Kulinarik to go

Von Foodtrucks und anderen Standln

Wer in München hungrig bleibt, ist selbst schuld. Die kulinarische Vielfalt der Stadt zeigt sich nicht nur in der Sterne-Küche, sondern auch in den vielen neuen Imbissmöglichkeiten der einzelnen Viertel. Eine Auswahl.

Schwabing-West

 

Bussi’s Kiosk, Gunezrainerstraße 6

Altschwabinger trifft auf Bussi-Bussi-Schickse trifft auf Student – und jeder ist bedient. Im kleinen Kiosk am Englischen Garten trinkt man Kaffee oder Aperol Spritz, isst Nudelsalat oder selbst gemachte Florentiner und sitzt an weiß gedeckten Tischlein oder in Liegestühlen auf Sandstrand. Ab und zu trifft man auch auf Bräute: Frischvermählte vom Standesamt ums Eck geben hier gerne Sektempfänge.

 

Alles Wurscht, Nicolaiplatz 3

Im illustren Schwabing halten selbst Imbisse nichts vom „Pappadeckel“ – Pommes, Sauerkraut und die selbst ernannte „beste Currywurscht südlich des Weißwurschtäquators“ werden hier in der „Pappschale“ aus Porzellan serviert. Im kleinen Biergarten sitzt man im Sommer auf bunten Stühlen unter blühenden Magnolien und süffelt einen der Hauscocktails, zum Beispiel Schwabing Mule mit Gin.

Maxvorstadt

 

SuperDanke!, Türkenstraße 66

Manchmal braucht es nur ein wenig multivitaminreiche Flüssignahrung – um etwa den Brand von letzter Nacht zu löschen. Ganz billig sind die frisch gepressten Smoothies und Säfte vom Schwabinger Saftladen nicht – aber dieses gesunde Gefühl, das Johnny Kale, Popeye Punch und King Louie uns verleihen, ist unbezahlbar. Die Saftbecher sind übrigens auch bio: aus Maisstärke. Super! Danke!

 

Orangebox, Türkenstraße 61

Auf Netflix ist „Orange the new Black“ – in Münchens Maxvorstadt ist Orange der Ort, wo man gemischte Salate, geröstete Fladenbrote und gegrillte Sandwiches in Boxen packt. Wer auch auf den Macha-Schoko-Bananen-Kuchen nicht verzichten will – Boxen lassen sich hoch stapeln.

 

Pommes Boutique, Amalienstraße 46

Die Belgier rösten ihre „Dicken Freunde“ zweimal, und deswegen muss man nicht zweimal überlegen, bevor man sich eine Tüte belgische Pommes holt und an der Zapfstation einen von 20 Dips zapft – vom klassischen „rot-weiß“ bis zum Samurai-Dip extra scharf. Wer doch zweimal überlegt: Es gibt auch unfrittierte Rohkoststicks mit Sourcream.

Altstadt-Lehel

 

Pferdemetzgerei Wörle, Viktualienmarkt 3

„Genier dich nicht, tritt ruhig ein; das Pferd ist reiner als das Schwein“ steht an der Ladentür von Kaspar Wörle. Jedermanns Sache ist Pferdefleisch sicher nicht, und dennoch: Die heißen Rossknackwürste schmecken einfach saugut! Das findet auch die Münchner Prominenz.

 

Ida’s Milchladen, Kreuzstraße 23

Hinein kommt man nicht so leicht durch die blaue Metalltür – der familienbetriebene Laden am Sendlinger Tor ist winzig, und mittags stehen Schulranzen- wie Anzugträger an der Theke Schlange. Zum Glück ist mehr als genug für alle da: In der Auslage türmen sich Fleisch- und Grünkernpflanzerl, frische Salate, Wraps, Miniquiches, Pasta, Nachspeisen und Kuchen.

 

Milch-Häusl, Königinstraße 6

Nach dem Zweiten Weltkrieg bekamen hungernde Schwabinger hier Milch und Brot ausgegeben – inzwischen werden leere Bäuche mit 100-Prozent-Bio-Fast-Food versorgt: süße Zuzler (Weißwürste), fette Resi (Bioleberkässemmel), rote Wolpi (Biobratwürste) und WinterÄxel (Mohnpunsch). Zur Bestellung gibt’s ein Ökogummibärchen, für Trinkgeldgeber läutet die Glocke.

 

Fräulein Grüneis, Lerchenfeldstraße 1a

Das grün-weiße Imbisshäuschen nahe der Eisbachwelle hat so gar nichts mehr mit dem ehemaligen Klohäuschen für Damen gemein. Runtergespült wird hier nichts mehr – vielmehr genossen: Milchreis und Müsli zum Frühstück, selbst gemachte Kuchen, Biolimonade, saftige Brownies und Pausenbrote.

