arbeiten und leben, auf ein Feierabendbier, zum Picknicken oder sporteln. Auch Studentin Julia verbringt viel Zeit hier, sie sagt: „Ich finde die  Wiese toll zum Volleyballspielen oder auch einfach mal zum Durchatmen. Zudem hat man einen tollen Blick auf die schönen Gebäude ringsherum.“

Ein beliebter Treffpunkt ist die große Wiese vor der Alten Pinakothek. Hier treffen sich die Leute auf ein Feierabendbier, zum Picknicken oder sporteln.

Früher hat Julia noch in der Theresienstraße gewohnt, als sie für ihr Studium nach München kam. Mittlerweile ist sie im sechsten Semester Umweltingenieurswesen an der TU und wohnt etwas weiter weg in Bogenhausen. Und trotzdem hält sie sich noch genauso viel in der Maxvorstadt auf wie davor. „Ich mag die Vielfalt hier – die zahlreichen Bars und Restaurant, das Unileben, die viele anderen Student*innen", erzählt sie. Und wenn man sie in der Theresienstraße trifft, dann meistens mit einem veganen Döner in der Hand vor dem Kartoffelkönig.

Theresienstraße – vom Museum zum Massagesalon

Wir spazieren weiter Richtung TU bis hinter zum Maßmannpark. Hier endet die Theresienstraße und zeigt Richtung Schleißheimer Straße noch mal ein anderes Gesicht: Wettbüros, Nagelstudios, Massagesalons. Auch diese Seite der Großstadt findet man in der Straße, die scheinbar alles kann – hochkarätige Ausstellungen, aber auch das normal-bürgerliche Leben. Die Wohnhäuser auf dieser Höhe sind meist einfache 50er-Jahre-Bauten, nur wenige Altbauhäuser haben den Krieg überlebt. 

Diese Straße lässt sich einfach nicht unter einen Hut bringen, so sehr man es auch versucht, in keine Schublade stecken – außer vielleicht diese: Hier gibt es nichts, was es nicht gibt.

Eine alte Perle finden wir aber: Am Ende der Straße laufen wir durch Zufall an einem der ältesten Friseursalons der Stadt vorbei. Den „Salon Charlotte“ in der Theresienstraße 158 gibt es schon seit 1904 , Teile der Ausstattung sind über hundert Jahre alt. Gleich nebenan der total Gegensatz: die hippe Kunstgalerie Schwabinggrad, erst 2020 eröffnet. In der Theresienstraße befinden sich auch einige Münchner Ketten – wie The Italian Shot, der Coucou Food Market oder das Keramiklabel Motel A Miio. Wer hier eine Filiale eröffnet, hat es wohl geschafft. Ja, und dann wäre da noch die Erfolgsgeschichte aus der Theresienstraße schlechthin: die Eisdiele von Ballabeni – unschwer zu erkennen, an der langen Schlange davor.

Wenn man so vorbeispaziert an den ganzen Universitäten, Museen, Wohnungen, Läden, Restaurants, Geschichten und Menschen drängt sich einem recht schnell der Gedanke auf, dass es gar nicht mehr braucht als das: die Theresienstraße ist eine Stadt in der Stadt. Ein eigenes System, das auch losgelöst von dem Rest drum herum – der Maxvorstadt, vielleicht sogar ganz München – wunderbar funktionieren würde. Diese Straße lässt sich einfach nicht unter einen Hut bringen, so sehr man es auch versucht, in keine Schublade stecken – außer vielleicht diese: Hier gibt es nichts, was es nicht gibt.

 

Text: Anja Schauberger; Fotos: Frank Stolle, Dominik Morbitzer, F. Müller, Museum Brandhorst, Martin Fengel