Gut gegen Heimweh: Zugereiste verraten, wo es in München wie zu Hause schmeckt. Hélène Badault aus Paris über begehrtes Gebäck, diskutierfreudige Restaurantbesitzer und Lammfleisch, das nach Sommer schmeckt.

„Was Frühstück betrifft, sind wir Franzosen ja eher unkompliziert: Ein Croissant oder ein kleines Baguette, genannt „ficelle“, etwas Butter, etwas Marmelade und einen Kaffee – mehr brauchen wir nicht. Aber in München ist diese Kombination gar nicht so einfach zu finden. Mein Tipp: Das Bonjour Munich (Oskar-Schlemmer-Str. 3). In der Pâtisserie Amandine (Bergmannstr. 44) fühlt man sich wie in einer französischen Bäckerei, es gibt frische Croissants, Baguettes und Brioches. Auch das Gebäck ist toll. Aber wer die besten Teile bekommen will, muss früh dran sein – die Theke ist schnell leer gekauft.

Okay, so einfach sind wir dann vielleicht doch nicht in Sachen Essen. Wir wissen eben genau, was wir wollen. Und wir lieben es, über Essen zu diskutieren.

Die Baguettes und Croissants aus den Bäckereien Dompierre (z.B. Schellingstr. 34) oder aus dem Café Le Petit Paris (Frauenstr. 15) lasse ich auch noch gelten. Okay, so einfach sind wir dann vielleicht doch nicht in Sachen Essen. Wir wissen eben genau, was wir wollen. Und wir lieben es, über Essen zu diskutieren. Ganz fantastisch geht das zum Beispiel mit Jean Marc, dem Chef des Les Cuisiniers (Reitmorstr. 21). Dank seiner netten, großzügigen Art fühlt sich dort wirklich jeder wohl. Wenn wir zum Abendessen da sind, setzt er sich immer für ein paar Minuten zu uns und erzählt von seinen neuesten kulinarischen Entdeckungen.

Im Le Berlü (Wittelsbacherstr. 16) mag ich die kreative Küche. Zuletzt hatte ich dort ein Stück Fleisch mit Jakobsmuscheln und Gemüse, angerichtet wie ein Ossobuco – einfach unvergesslich! Wenn es etwas Besonderes sein soll, gehe ich auch gerne ins Le Refuge (Neureutherstr. 8), dort gibt es provenzalische Küche, die für mich einfach nach Sommer schmeckt. Das gegrillte Lamm mit feinen Gewürzen kann ich besonders empfehlen.

Ach ja, für Hummer und Muscheln ist das Chez Fritz (Preysingstr. 20) eine gute Adresse. Zu Hause in Paris war ich mit meinen Freunden vor allem in Weinbars – ein Glas Wein, ein kleiner Snack, was braucht man mehr für einen netten Abend? Bei Heimweh hilft mir in München die Weinbar Déjà bu? (Buttermelcherstr. 2a). In Sachen Käse bin ich eine Spätstarterin. Als Kind mochte ich eigentlich gar keinen Käse, dafür bin ich heute geradezu süchtig danach.

Am liebsten mag ich Blauschimmelkäse von der Käserei Papillon. Den habe ich hier in München leider noch nicht gefunden, dafür gibt es im Chalet du Fromages (Elisabethmarkt, Stand 11) eine große Auswahl und zum Beispiel tollen Comté, einen harten Rohmilchkäse. Dazu passt ein Wein aus Südfrankreich, den ich im Caves du Midi (Wilhelmstr. 32) kaufe.“

 

 

Protokoll: Nansen & Piccard; Fotos: Frank Stolle