Golfer-Typologie

Zwischen Charity-Turnier und Chipping-Green

München verfügt über eine beachtliche Auswahl an Golfplätzen. Und eine nicht weniger beachtliche Auswahl an Spielern. Eine Typologie.

Der Sportler

Er hat keine Zeit zu verlieren, dafür ein klares Ziel: Gewinnen, Handicap verbessern, Pokal mit nach Hause nehmen. Worüber sich Durchschnittsspieler freuen würden, ein Bogey oder gar ein Doppel-Bogey, treibt dem Sportler eher Schweiß unter die Titleist-Cap.

In seiner Freizeit trainiert er gern: Driving-Range für das lange Spiel, Chipping-Green für das mittlere, Putting-Green für das kurze und immer mal wieder ein paar Trainerstunden vom Pro: Videoanalyse vom Schwung, richtiger Stand, leichte Variation des Schlägergriffs. Der Turnierkalender seines Clubs ist dem Sportler besonders wichtig.

Sein Bag trägt er natürlich selbst, es ist aus Kunststoff; leicht und funktional, im Inneren finden sich neben Banane und Traubenzucker auch eine Goretexhose und eine passende Jacke, denn selbst Starkregen kann den Sportler nicht aufhalten.

Unterwegs mit
Der Sportler trainiert allein, gewinnt allein und mag Flights nicht besonders gern. Die Rücksicht auf den Zeitplan anderer könnte schließlich sein Training irgendwie in Verzug bringen.

Heimatclub
Der Sportler ist auf dem 18-Loch-Championship-Course des Golfclubs Eschenried zu Hause, von hier aus plant er, sein Single-Handicap zu verteidigen.

Vorbild
Tiger Woods

Der Rentner

Er hat bekanntlich sehr viel Zeit, nur scheint er selbst davon noch nicht viel gehört zu haben, denn der Rentner kurvt mit Vollgas im Golfcart über den Platz. Wegen der vielen Stunden, die er auf dem Platz verbringt, fühlt er sich dort auch zu Hause. Die jüngeren Menschen auf dem Platz mag der Rentner grundsätzlich gerne, allerdings spielen sie ihm oft etwas zu langsam.

Er wird am Abschlag nervös, wenn die Flights das Fairway blockieren, und gestikuliert, dass er gern durchspielen möchte. Mit den Regeln nimmt der Rentner es dafür nicht besonders genau; unter Rentnern (er spielt grundsätzlich in der Gruppe) schenkt man sich einen Meter lange Putts, denn ein danebengegangener Putt könnte schließlich den Blutdruck des Rentners gefährlich stark in die Höhe schießen lassen.

Heimatclub
Wenn er seine Zeit nicht gerade in Florida oder auf Mallorca verbringt, dann ist der Rentner in einem der ältesten Clubs Deutschlands in Thalkirchen (109 Jahre alt!) anzutreffen.

Style
Bunt wie ein balzender Papagei schwebt er in seinem Golfcart über den Platz. Teile seiner Outfits hat er bereits seit den frühen 80er-Jahren. Das Cart ist gern auch mit Fellen ausgekleidet.

Vorbild
Bernhard Langer

Das Handicap im Golf ist eine Kennzahl, die das ungefähre Spielpotenzial eines Golfers beschreiben soll.

Der Promi

Es gibt genau zwei Gruppen von Golfpromis: die Sportpromi-Golfer, wie Boris Becker, Sepp Maier, Lothar Matthäus oder Franz Beckenbauer, und dann gibt es die Heiner Lauterbachs, Howie Carpendales, sowie Promizahnärzte und TV- Sterne.

Erstere spielen natürlich überdurchschnittlich gut, weil sie Ballgefühl haben und auch sonst recht durchtrainiert unterwegs sind. Letztere spielen oftmals nur einmal im Jahr bei einem Charity-Turnier, wie etwa bei den exklusiven Eagels-Charity-Turnieren, die auf den exklusivsten Plätzen zwischen Sylt und der Toskana ausgetragen werden.

