„Auf eine Runde mit ...“

Ein Spaziergang durch Haidhausen: Max Wagner

Bunt, traditionell, vielfältig – das sind die Münchner Stadtviertel. „Auf eine Runde mit ...“ bietet ganz persönliche Einblicke durch die Linsen der Menschen, die hier leben und ihre Viertel am besten kennen. Diesmal: Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner zeigt uns sein Haidhausen.

Mit Max Wagner, dem Geschäftsführer des Gasteig, schlendere ich diesmal durch Haidhausen. Das ehemalige Arbeiterviertel versprüht heute Charme aufgrund der liebevoll restaurierten Herbergshäuser. Außerdem steht es für sein Zusammengehörigkeitsgefühl, was sich beispielsweise in der Organisation der Hinterhofflohmärkte zeigt. Spannend sind auch das Franzosenviertel, ein paar Plätze, die noch nicht jeder kennt und natürlich der Gasteig, Europas größtes Kulturzentrum seit 1985. Mit Max Wagner spreche ich über die bevorstehende Sanierung des Gebäudes, das Interims-Quartier in Sendling, aber auch über seinen Lieblingsort im Viertel, die Faszination für die Isar sowie seine privaten Liederabende. Auf eine Runde mit Max Wagner!

 

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Wir sitzen in der Konditorei Wölfl. Die Hälfte unserer Runde ist bereits geschafft – was mögen Sie besonders an diesem Spaziergang?

Diese Runde ist wie mein Schulweg (lacht). Jeden Morgen gehe ich zum Gasteig und dann zurück. Das Schönste daran ist, jeden Morgen den Fluss zu überqueren und dabei die Isar wahrzunehmen, die jeden Tag anders ist. Ein Wildfluss, mal dunkelgrün, mal hellgrün oder auch mal weit über die Ufer getreten. In diesen Isarauen kann man auch einen kleinen Abstecher machen über den Steg, der den Auer Mühlbach von der Isar trennt – oder gleich Richtung Gasteig gehen, vorbei am Muffatwerk mit seinem Biergarten.

Das Müllersche Volksbad direkt daneben …

Ja, meiner Meinung nach ist das ein Juwel des Jugendstils, dessen Bad und Sauna man immer noch nutzen kann. Wie Sie sehen, auf diesem Weg gibt es viel zu entdecken. An jedem Tag fällt mein Blick auf etwas anderes.

Das hört sich fantastisch an. Und nun zurück zum Café Wölfl. Was macht diese Konditorei so besonders?

Sie ist einer meiner Lieblingsorte in ganz München! Ich liebe Kuchen und hier gibt es unterschiedlichste Arten von Torten. Für mich ist es ein Rückzugsort.

Wir haben drei große Stück Kuchen hier stehen, ich nehme mir jetzt mal ein Stück …

… ich glaube, meiner ist besser als Ihrer.

Teilen Sie gerne oder eher nicht, wenn ihr Stück Kuchen tatsächlich das bessere ist?

Das ist immer unterschiedlich, man wird ja auch so erzogen, dass man gerne teilt. Aber ich bin schon jemand, der schnell feststellt, dass das eigene Stück größer ist als das andere. (lacht)

Sind Sie auf dieses Café gestoßen, weil es in unmittelbarer Nähe zum Gasteig liegt?

Ja, so ist es mir ins Auge gefallen. Bei meinem Einstand habe ich überlegt, was ich mit meinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unternehmen könnte und dann fiel meine Wahl auf Kaffee und Kuchen. Das war dann gleich Liebe auf den ersten Blick.

Wem würden Sie denn unseren kleinen Spaziergang empfehlen?

Allen, die schon die großen Highlights kennen, aber das Besondere von München entdecken wollen … sehen möchten, wie die Leute hier leben. Alles, was wir gesehen haben in Verbindung mit der Isar ist wirklich besonders. Wer München besser kennenlernt, wird feststellen, dass dieser Fluss eine große emotionale Rolle für alle spielt. 

Ich frage immer ganz gerne, was es nur in diesem bestimmten Viertel gibt. Ist der Weg über den Kabelsteg in die Isarauen das für Sie?

Ja. Das Besondere an München sind ja die vielen Bäche – und nicht nur der bekannte Eisbach, sondern eben auch der Auer Mühlbach. Manche sieht man heute gar nicht mehr, aber das Wasser ist präsent und ich glaube, dass das Gefühl von „im Fluss sein” ein Teil der Stadt ist.

Wir sitzen noch eine Weile und als die Konditorei schließt, laufen wir durch Haidhausen in Richtung Weißenburger Platz.

Das Café Noel hier am Weißenburger Platz möchte ich Ihnen gerne empfehlen. Vor allem die Mittagsgerichte! Alle sind sehr lecker und mit viel Liebe zubereitet.

Und was mögen Sie an dem Platz an sich?

Der ist so verwunschen. Er ist ja nicht allzu bekannt, aber man findet dort einen wunderschönen Brunnen und viele Bänke. Im Winter findet dort auch ein toller Christkindlmarkt statt. Dann hängen ganz viele Lichter in den Bäumen, Weihnachten pur!

