Der Karolinenplatz mit Obelisk von oben.

Karolinenplatz München

Kunst im Kreisverkehr

Wie kunstvoll gestaltet ein Kreisverkehr sein kann, zeigen der Gärtnerplatz, der Effnerplatz und auch der wunderschöne Karolinenplatz in der Maxvorstadt, wo zwischen bunten Blumen ein schwarzer Obelisk in den Münchner Himmel ragt. Er steht für eine ganz besondere Beziehung zwischen Bayern und Frankreich.

Der Karolinenplatz kommt im Vergleich zum Königsplatz oder Odeonsplatz unscheinbar daher – aber genau das macht seinen besonderen und unaufgeregten Charme aus. Auf einer kleinen Treppe unter dem Obelisken sonnen und entspannen sich zu jeder Jahreszeit die Menschen. Drumherum fahren Autos über den Kreisverkehr. Dazwischen blühen in einem riesigen Blumenrondell Tulpen, Lobelien und Begonien – in akkurat angelegten Streifen. Ordnung muss hier sein, denn alle paar Minuten wird es wild, wenn quietschend eine Tram ums Eck biegt und mitten über den Platz saust, wo Gras zwischen den Schienen wuchert. Die Straßenbahn bringt Einheimische und Gäste die Barer Straße entlang – je nach Wunsch ins Zentrum oder nach Schwabing.

Um das Jahr 1800 herum war München für die damals rund 40.000 Einwohner eng geworden. Kronprinz Max I. Joseph, der kurz darauf König wurde, beschloss, die Stadt zu vergrößern. Den neu gegründeten Stadtteil benannte er nach sich: Maxvorstadt. Dem Knotenpunkt dieses Viertels gab er den Namen seiner Frau, der Prinzessin Karoline von Baden: Karolinenplatz.

Dieser Platz erhielt als erster Platz in München die Form eines Strahlenplatzes, der an Paris erinnert. Die Barer Straße kreuzt den Karolinenplatz in Nord-Süd-Richtung. Nach Osten und Westen geht die prachtvolle Brienner Straße mit dem Odeonsplatz und dem Königsplatz ab. Eine weitere Sichtachse bildet die Max-Joseph-Straße zum Maximiliansplatz.

 

Obelisk am Karolinenplatz München

Mit der Gestaltung des neuen Platzes beauftragte der König den Architekten Karl von Fischer, der bereits den Englischen Garten entworfen hatte. Der weithin sichtbare Obelisk stammt von Leo von Klenze, ist 29 Meter hoch und trägt als Sinnbilder des römischen Kriegswesens Widderköpfe auf dem Sockel. Im Kern besteht er aus Backsteinen, außen ist er mit Bronzeplatten verkleidet, die sich im Lauf der Jahrzehnte dunkel färbten.

Der Obelisk wurde auf Wunsch von König Ludwig I. aufgestellt und erinnert an die 30.000 bayerischen Gefallenen des Russlandfeldzugs von Napoleon im Jahr 1812, bei dem Bayern auf Seiten Frankreichs stand. Die Brienner und die Barer Straße sind wiederum nach Schlachten der Befreiungskriege von 1813 bis 1815 gegen Napoleon benannt, nämlich nach der „Schlacht von Brienne“ und nach der „Schlacht von Bar-sur-Aube“. Innerhalb kürzester Zeit kämpften bayerische Truppen also einmal für und einmal gegen Frankreich. Beide Seiten dieser besonderen Beziehung finden sich hier am Karolinenplatz wieder.

Zwischen Karolinenplatz und Königsplatz waren zwischen 1930 und 1945 die Verwaltungsgebäude der NSDAP angesiedelt. Ihr Zentrum war das „Braune Haus“. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben die klassizistischen Bauten. 1945 wurde das Amerikahaus samt Bibliothek errichtet. Zu den schönsten und markantesten Gebäuden am Platz gehören die Börse München in der ehemaligen Hutschenreuther-Villa sowie das Prinz-Georg-Palais.