Der Promi hat übrigens sein eigenes Golfcart mit Initialen und seinen eigenen Parkplatz vor dem Clubhaus.

Heimatclub
In Straßlach (27-Loch-Golfanlage) fühlt sich der Promi wohl und kann unter seinesgleichen in der grünen Lunge Münchens durchschnaufen und den Platz umgraben. Wer reinkommt ist drin!

Style
So vielfältig wie die Gründe prominent zu sein, so vielfältig ist auch der Kleidungsstil dieser Gattung von Golfern. Die Bandbreite geht von Trainingsanzug mit Louis-Vuitton-Rucksack (Exfußballer) bis zur Bogner-Komplettausstattung.

Der Anfänger

Der Anfänger ist naiv, frisch und vor allem: hochmotiviert. Er möchte nichts falsch machen und hat deshalb jeden nur erdenklichen Ausrüstungsgegenstand allzeit zur Hand: die Pitchgabel, um Beschädigungen im Grün auszubessern, drei Kugelschreiber, um exakt den Score aufzuschreiben, einen Casher, um verlorene Bälle aus dem Wasser zu fischen, einen Ballmarker, eine Bürste zur Schlägerblattreinigung, vier Golfhandschuhe (man weiß ja nie), zehn brandneue Packungen Bälle, ein Multifunktionstool, um die Spikes in den Schuhen auszutauschen, und natürlich: das auswendig gelernte, brandneue, heilige blaue Regelbüchlein vom DGV (Deutscher Golf Verband), Stand: Januar 2019, aus dem er gern zitiert.

Nachts träumt er von seinen nächsten Anschaffungen: einer GPS-Uhr, in welcher die Abschlag-Grün-Distanzen von 16.000 Golfplätzen weltweit täglich upgedatet werden.

Unterwegs mit
Die meisten Frischlinge schließen sich bereits auf dem Weg zur Platzreife zusammen, um zu üben und gemeinsam von ihrer glorreichen Golfzukunft zu träumen. Zusammen schauen sie sich die Masters im Fernsehen an, fachsimpeln und erzählen sich von den Regelverstößen der Rentner.

Style
Was macht denn diese Pro-Shop-Schaufensterfigur da hinten beim Bunker? Ah, das ist der Anfänger. Ob ich mir wohl auch so einen Laserentfernungsmesser kaufen sollte?

Heimatclub
Der Anfänger hat eine Fernmitgliedschaft bei einem günstigen Club im Internet abgeschlossen, um bei anderen Clubs als Gast spielen zu dürfen, ist aber oft hier anzutreffen: GolfRange & 9-Loch-Platz München-Brunnthal oder Golfanlage Harthausen (18-Loch).

Der Promi hat übrigens sein eigenes Golfcart mit Initialen und seinen eigenen Parkplatz vor dem Clubhaus.

Kleines Golf-Wörterbuch

Handicap: Das Handicap im Golf ist eine Kennzahl, die das ungefähre Spielpotenzial eines Golfers beschreiben soll. Anfänger haben mit der bestandenen Platzreife (Spielberechtigung) Handicap 54. Zum Vergleich: Martin Kaymer hat Handicap 5,9.

Par: Jedes Loch hat einen festgelegten Par-Wert (3 bis 5). Dieser steht für die durchschnittliche Anzahl von Schlägen, die ein sehr guter Golfer braucht, um diese Spielbahn (das Loch) zu absolvieren. Wer durchschnittlich jedes Loch mit Par spielt hat Handicap 0, was extrem gut ist.

Birdie: Ein Schlag weniger als Par.

Eagle: Zwei Schläge weniger als Par.

Bogey: Ein Schlag mehr als Par.

Doppel-Bogey: Zwei Schläge mehr als Par.

 

 

Text: Nansen & Piccard, Fotos: Redline

Coronavirus

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