Podcast „Auf eine Runde mit ...“ Laura Schieferle

Ein Spaziergang durchs Kunstareal: Laura Schieferle

Bunt, traditionell, vielfältig – das sind die Münchner Stadtviertel. Unser Podcast „Auf eine Runde mit ...“ bietet ganz persönliche Einblicke durch die Linsen der Menschen, die hier leben und ihre Viertel am besten kennen. Diesmal: Laura Schieferle zeigt uns ihr Kunstareal.

Für meinen heutigen Spaziergang habe ich Laufa Schieferle in den Podcast eingeladen! Sie ist die Leiterin der Koordinationsstelle Kunstareal und kann mir demnach einiges darüber erzählen. An einem wunderschön warmen Frühlingstag Ende März spazieren wir zusammen durch das Kunstareal und sprechen über die dort ansässigen Museen, ihre kulinarischen Tipps, wo sie besonders gerne Kunst erlebt und welches Werk sie mit nach Hause nehmen würde – wenn sie dürfte. Auf eine Runde mit Laura Schieferle!

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Hallo Frau Schieferle, es freut mich sehr, Sie kennenzulernen. Was genau ist denn eigentlich das Kunstareal?

Gute Frage! Es ist eins der größten Kulturcluster in Europa und befindet sich in der Maxvorstadt – also mitten in München – mit einer Fläche von 500x500 Metern. Hier gibt es viele Institutionen, 18 Ausstellungshäuser und Museen, sehr viele Galerien, Kulturinstitute, wie beispielsweise das Amerikahaus, aber auch sechs Hochschulen und Kirchen.

Spannend. Was macht die Vernetzung aus den Kunst- und Wissenschaftsinstituten aus?

Sie ist wahnsinnig wichtig, denn wir verstehen uns nicht als reines Museumsviertel, vielmehr sind wir ein Zusammenschluss aus Kunst, Kultur und Wissen. Diese Interdisziplinarität finde ich nicht nur spannend, sondern auch wichtig, weil dadurch viel mehr entstehen kann.

Hier gibt es also einiges zu entdecken. Wem würden Sie denn das Kunstareal besonders empfehlen?

Natürlich allen, das ist klar! Nein, ganz im Ernst. Es gibt für fast jede*n etwas zu entdecken und das ist vielleicht auch eine Schwierigkeit. Für Kinder gibt es Angebote, allerdings auch für Senior*innen und Menschen, die sehr häufig ins Museum gehen und tiefer eintauchen wollen. Auch an den Hochschulen finden Abschlussaustellungen statt.

Wo würden Sie immer wieder hingehen an einem für Sie perfekten Kunstareal-Tag?

Tatsächlich würde ich im Staatlichen Museum für Ägyptische Kunst starten. Es ist ein Haus, das gar nicht jede*r kennt, außerdem ist es unterirdisch, das heißt, es könnte auch für alle Menschen interessant sein, die sich für Architektur interessieren. Ich war erst neulich wieder da mit meinen Kindern und die haben dann eine „Pharaonenjagd“ gemacht. Was viele nicht wissen: Dieses Museum beschäftigt sich nur mit ägyptischer Kunst. Dadurch ist der Aufenthalt dort zeitlich begrenzt – nicht, weil man sich langweilen würde, sondern, weil es eine gesunde Länge hat. Dann kann man sich danach noch etwas anderes angucken.

Wir verstehen uns nicht als reines Museumsviertel, vielmehr sind wir ein Zusammenschluss aus Kunst, Kultur und Wissen.

Wir sitzen am Karolinenplatz! Diesen Startpunkt haben Sie sich für unseren Spaziergang ausgesucht. Warum?

Tatsächlich wähle ich diesen Ort gerne aus, weil man hier die Räumlichkeit des Kunstareals gut begreifen kann: Wir schauen auf die Propyläen und stellen fest, dass sich dazwischen nur eine Ampel befindet. Das bedeutet, der Weg dorthin dauert nur rund drei Minuten. Währenddessen passiert man links das neu renovierte Amerikahaus, rechts das 2015 eröffnete NS-Dokumentationszentrum, links liegen dann das Zentralinstitut für Kunstgeschichte, das Abgussmuseum und die Graphische Sammlung, rechts die Musikhochschule. Einmal über die Straße und wir stehen auf dem Königsplatz, im Zentrum des Kunstareals. Auf der einen Seite haben wir hier die Antikensammlungen und auf der anderen die Glyptothek, die nach zweijähriger Renovierung nun wieder geöffnet hat und übrigens ganz toll geworden ist. Dann laufen wir über die Propyläen und sind am Lenbachhaus. Das ist eine ganz kurze Strecke, auf der wir bereits viel erleben, selbst wenn wir uns die Gebäude lediglich von Außen angucken.

Wenn wir in die andere Richtung gehen, passieren wir die Hochschule für Fernsehen und Film, die im selben Gebäude ist wie das Staatliche Museum für Ägyptische Kunst. Es ist Wahnsinn, was man hier sitzend schon alles erahnen kann.

Das Kunstareal ist Teil der Maxvorstadt – warum passt es so gut hierher?

Das Kunstareal ist historisch gewachsen und dabei spielt der Karolinenplatz eine wichtige Rolle: Der Punkt, der die Residenz mit dem Königsplatz und Schloss Nymphenburg verbindet. Deshalb passt das Areal hierher, weil es historisch bedingt ist. Aber was macht die Maxvorstadt aus und ist demnach auch so wichtig für das Kunstareal? Das habe ich tatsächlich während des ersten Corona-Lockdowns gemerkt. Ich bin hier durchgelaufen und dachte mir, dass irgendetwas nicht stimmt ...

... Geisterstadt!

