Traditions-Schausteller

Die schönsten Wiesn-Geschichten

Die besten Wiesn-Geschichten erzählen von Freundschaft und Liebe, Rausch und Hilfsbereitschaft und zeigen, welche prägenden Momente das Oktoberfest im Leben vieler Einheimischer und Touristen hinterlassen hat. Drei bekannte Schausteller erinnern sich an ihre schönsten Wiesn-Erlebnisse.

Claus Rudolf Konrad, 52, Toboggan

Heuer ist der Toboggan seit genau 100 Jahren im Besitz unserer Familie. Meine Großeltern haben ihn 1920 gekauft, wahrscheinlich haben sie ihn aus Nordamerika mitgebracht, wo es die ersten Turmrutschen gab. Der Name „Toboggan“ stammt auf jeden Fall von dort, so nennen die kanadischen Algonkin-Indianer einen leichten Holzschlitten ohne Kufen. Wobei man am Toboggan ja auf Matten rutscht – im Grunde sind das nur Fußabstreifer.

Damals hieß unser Turm noch „Trottoir Roil- and Canadian Elektro-Toboggan – H. Konrad“, war zehn Meter höher und hatte zwei Rutschbahnen. Später wurde eine Rutsche entfernt und der Turm verkürzt, um das Fahrgeschäft leichter auf- und abbauen zu können. Mit ihm sind die Großeltern viele Jahre durch Deutschland, Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien gereist, 1933 stand er zum ersten Mal auf dem Oktoberfest in München. Ich lag schon als Baby in unserem Holzschindelwohnwagen mit den Vollgummirädern neben dem Toboggan und hab geholfen, sobald ich stehen konnte.

„Ich lag schon als Baby in unserem Holzschindelwohnwagen mit den Vollgummirädern neben dem Toboggan und hab geholfen, sobald ich stehen konnte.“
Claus Rudolf Konrad

Der Toboggan ist sehr alt, die Instandhaltung und der Betrieb sind aufwendig. Da steckt so viel Zeit und Geduld und Herz drin. Es dauert zwei Wochen, den Toboggan aufzubauen. Wie Affen klettern wir da rum. Das ist alles Handarbeit, jede Schraube wird nachgezogen, jede Glühbirne poliert, der kleine 7,5-PS-Motor geölt. Während wir gerade mal die Sohle, also das Fundament, gelegt haben, klappen die neuen Fahrgeschäfte mittels Hydraulik alles auf, (fast) fertig.

Im Betrieb brauchen wir dann bis zu zwölf geschulte Mitarbeiter, damit alles reibungslos und sicher abläuft. Der Toboggan ist ein Arbeitshaus, so etwas legt sich heute keiner mehr zu. Es standen mal drei Turmrutschen gleichzeitig auf der Wiesn. Die vorletzte hat vor vier Jahren ihre Reise beendet. Meine Familie hat 1959 beschlossen, den Toboggan nur noch einmal im Jahr auf dem Oktoberfest aufzubauen. Ganz aufhören wollen wir aber nicht. Uns ist wichtig, diese Tradition zu bewahren, die so viele Leute glücklich macht.

Seit 2012 bin ich der Chef vom Turm. Ich bin froh, dass meine Söhne auch Lust darauf haben. Andere peppen ihr Auto auf, ich hege und pflege den Turm. Für mich ist der Toboggan Berufung und Hobby zugleich. Einen Hauptberuf neben der Schaustellerei haben die Konrads aber seit jeher. Mein Großvater war Konditormeister, mein Vater Rudolf Kinobetreiber in Schongau, ich bin Bundeswehrsoldat in Lechfeld bei Augsburg.

Für die Wiesn nehme ich mir jedes Jahr meine gesamten sechs Wochen Urlaub. In diesem Jahr wären wir seit 87 Jahren mit dabei. Plötzlich habe ich sehr viel Zeit übrig. Die nutze ich jetzt, um unsere zwei Crêpe- und Waffelstände neu zu streichen. Auf der Wiesn stehen die aber nicht, da ist München ja streng mit den Kriterien. Entweder betreiben waschechte Münchner ein Fahrgeschäft oder es muss etwas ganz Besonderes sein. So wie unser Toboggan aus dem Schwabenland.