 

Im Podcast „Auf eine Runde mit...“ spricht unsere Autorin mit der Geschäftsstellenleiterin des Kunstareals, Laura Schieferle. Ausgangspunkt ist der Karolinenplatz.

Podcast-Folge hier anhören

 

 

Foto: Redline Enterprises
Ein Kirchenfenster in der Salvatorkirche in München

Münchens Kirchenfenster

Die schönsten Fenster der Stadt

Michael Mayer von der Mayer’schen Hofkunstanstalt stellt die spektakulärsten Kirchenfenster der Stadt vor.

Sie faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten: Michael Mayer von der Mayer’schen Hofkunstanstalt stellt die spektakulärsten Kirchenfenster der Stadt vor.

Das Denkmal für Max I. Joseph vor der Residenz

Königsdenkmäler in München

Vier Könige und ein Prinzregent

In München gibt es traumhafte Denkmäler zu bestaunen. Wo sie sind und was sie so besonders macht. 

In München gibt es zahlreiche traumhafte Denkmäler zu bestaunen. Wo sie sind und was sie so besonders macht: ein Überblick.

Die Gästeführerin Alvestad-Aschenbrenner steht im Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke München

König Ludwig I.

Als München zum „Isar-Athen“ wurde

König Ludwig I. baute München zu seinem „Isar-Athen“ um, viele Gebäude erinnern noch heute daran. Ein Rundgang.

König Ludwig I. baute München zu seinem „Isar-Athen“ um, viele Gebäude erinnern noch heute daran. Ein Rundgang mit Gästeführerin Reidun Alvestad-Aschenbrenner.

Junge Frau sitzt am Fenster in einer Tram in München.

Kolumne

Urlaub in der eigenen Stadt

Unsere Autorin war lange Zeit Reisebloggerin. Jetzt entdeckt sie ihre eigene Stadt.

Unsere Autorin war lange Zeit Reisebloggerin. Jetzt entdeckt sie zur Abwechslung mal ihre eigene Stadt.

Blick von innen auf eine Figur des Glockenspiels im Neuen Rathaus in München.

Neues Rathaus

Das Glockenspiel in zehn Bildern

Ein exklusiver Blick hinter die Kulissen.

Das Glockenspiel zieht seit über 100 Jahren Gäste und Einheimische in seinen Bann. Ein exklusiver Blick hinter die Kulissen.

Blick auf den Karlsplatz-Stachus von oben. Im Hintergrund die Altstadt mit den Türmen der Frauenkirche

Münchner Innenstadt

Klassisches und Kurioses

Zwischen Stachus und Marienplatz lassen sich eine Menge kurioser Geschichten erzählen. Ein Spaziergang.

Auf der rund einen Kilometer langen Strecke zwischen Karlsplatz und Marienplatz lassen sich eine Menge spannender Geschichten erzählen. Ein Spaziergang.

Der Weissenburger Platz in München, aus der Vogelperspektive mit einer Drohne aufgenommen.

Haidhausen und die Au

Ein Dorf mitten in der Stadt

Spaziert man durch die Gassen Haidhausens und der Au hat man fast das Gefühl, in einem Dorf zu ein.

Spaziert man durch die Gassen Haidhausens und der Au mit kleinen Geschäften und grünen Innenhöfen, hat man fast das Gefühl, in einem Dorf zu ein.

Die Akademie der bildenden Künste in München im Herbst.

Schwabing

Von Kunst und Literatur

Um 1900 waren es Kunst- und Literaturschaffende, die sich rund um Universität und Kunstakademie ansiedelten und den Geist Schwabings prägten.

In der Blütezeit der Schwabinger Bohème um 1900 waren es Kunst- und Kulturschaffende, die sich im Viertel ansiedelten und dessen Geist prägten.

Blick auf die Blumenbeete am Gärtnerplatz in München.

Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel

Wo die Nacht beginnt

Szenelokale, ruhige Hinterhöfe und kultige Läden machen den Charme von Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel aus.

Szenelokale, Kneipen, Cafés, ruhige Hinterhöfe und kultige Läden machen den Charme von Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel aus.