Absolut. Es fehlten alle jungen Leute, weil die Hochschulen geschlossen waren. Diese Vielzahl an Studierenden, die jeden Tag die Straßen, Cafés und öffentlichen Plätze bevölkern, haben echt gefehlt. Das junge Durchschnittsalter macht die Maxvorstadt aus.

Wir nehmen Ende März 2021 auf und schauen demnach auf ein Jahr Pandemie zurück. Wie waren die letzten zwölf Monate aus Sicht des Kunstareals?

Wir mussten viel lernen, was Flexibilität und Anpassungsfähigkeit betrifft, aber das gilt natürlich für alle. Dadurch, dass das Kunstareal selbst keine Ausstellungen plant, waren wir von den Verschiebungen der einzelnen Ausstellungen nicht so sehr betroffen. Für uns war eher wichtig zu sagen: Das Kunstareal pulsiert trotzdem! Ich habe sehr schnell mitbekommen, wie die einzelnen Institutionen viel im digitalen Raum angeboten haben. Doch wer hat schon Lust, nach einem langen Tag im Home Office, sich durch die einzelnen Seiten und Angebote zu klicken? Deshalb boten wir die Möglichkeit an, auf www.kunstareal.de direkt sehen zu können, was alles angeboten wird. Es war toll zu sehen, wie schnell die einzelnen Häuser was auf die Beine gestellt haben. Dieser deep dive in die digitale Kommunikation hat unser letztes Jahr geprägt.

Wir verlassen den Karolinenplatz und laufen über den Außenbereich der Pinakothek der Moderne und vorbei am Designbuild-Projekt Pavillon 333. Dann holen wir uns in der Türkenstraße bei Bici Bavarese Kaffee und Kuchen und setzen uns an die Rückseite des Museum Brandhorst. Über die Theresienstraße geht es dann zu einem Lieblingsladen von Frau Schieferle, Kremer Pigmente, und dann zum Abschluss zur Hochschule für Fernsehen und Film.

Durch diesen Spaziergang sind wir auch an Kunst im öffentlichen Raum vorbeigekommen. Können Sie noch etwas zum Pavillon 333 sagen?

Der Pavillon hat eine Fläche von 100 Quadratmetern und befindet sich in der Nähe des Türkentors. Er ist letztes Jahr entstanden durch Studierende der Technischen Universität München zusammen mit dem Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne. In Zukunft gilt er als Vermittlungsraum.

Kunst ist so wichtig, weil sie uns zum Nachdenken bringt und Dinge, denen wir im Alltag begegnen, neu einordnen lässt. Und natürlich inspiriert sie uns auch.

Wird es gerne gesehen, dass hier im öffentlichen Raum so viel passiert?

Absolut. Das Kunstareal darf nicht als heiliger Ort gelten, es muss belebt sein und die Menschen können dafür sorgen, dass alles, was passiert, ein gewisses Tempo hat ... dass hier Kinder spielen, Volleyballfelder aufgebaut werden. Der öffentliche Raum sollte rund um die Uhr genutzt werden von ganz unterschiedlichen Menschen.

Reden wir mal über Ihre Arbeit. Haben Sie einen typischen Alltag?

Nein, den gibt es nicht und das ist das Gute und Spannende. Wir haben Projektphasen, dann arbeiten wir an bestimmten Dingen ganz intensiv, aber Alltag habe ich bislang nicht erlebt. Natürlich gibt es Dinge, die abgearbeitet werden, Telefonate und Anfragen oder einen Redaktionsplan, der gepflegt werden muss – aber oft ist es so, dass in dieser Kommunikation dann wieder neue Ideen entstehen, wodurch ein Tag nie vorhersehbar ist.

Eine sehr allgemein gefasste Frage, auf die Sie aber bestimmt persönlich antworten können: Warum ist die Kunst so wichtig?

Weil sie uns zum Nachdenken bringt und Dinge, denen wir im Alltag begegnen, neu einordnen lässt. Natürlich inspiriert sie uns auch. Ganz unabhängig davon ist Kunst in vielen Fällen schön fürs Auge, also auch der Punkt der Ästhetik ist meiner Meinung nach nicht unwichtig. Vor allem geht es darum, dass man etwas über sich selbst lernt. Das gilt wohl für alle Kunstformen, nicht nur für die bildende.

Wenn Sie sich alle Gemälde und Kunstwerke vorstellen, die es hier gibt – welches würden Sie mit nach Hause nehmen?

Ich würde mir nichts aus der Bildenden Kunst mitnehmen, sondern tatsächlich aus der Neuen Sammlung. Und zwar, weil ich mit den tollen Werken wohl gar nicht umgehen könnte. Sie gehören ins Museum, um gesehen zu werden, und nicht in eine private Wohnung. Im Designmuseum gibt es ein paar Objekte, die ich wahnsinnig gerne zu Hause hätte – und die wären dann auch in ständiger Benutzung.

Zum Abschluss mal ganz weg von der Kunst. Wo kehren Sie hier im Kunstareal gerne ein für einen guten Wein oder ein leckeres Essen?

In der Barerstraße gibt es das Naum, da hole ich mir gerne mein Mittagessen, meist eine leckere Bowl, die nicht so schwer im Magen liegt. Für den Abend kann ich das Vorhölzer Forum empfehlen, da hat man einen wunderbaren Blick über das Kunstareal. Außerdem gibt es eine schöne Weinbar, das „Von&Zu“ in der Luisenstraße, dort kann man in einer ganz unkomplizierten Art Wein oder Kaffee trinken. Auch in den jeweiligen Häusern gibt es natürlich tolle gastronomische Angebote.

Vielen Dank für die Tipps und den netten Spaziergang!

 

 

Text: Anika Landsteiner; Fotos: Frank Stolle

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