Bevor es zurück zum Kulturzentrum geht, statten wir der „Buchhandlung am Gasteig“ einen kurzen Besuch ab – denn für Max Wagner beginnt wenige Tage später ein wohl verdienter Urlaub und dafür fehlt ihm noch die passende Lektüre. Die Wahl fällt auf ein Werk von Oskar Maria Graf, einem seiner Lieblingsautoren. Danach fahren wir im Gasteig bis ganz nach oben...

... und nun befinden wir uns auf dem Dach, das öffentlich noch gar nicht zugänglich ist!

Genau. Ich glaube, diese Dachterrasse wird eine der großen Touristenattraktionen, wenn in fünf bis sechs Jahren alles fertig sein wird. Sie bekommen nun einen Vorgeschmack darauf, denn wir stehen auf dem Flachdach der Philharmonie. Das Tolle ist, dass man den richtigen Abstand zu allem hat: Man sieht viele Sehenswürdigkeiten sehr gut, aber den Weitblick in die Berge gibt es natürlich auch.

Eine Frage zu Ihrem nun doch sehr vollen Terminkalender: Womit beschäftigen Sie sich derzeit am meisten?

Mit der Sanierung des Gasteig und damit einher geht auch der Bau des Interimsquartier in Sendling. Dort werden wir alle hinziehen: Musikhochschule, Bibliothek, Volkshochschule und Philharmonie. Der Gasteig wird in einem guten Jahr (Stand September 2020) geschlossen.

In der Zwischenzeit des Interims-Quartiers wird dann hier ganz viel passieren. Können Sie, abgesehen von der Dachterrasse, uns noch ein anderes Highlight verraten?

Ja, sogar zwei. Zum einen wird in der Philharmonie an der Akustik gearbeitet. Hierfür haben wir den weltbekannten Akustiker Yasuhisa Toyota, darüber freuen wir uns sehr. Außerdem wird ein sogenannter Glasriegel von vorne bis hinten in das Gebäude eingefügt. Wir nennen ihn die Kulturbrücke, denn er öffnet den Gasteig nach außen und vernetzt innerhalb des Gebäudes alle miteinander.

Welche Rolle spielt der Gasteig heute für Sie, in Zeiten, in denen sich Kulturen immer mehr vermischen und München sehr international ist?

Das Besondere ist die Vielfalt der Angebote. Wir haben hier die Aufgabe, eine Plattform zu sein für die Stadt, damit sich verschiedene Gesellschaftsschichten begegnen. Der Gasteig ist ein zutiefst demokratischer Ort, an dem man ganz viel erleben kann, aber auch einfach nur, um zu sein. Ein Ort der Begegnung der kommerzfreien Art.

Sie sind Jurist und auch Sänger. Kommen Sie derzeit denn eigentlich noch zum Singen?

Ja, ich habe vor kurzem einen Liederabend gegeben. Wenn der Stress besonders hoch ist, dann brauche ich diesen Ausgleich. In dem Fall habe ich bekannte und unbekannte Lieder von Schubert gesungen.

Was hören Sie denn privat noch so?

Um ehrlich zu sein gar nicht so viel, weil ich beruflich so viel höre. Dann genieße ich manchmal einfach die Stille. Derzeit interessieren mich allerdings südamerikanische und mexikanische Boleros total. Die Leidenschaft, die Liebe und der Tod, das Übertriebene! (lacht)

Bleiben wir noch ein bisschen bei der Musik. Welche Band sollte man kennen oder welcher Song ist gut für die Einstimmung auf München?

Ich bin in den 1980ern groß geworden, deshalb sage ich: Skandal im Sperrbezirk von der Spider Murphy Gang. Das Lied bringt viel vom Münchner Spirit rüber. Wenn ich ausgehe und es höre, dann freut mich das immer.

Wo sind Sie gerne unterwegs abgesehen von Haidhausen?

In Schwabing, dort habe ich früher gewohnt. Da gibt es abseits der Leopoldstraße viel zu entdecken. Aber auch hier in Haidhausen kann ich das Franzosenviertel empfehlen. Da bin ich gleich im Anschluss selbst verabredet.

Kennen Sie auch einen ruhigen Ort, einen, der vielleicht nicht so bekannt ist?

Hm, lassen Sie mich mal überlegen. Mein Mann und ich machen gerne einen Spaziergang entlang des Hochufers der Isar. Auf Höhe der Kirche St. Georg in Bogenhausen kommt man bei einer großen Wiese heraus. Dort herrscht eine richtig meditative Stimmung, gerade bei Sonnenuntergang.

Das klingt nach einem Geheimtipp, vielen Dank! Das letzte Wort haben Sie natürlich – was möchten Sie den Münchnern und Touristen bezüglich des Gasteig mitgeben?

Den Spruch „Ich geh in den Gasteig und da wird schon was sein, was mich interessiert”. Der stimmt und deshalb freue ich mich auch, wenn viele Menschen mit nach Sendling kommen. Ich sage immer, das wird Kult. Und deshalb freue ich mich über alle, die Stammgäste werden.

Vielen Dank für den Spaziergang!

 

 

Text: Anika Landsteiner; Fotos: Frank Stolle

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