Podcast „Auf eine Runde mit ...“ Sinah Diepold

Ein Spaziergang durchs Lehel: Sinah Diepold

Bunt, traditionell, vielfältig – das sind die Münchner Stadtviertel. Unser Podcast „Auf eine Runde mit ...“ bietet ganz persönliche Einblicke durch die Linsen der Menschen, die hier leben und ihre Viertel am besten kennen. Diesmal: Sinah Diepold zeigt uns ihr Lehel.

Das Studio von Yoga-Lehrerin und Gründerin Sinah Diepold befindet sich im Lehel, einem kleinen Viertel, das sehr zentral liegt und gleichzeitig an den Englischen Garten grenzt. Mit dem Unternehmen „Kale & Cake“ schafft Sinah gemeinsam mit Co-Gründerin Sophia und ihrem Team einen Raum für Bodymindtherapy – was genau das bedeutet, erzählt sie in der Podcastfolge. Bei unserem Spaziergang durchs Lehel kommen wir außerdem an ihren Lieblingsspots vorbei, treffen ein politisches Urgestein auf der Straße und erfahren, was das Stadtviertel aus ihrer Sicht so spannend macht. Auf eine Runde mit Sinah Diepold!

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Liebe Sinah, du machst so viele tolle Sachen. Stell dich doch mal kurz vor:

Ich bin Münchnerin und habe eine eigene Firma namens „Kale & Cake“ (dt. „Grünkohl & Kuchen“). Meine Arbeit hat allerdings nichts mit Essen zu tun, wir nennen unser Konzept Bodymindtherapy. Dabei gehen wir der Frage auf den Grund: Wie finden wir wieder zu uns selbst zurück? Das mache ich vor allem durch Yoga, Bewegung, Atmung und Coaching. Und ansonsten esse ich sehr gerne Kuchen!

Bei „Kale & Cake“ geht es also, wie der Name vermuten lässt, um die Balance im Leben?

Genau! Wir sind Fans vom Weg der Mitte, denn immer, wenn wir uns in Extremen festzurren, werden wir hart, undurchlässig und verlieren die Verbindung zu anderen. Auch die Yoga-Philosophie sagt, dass es kein richtig oder falsch gibt, sondern immer auf die Dosis ankommt.

Bei Yoga sehen viele sofort eine Matte, auf der körperliche Übungen gemacht werden. Was ist denn für dich Yoga?

Yoga ist für mich ein Kompass im Leben. Das Navigieren durch dieses moderne Leben ist eine ziemliche Herausforderung. Yoga hilft mir als Wegweiser, denn einerseits gibt es da natürlich das „Verbrezeln“ auf der Matte, aber dann auch Werkzeuge abseits dessen, um von innen nach außen zu leben, anstatt von außen nach innen.

Hast du ein Lieblings-Werkzeug dieser Philosophie, das du oft verwendest im Alltag?

Innehalten. Das üben wir anhand von Meditation, aber auch durch die Asanas, also die Körperübungen. Wenn von außen ein Reiz auf uns trifft, dann reagieren wir meist sofort aus unseren Gewohnheiten heraus, die fast immer unbewusst sind. In der Achtsamkeitspraxis des Yoga versuchen wir, einen Raum entstehen zu lassen vor einer Reaktion. Ich übe das jeden Tag, und es tut gut, nicht auf alles sofort anzuspringen. Das ist krass befreiend!

Spannend, wir kommen nachher nochmal auf deine Yogapraxis zurück. Sag mal, du warst tanzen in New York, hast deine Yoga-Ausbildung auf Bali gemacht, bist oft in Berlin – warum lebst du in München, wo du doch so viel von der Welt gesehen hast?

München ist für mich Heimat. Ich bin durch und durch ein Münchner Kindl – ja, die gibt es wirklich noch! Tatsächlich sind schon meine Großeltern und Eltern hier geboren. Ich liebe die Mischung aus Dorf und Großstadt, denn ich habe hier alles, was ich brauche, und gleichzeitig treffe ich immer jemanden auf der Straße.

Heute geht's konkret um die Straßen des Lehel. Was bedeutet das Viertel für dich?

Toll finde ich vor allem den Schnittpunkt zum Englischen Garten mit den Surfern auf der Eisbachwelle und dem Fräulein Grüneis. Außerdem mag ich die witzige Mischung aus Anwälten, die hier arbeiten, den vielen Italienern und diesem Flair, als wäre man in einer anderen Stadt. Alles ist etwas älter, die Gassen enger – und es gibt überhaupt keine Supermärkte! Man kann sich gut treiben lassen und trotzdem super schnell im Englischen Garten sein oder am Haus der Kunst.

Unser erster Spot, an dem wir gerade sitzen, ist das kleine Café Strangers, ein „Wellness Deli“. Warum hast du diesen Ort ausgewählt?