„In den Siebzigern ist unser prominentester Gast mitgefahren, die britische Prinzessin Anne. Mit Hilfestellung. Das wäre ja eine Tragödie gewesen, wenn es ihr das Kleid gelupft hätte.“
Claus Rudolf Konrad

Die Turmrutsche war schon immer ein Publikumsmagnet, und das Publikum hat sich schon immer geteilt in die Leute, die sich trauen, auf dem Förderband nach oben zur Volksbelustigung beizutragen – und die, die nur zuschauen und behaupten, sie könnten’s besser. Ich hab’ schon so oft den Trick verraten, wie man’s übers Laufband schafft, ohne sich zu blamieren: Schwung mitnehmen, nach vorne beugen und vor allem nicht am Geländer festhalten – der Handlauf bewegt sich nicht wie bei einer Rolltreppe mit.

Die Leute zerbröselt’s natürlich trotzdem reihenweise, und wir räumen hinter ihnen auf. Jugendliche halten sich meistens besser, die denken nicht so viel. Kinder und Frauen werden grundsätzlich von unseren Läufern nach oben geleitet – außer sie wollen es alleine probieren. Dann sollten sie aber keinen Rock anhaben.

In den Siebzigern ist unser prominentester Gast mitgefahren, die britische Prinzessin Anne. Mit Hilfestellung. Das wäre ja eine Tragödie gewesen, wenn es ihr das Kleid gelupft hätte. Prominenz haben wir jede Menge. Die schaffen es aber alle leider immer viel zu gut rauf. Eine unserer Lieblingsanekdoten ist die einer großen Gruppe volltrunkener Schotten. Die hat’s dermaßen zerlegt und die Röcke ihrer Kilts gelüftet – ob das jetzt schön ist, was wir da gesehen haben, sei dahingestellt, aber wir wissen jetzt, dass die echten Schotten unter ihrem Rock tatsächlich nichts anhaben.

Freilich ist es schön, wenn sich das G’schäft auch finanziell lohnt, aber wir drücken gern und oft alle Augen zu. Wir wollen vor allem einfach Freude verbreiten, deshalb unterstützen wir diverse Projekte, Kinder aus sozial schwachen Familien, Schulklassen, Geburtstagskinder, Rentner – die alle jubeln umsonst durch den Toboggan. Für unsere vielen Stammkunden haben wir Treuekarten, die auch über mehrere Jahre gültig sind.

„Ich hab’ schon so oft den Trick verraten, wie man’s übers Laufband schafft, ohne sich zu blamieren: Schwung mitnehmen, nach vorne beugen und vor allem nicht am Geländer festhalten – der Handlauf bewegt sich nicht wie bei einer Rolltreppe mit.“
Claus Rudolf Konrad

Genauso treu wie unsere Fahrgäste sind unsere Mitarbeiter. Gute, fleißige Leute, vor denen ich großen Respekt habe. Anfangen tut hier jeder als Teppichträger im roten Hemd, ehe er als Läufer im gelben Hemd quasi Personenschutz auf dem Förderband gibt. Unter den Teppichträgern gibt es einen internen Wettbewerb, wer am meisten Rutschmatten nach oben tragen kann, und sie stechen sich permanent gegenseitig aus.

Rekordhalter ist Christoph mit 45 Matten. Ich schau dem Treiben gern zu, inzwischen auch mal von außen. Bis vor sieben Jahren war ich nie in einem Bierzelt. Das Recht nehme ich mir jetzt raus im Alter. Ich bin aber keiner dieser Bierkenner, mir ist des wurscht, in welchem Zelt ich hocke. Bier ist Bier.

 

Elisabeth Polaczy, 74, Teufelsrad

Des wissen Sie jetzt nimmer, aber ich war von 1966 bis 1972 das Münchner Kindl vom Oktoberfest. Meine ganze Familie ist mit der Wiesn immer eng verbunden gewesen, wir waren jedes Jahr dort. Früher hat man noch seine eigene Brotzeit zum Fest mitgebracht, an Kas und Brez’n. Meine drei Geschwister und ich sind immer im Teufelsrad mitgefahren. Ich war richtig guad da drauf, mein Bruder auch, der ist aber auch zwei Jahre jünger. Die Betty Feldl hab’ ich noch miterlebt. Die hat das Gschäft nach dem Tod von ihrem Mann Rudolf 1970 bis zu ihrem eignen Tod allein geführt. Meine Schwester Vroni und mein Schwager haben sich mit der Frau Feldl befreundet und das Teufelsrad 2002 geerbt. Als die Vroni zwei Jahre später gestorben ist, hab’ ich das Teufelsrad übernommen.

