Rothenburg ob der Tauber

Ein Schmuckkästchen aus dem Mittelalter

Zweieinhalb Stunden nordwestlich von München liegt Rothenburg ob der Tauber, das im Ausland als Prototyp einer mittelalterlichen deutschen Stadt gilt. Die verschachtelten Gässchen, verwunschenen Türme und kleinen Plätze mit Fachwerkhäusern dienten als Kulisse für Filme über Martin Luther und die Brüder Grimm.

Die Ursprünge der Stadt gehen zurück auf die Zeit des 12. Jahrhunderts – etliche Tore, Türme und Mauern aus dieser Zeit sind erhalten worden. Im Mittelalter zählte Rothenburg zu den mächtigsten Städten im Süden des Landes, sie war von 1274 bis 1803 eine stolze Reichsstadt. Doch im Dreißigjährigen Krieg ging ihr politischer Einfluss und Reichtum zurück. Das hatte allerdings auch etwas Gutes, da sich Rothenburg nur mehr langsam weiterentwickelte und das mittelalterliche Stadtbild weitgehend erhalten blieb. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude zerstört, danach aber originalgetreu wieder aufgebaut.

Wer durch die engen Gassen schlendert, fühlt sich wie auf einer Zeitreise. Alles wirkt sehr ursprünglich – kaum optische Brüche durch moderne Bauten. Um die Altstadt herum erhebt sich eine begehbare Stadtbefestigung, dahinter erstreckt sich die große Weite des Flusstals der Tauber mit ihrer weitgehend unverbauten Landschaft. Kein Wunder, dass Rothenburg im Ganzen als architektonische Kostbarkeit gilt und jedes Jahr Millionen Besucher aus aller Welt anlockt. Kaum ein Gast lässt sich die wohl bekannteste deutsche Kleinstadt auf seiner Europareise entgehen.

Im Jahr 1950 wurde Rothenburg zu einem der Höhepunkte der Romantischen Straße, der ältesten und eine der beliebtesten Ferienstraßen in Deutschland. Sie sollte Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wieder als Urlaubsziel attraktiv machen. Die Romantische Straße ist mehr als 400 Kilometer lang und zeigt zwischen Würzburg und Füssen zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Bei Rothenburg kreuzt sie mit der Burgenstraße eine weitere Ferienstraße, weshalb besonders viele Touristen kommen. Sie besuchen gerne Veranstaltungen wie das bekannte Taubertal-Openair-Festival, den Weihnachtsmarkt, die Reichsstadttage oder den „Meistertrunk“, ein historisches Festspiel, das jährlich am Pfingstwochenende stattfindet und seit 2016 zum Kulturerbe zählt. Auch das Weihnachtsmuseum von Käthe Wohlfahrt, das Handwerkerhaus, das Reichsstadt- sowie das Kriminalmuseum sind unter Touristen sehr beliebt.

Und sogar Papst Franziskus lebte einst hier, damals noch als einfacher Pfarrer Jorge Mario Bergoglio. Als Goethe-Student besuchte er einen Deutschkurs in Rothenburg und kam von August bis Oktober 1986 bei Gasteltern in der Judengasse unter. Ob er auch den guten Wein probierte, der überall auf den Hängen um Rothenburg wächst, ist nicht überliefert.

 

 

Foto: Rothenburg Tourismus Service/W. Pfitzinger

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