Ich kenne die beiden Gründerinnen. Das sind coole, junge Frauen, die sich einen Herzenswunsch erfüllt haben. Hier gibt es leckeren Kaffee und nachhaltige Snacks – sie haben einfach ein bisschen mehr reingebracht in die Idee, ein Café zu eröffnen. Ich finde es toll, wenn sich Menschen überlegen, was sie erschaffen wollen.

Das klingt schön und die raw cakes schmecken wirklich lecker! Sinah, was machen wir denn heute noch?

Wir können jetzt durchs Viertel laufen Richtung St.-Anna-Platz oder wir machen einen kleinen Schlenker und beobachten unsere Regierung (lacht). Der Herr Stoiber ist uns ja gerade schon auf der Straße entgegengekommen! Sein Büro befindet gegenüber von unserem Studio.

Shout out an alle, die ihn treffen wollen – ins Lehel kommen!

Genau. Dann spazieren wir zum Englischen Garten und schauen bei Fräulein Grüneis vorbei.

Der St.-Anna-Platz ist italienisch angehaucht und lädt zum Sitzen und Schauen ein, eben genau so, wie man das im Land von Pasta, Pizza und Amore so macht. Ganz in der Nähe gibt es allerdings einen anderen kulinarischen Tipp von Sinah Diepold, nämlich das koreanische Restaurant Arisu. Was macht es besonders?

Fantastisches Essen! Mittags gibt es ganz tolles Bibimbap. Aber Achtung, da stehen dann viele an, man sollte etwas Zeit mitbringen.

Was ist denn Bibimbap?

Ein Reisgericht mit verschiedenen Gemüsesorten wie Karotte und Bohne mit Sriracha und einem Spiegelei. Total gut!

Hast du eigentlich bestimmte Rituale vor oder nach deinen Stunden hier im Studio?

Ja, ich liebe es, aus dem Studio raus und in den Englischen Garten reinzufallen. Heute bin ich mit einer Freundin einfach in der Sonne spaziert.

Vom kleinen Dorf Lehel in einen der größten, innerstädischen Parks, die es gibt ...

... ja. Hier wird man kulturell total gut abgeholt und hat gleichzeitig die Natur und Ruhe.

Apropos Ruhe und Sport. Gibt es eigentlich eine Yoga-Übung, die dich noch herausfordert?

Ja, die Vorwärtsbeugen. Die sehen im Außen einfach aus, weil ich sehr beweglich bin, aber tatsächlich fordern sie mich sehr voraus. Ich bin nicht so gut darin bin, ruhig zu werden und nach innen zu gehen. Und auch wenn etwas im Außen leicht aussieht, heißt es nicht, dass es leicht ist. Diese Asana hat mir auf jeden Fall viel beigebracht.

Das kann ich mir vorstellen. Für alle, die München gerne sportlich erleben möchten, welche Tipps hast du da?

Radltouren kann ich sehr empfehlen! Wir selbst bieten zweimal die Woche Outdoor-Yoga an. Freunde von uns veranstalten Pop-up-Yoga an unterschiedlichen Orten. Oder mal surfen probieren? Habe ich auch schon gemacht, das war sehr lustig, ich habe extrem viel Wasser geschluckt! Oder einfach mal in den Eisbach springen und eine Minute gegen den Strom schwimmen!

Wir stehen gerade auf einer Brücke über dem Eisbach! Es gibt so ein paar Dinge, die man als Müncher*in mal gemacht haben muss, wie zum Beispiel im Eisbach treiben lassen und ...

... mit der Tram zurückfahren! Es gibt auch viele, die im Winter reingehen und trainieren, mit der Kälte umzugehen, weil das eine sehr meditative Technik ist. Ich liebe es, im Sommer reinzuspringen, denn hier ist immer was los: An der großen Welle, E 1, kann man Profis beobachten, an der hinteren, der E 2, sind auch mal Anfänger zu sehen.

Eine abschließende Frage an dich. Kannst noch mal zurückkommen zu den einzelnen Säulen von „Kale & Cake“ und die etwas ausführen?

Für Sophia und mich sind verschiedene Bewegungsformen sehr wichtig. Sophia ist zudem Coach, was hilft, um die Yoga-Philosophie so in unsere Klassen einfließen zu lassen, damit sie im westlichen Denken anwendbar sind. Es ist so klug, was sich Yogis vor 5000 Jahren ausgedacht haben, all das davon ist nach wie vor aktuell. Oft findet leider keine Überbrückung statt, aber wir wollen eben nicht die Yogamatte vom Leben trennen.

Eine andere Säule ist Charity. Regelmäßig veranstalten wir Events, um Spenden zu sammeln für verschiedene Organisationen. Beim Yoga geht es nämlich auch darum, das zu zurückzugeben, was man sich selbst wünscht. Die Münchner bewegen sich gerne und haben Lust auf coole und neue Sachen – was wir machen, kommt gut an.

 

 

Text: Anika Landsteiner; Fotos: Frank Stolle

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