„Des wissen Sie jetzt nimmer, aber ich war von 1966 bis 1972 das Münchner Kindl vom Oktoberfest.“
Elisabeth Polaczy

Der Rudolf Feldl hatte das Rad Ende der 40er-Jahre vom Carl Gabriel erworben. Der Gabriel war eine Schaustellerlegende, der hatte auch das Hippodrom und diverse Menschen- und Exotenschauen, des magst du dir heut’ gar nicht mehr vorstellen. Als der das Teufelsrad 1908 zum ersten Mal auf der Wiesn aufgestellt hat, musste er bald um ein paar rotierende Scheiben aufstocken, so beliebt war es.

Heute gibt es neben den ganzen neuen Fahrgeschäften nur noch das Original, und das hat auch einen Grund: den Rekommandeur, der jede Fahrt mit derben und komischen Sprüchen begleitet. Den hat damals der Feldl eingeführt und damit bis heute einen Nerv getroffen. In unsrer Familie sind mein Neffe Ludwig, der Wiggerl, und mein Bruder Franz die Rekommandeure.

Der Franz hat mal gsagt: „Bled daherg’redt hab’ ich ja scho immer, jetzt werd’ i auch noch dafür bezahlt.“ Die gscherten Kommentare muss man vertragen, aber genau wegen der Gaudi und der Schadenfreude kommen die Leut’ eben auch. Wir sind ganz klar das günstigste Fahrgeschäft mit der längsten Gaudi. Du zahlst vier Euro und kannst so lange bleiben, wie du magst. Manche stehen vier, fünf Stunden da und schauen zu.

„Das Schöne ist, dass jede Fahrt im Teufelsrad anders ist. Es gibt reine Damen- und Herrenfahrten, Fahrten für Kinder, einige boxen sich zum Spaß, tanzen Hula-Hoop und sogar eine Musikband stand schon auf der Drehscheibe.“
Elisabeth Polaczy

Wir haben eine große Stammkundschaft. Es gibt Alte, die schon als Kinder auf dem Teufelsrad waren und jetzt mit ihren Enkeln und Urenkeln kommen. Die Wiesn-Polizei besucht uns mehrmals am Tag und seit ein paar Jahren auch der OB, der Dieter Reiter. Der hockt sich dann in die Mitte von den Beamten, da, wo man am längsten Umdrehungen aushält. Nur letztes Jahr hat ihn ein Polizist rausgedruckt, weil er meinte: „Der kann ja nicht immer gewinnen.“

Das Schöne ist, dass jede Fahrt im Teufelsrad anders ist. Es gibt reine Damen- und Herrenfahrten, Fahrten für Kinder, einige boxen sich zum Spaß, tanzen Hula-Hoop und sogar eine Musikband stand schon auf der Drehscheibe. Wir hatten auch mal eine über 100-Jährige bei uns, die sich das zugetraut hat, die ist dann zusammen mit dem Wiggerl gefahren und kam die nächsten zwei, drei Jahre immer wieder.

Sich da oben zu halten, ist schwerer als es ausschaut, vor allem, wenn meine Leut’ anfangen, dich mit Seilen und einem Ball vom Rad zu holen. Viele scheuern sich immer wieder an der Platte oder an den Seilen auf. Da gibt’s von uns ein Pflaster drauf und am nächsten Tag sind sie wieder da. Ich weiß ned, vielleicht sind sie masochistisch veranlagt. Barfuß antreten ist immer guad und speckige Lederhosn, weil die ned so rutschen.

Den Rekord hält immer noch die Laura. Des Madl is wahnsinnig gelenkig, die hat sich die Seile und dann den Ball einfach gecatcht und nimmer hergegeben. Über neun Minuten hat sie es ausgehalten, bisher hat’s keiner annähernd so lange geschafft. Sie ist die Tochter einer Schausteller-Familie mit einer Mandelbude auf der Wiesn.