Ludwigvorstadt

 

Speis’ Girls, Kapuzinerstraße 45

Nicht Ginger und Posh Spice schneiden hier die Scheiben vom Leberkäs, sondern die Schwestern Moni und Rosi. Bei Brotzeiteiern mit Gesichtern, Pflanzerln und frisch gebackenen Brezn greifen nicht nur Postboten, Handwerker und Studenten gerne zu.

 

Make Falafel Not War, Kapuzinerstraße 2

Falafel für den Frieden – was wäre das schön. In Syrien wurde Salah Nchasis Falafelstand von der Polizei zerstört, das Familienrezept für seinen Kichererbsenteig mit Kreuzkümmel, Nelken, Chilis, Koriander, Kümmel und Piment hat er mit nach München gerettet. Dazu gibt es Nahost-Klassiker wie Hummus, Taboulé und Babaghanousch.

 

Brot & Zeit, Goethestraße 36

Lange hat die Sandwichmacherei in Hauptbahnhofnähe nicht auf, dafür ist täglich alles umso frischer: Marktsalate, Milchreis, Gazpacho und belegte Sandwiches in ständig neuen Varianten: Pulled-Pork-Kraut, Antipasti-Bresaola, Peppadew-Frischkäse. Oder aber: stinknormale Wurst- und Käsesemmeln.

Isarvorstadt

 

Lezizel Manti, Corneliusstraße 6

In vier Schritten zur „Speise der Sultane“: Man wähle sein Manti (türkische Teigtaschen mit Rind oder vegan), kröne sie mit Soße (Tomate, Joghurt), Toppings (Spinat, Mangochutney, Trüffelcreme, Walnüsse etc.) und sorge für passendes Geleit (Karottensalat, Minztee, Baklava). Königlich.

 

Gute Nacht Wurst, Klenzestraße 32

Je später die Wurst, desto besser die Party – oder so ähnlich. Die Gute-Nacht-Currywurst ist ein ebenso gutes Frustessen. Je nachdem, was es zu verdauen gibt, bestimmt man den Schärfegrad der Soße selbst. Wer’s unbedingt wissen will, nimmt für 10 Euro am Schärfe-Contest teil und malträtiert den Saumagen für 100 Euro Prämie. Bei Stufe „Exitus“ (2 Mio. Scoville) ist Schluss mit wurstig.

 

Bazi’s Schlemmerkucherl, Müllerstraße 43

Völlig Wurscht, dass bei Bazi’s kein waschechter Bayer, sondern ein Perser und ein Türke den Krustenschweinebraten mit Blaukraut und Miniknödeln in die Bazi-Box stecken. An bayerisches Fast Food wie Entengröstl im Maisfladen hätte sich ein grantiger Urbayer eh nie rangetraut.

Au-Haidhausen

 

Fisch Häusl, Markt am Wiener Platz

Noch etwas Algen auf die Fischsuppe? Unbedingt! Die Stehtische der kleinen Marktbude am Wiener Platz sind mittags rappelvoll. Falls man einen Platz erwischt: Ein Glas Weißburgunder ergänzt gegrillten Tintenfisch, Oktopussalat, Matjes- und Heringssemmel aufs Feinste.

 

Pizzesco, Rosenheimer Straße 12

Beim kleinen Italiener gehen die Pizza-Rechtecke am laufenden Meter vom Blech, um den regen Straßenverkauf nicht zu stauen. Klassiker wie Prosciutto e Funghi, Salami, aber auch Kartoffel-Trüffel knuspert man draußen an Tischen in Grün-Weiß-Rot. Die Pizzen gibt es auch gluten- und laktosefrei.

 

Henry hat Hunger, Zeppelinstraße 27

Das Angebot an Imbissen ist recht mau in der Au – wie gut, dass Henry und sein leerer Magen sich hierher verirrt haben. Wo sollten wir uns zwischen Mariahilfplatz und Isar sonst mit Tramezzini, Panini und dick belegten Sandwiches eindecken. Hunger!

 

Türkitch, Humboldtstraße 20

Da machen sogar eingefleischte Fleischfresser gerne mal auf Vegetarier – zu gut sind hier Antipasti-Burger, Halloumi-Dürüm und Falafelsandwich. Der Begriff „Special Sauce“ verliert endlich sein anrüchiges Image, der klassische Kebap ist mit frischer Minze statt dem Fremdkörper Blaukraut belegt. Nur: Don’t call it Dönerbude!

Foodtrucks

„To go“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung – bevor man in den Genuss der Münchner Foodtruck-Schmankerl kommt, muss man den Küchen auf Rädern erst einmal hinterherlaufen. Es lohnt sich!

 

Grillin’ me softly – U.S.-Burger cruisen durch München

Isardogs – Gourmet-Hotdogs statt arme Würstchen

Die intolerante Isi: einer für alleLebensmittelaversionen (weizenfrei, glutenfrei, milchfrei, fruktosearm, vegan)

Curry O City – scharfe Currys aus dem heißen Lehmofen

Was Gscheidz! – Vegan kommt angefahrn

MioMio – Calzone von hier

 

 

Text: Nansen & Piccard; Fotos: Frank Stolle