Die Schaustellerkinder sind immer die ersten auf dem Teufelsrad. Die kommen gleich nach der Schule und wir müssen sie zum Abendessen heimzwingen. Bei uns bekommen sie aber auch immer was zum Trinken und reichlich Kuchen. Ich sag’s eahna, meine Schwester bäckt am Tag sechs bis sieben Blech Kuchen: Datschi, Apfelkuchen, Kokoskuchen … damit versorgen wir Freunde, Kollegen, die Leut’ vom Trachtenumzug, und jeder kann mal durchschnaufen. Im Teufelsrad haben wir ein Eröffnungslied, das geht: „Kommt zu uns ins Teufelsradl, alle Buam und alle Madl“. Und so ist es. Wir sind eine große Familie.

 

Otto Barth, 54, Olympia Looping

Die Geschichte unserer Olympia-Bahn könnte man gut verfilmen. Das war ein Wettrennen, Looping um Looping. In meiner Familie sind wir schon seit fünf Generationen Schausteller. Wir betreiben bis heute Autoscooter, Wilde Mäuse, Imbisswägen und Karussells auf verschiedenen Volksfesten. Mein Vater Rudolf war der Erste, der sich an Achterbahnen rangetraut hat. Das ist nicht ohne, denn je mehr Kurven eine Bahn hat und je steiler sie wird, desto komplizierter und aufwendiger wird die Statik, und das kostet natürlich. Vor großen Investitionen hat sich in unserer Familie aber nie einer gescheut. Wir glauben an unser Gewerbe, auch wenn’s nicht leichter wird.

„Beim Auf- und Abbau habe ich immer mit angepackt, auch als kleiner Bub, was die dünnen Ärmchen halt hergaben.“
Otto Barth

Die erste eigene Achterbahn hat mein Vater 1970 in Betrieb genommen, damals noch ohne Looping. „Super Jet“ hieß sie. Die Konkurrenz hat aber auch nicht gepennt: Drei Jahre später hat ein anderer die erste mobile Achterbahn präsentiert. Sie hieß „Looping Star“, und wie’s der Name schon sagt, machte sie einen Überschlag.

Mein Vater war sehr ehrgeizig, das konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Er hat sofort mitgehalten und um eine Umdrehung erhöht. Die Weltpremiere fand 1979 in Bonn, die Premiere vom Doppellooping auf dem Münchner Oktoberfest 1980 statt. Die Leute waren begeistert. Ich war damals 13 und durfte mit meinen Freunden umsonst so lange fahren, bis uns der Kopf schwindelig war.

Beim Auf- und Abbau habe ich immer mit angepackt, auch als kleiner Bub, was die dünnen Ärmchen halt hergaben. Sonst hat mein Vater aber mit Argusaugen drauf geachtet, dass ich und meine zwei älteren Brüder nicht auf dem Gerüst herumkraxeln.

1984 hat mein Vater mit einem Dreierlooping vorgelegt, die Konkurrenz zog mit dem Viererlooping „Thriller“ nach … tja, und dann hat mein Vater eben noch mal einen draufgesetzt. Dafür hat er sogar ein eigenes Ingenieurbüro gegründet und den bekannten Achterbahnkonstrukteur Werner Stengel für die Statik engagiert.

Riskant war es trotzdem. Schon vier Überschläge sind eine statische Meisterleistung. Mehr als fünf kannst du einer Achterbahn nicht verpassen, das lohnt sich vom Aufwand einfach nicht mehr. Vier Jahre haben sie daran herumgebastelt. Ich war in der Fabrik in Peißenberg dabei, habe Schienen lackiert und saß bei der ersten Probefahrt ganz vorne in der Bahn, um die Strecke zu sehen; zu sehen, was wir da gemeinsam aufgestellt haben.

Video: einfach Oktoberfest

1989 wurde die Olympia-Bahn auf dem Oktoberfest eingeweiht und ist seitdem jedes Jahr mit dabei. Der Name stand schnell fest: München war seit 1972 Olympiastadt, und unsere Bahn hatte die passenden fünf Ringe. Das gab dann aber noch Ärger mit dem Olympischen Komitee, weil wir den Namen rechtlich nicht mit ihnen abgesprochen hatten. Zum Glück mussten wir die 50.0000 Mark Lizenzgebühren hinterher nicht zahlen, weil unsere fünf Ringe nicht wie beim Olympia-Logo ineinander verschlungen sind, sondern versetzt stehen. Damals bekam mein Vater seinen Spitznamen „Herr der Ringe“.

Bei den Leuten kam die Bahn von Anfang an gut an. Es amüsiert mich, die Fahrgäste zu beobachten. Viele haben die ganze Wartezeit über Angst und bekommen von ihren Freunden gut zugeredet. Dabei dauert die Fahrt gerade mal zwei Minuten, und passieren kann rein gar nichts. In den Kurven kommt man zwar immer noch auf 70 Stundenkilometer, aber rausfliegen kann da wirklich keiner.

„Es fahren alle möglichen Leute mit, von Kindern, die gerade die Mindestgröße von 1,40 Metern erreicht haben und ganz stolz ihre Angst überwinden, bis zu 70-Jährigen, die schon vor 30 Jahren, also von Anfang an dabei waren.“
Otto Barth

Die Bremsanlage ist außerdem vollautomatisch, sollte der Strom mal ausfallen, was noch nie passiert ist. Was allerdings mal passiert ist – wir haben ein Gebiss gefunden. Die Leute sollen vor dem Einsteigen alles an sich niet- und nagelfest machen, aber den Mund kann ja keiner halten.

Es fahren alle möglichen Leute mit, von Kindern, die gerade die Mindestgröße von 1,40 Metern erreicht haben und ganz stolz ihre Angst überwinden, bis zu 70-Jährigen, die schon vor 30 Jahren, also von Anfang an dabei waren. Der zweite Bürgermeister von München, der Seppi Schmid, war lange Stammgast, der kam jeden zweiten Tag, vor oder nach dem Bierzelt, um Looping zu fahren, wahrscheinlich, um den Kopf von der ganzen Politik freizubekommen.

In München ist die Promidichte ein bisschen höher. An den Franz Beckenbauer kann ich mich erinnern und damals 2006 an Paris Hilton mit ihrem ganzen Trupp. Aber Selfies mit den Leuten? Mach ich nicht, brauch ich nicht. Ich versteh mich als Dienstleister und will den Leuten ihr Erlebnis lassen.

Die Zeit zum Autogrammjagen hab ich eh nicht. Es gibt immer viel zu tun. Unser Fünferlooping ist die größte Bahn, die man in ihre Einzelteile zerlegen und herumtransportieren kann. In den letzten 30 Jahren waren wir außer in München auf dem Sommerdom in Hamburg, auf der Kirmes in Düsseldorf, immer wieder in Berlin, auch im europäischen Ausland: Bordeaux, Rotterdam, im Wiener Wurstelprater und beim Winter Wonderland im Hyde Park London.

„In München ist die Promidichte ein bisschen höher. An den Franz Beckenbauer kann ich mich erinnern und damals 2006 an Paris Hilton mit ihrem ganzen Trupp. Aber Selfies mit den Leuten? Mach ich nicht, brauch ich nicht.“
Otto Barth

Früher waren wir noch häufiger auf kleineren Volksfesten, inzwischen rentiert sich das leider nicht mehr. Bei so einem gewaltigen Gerät ist der finanzielle und zeitliche Aufwand genauso gewaltig. Da müssen mit der Bahn 50 Waggons mit 20 Großraumcontainern anrücken, und es braucht sieben Tage, zehn gute Monteure und einen Kran, um die 900 Tonnen Stahlträger, Stahlböcke, Schienen, Schrauben und Bolzen an die richtigen Stellen zu setzen. Das ist Präzisionsarbeit.

Fürs Oktoberfest braucht es von allem sogar noch ein bisschen mehr. Normalerweise bestehen die Züge aus jeweils fünf Waggons, aber auf der Wiesn sind es sieben, sonst könnten wir die Massen an Menschen nicht fassen, und es soll sich ja jeder wenigstens eine Runde lang laut kreischend überschlagen dürfen. Das Ende einer Fahrt ist für mich am schönsten, wenn die Leute lachend und grölend vor Freude und Erleichterung aussteigen. Und dann noch mal fahren wollen.

 

 

Protokolle: Nansen & Piccard; Fotos: Bernd Römmelt, Sigi Müller, Werner Böhm