Kunst im öffentlichen Raum

Kunst am Bau: Und was will uns das sagen?

Sie ist mitten unter uns, und doch kennen wir sie kaum: Münchens Kunst im öffentlichen Raum – Skulpturen, Plastiken und Installationen weltbekannter Künstler, die das Stadtbild prägen. Wir haben Passanten nach ihrer Meinung befragt.

Walking Man, Leopoldstraße

 

„Kann es sein, dass dieses Kunstwerk an die alte Flaniermeile Leopoldstraße erinnert, als Schwabing noch etwas mehr ,bohémien‘ war?“ (Dagmar P., Coach, München)

„Mir hat mal ein Stadtführer erzählt, dass die Versicherungsleute, die hier arbeiten und von hinten auf den Walking Man blicken, gerne auch von der Po-Ebene sprechen. Ich glaube, das ist der zweite Stock des Gebäudes.“ (Viola S., Systemadministratorin, München)

„Ich interpretiere die Statue als Darstellung eines rastlos eilenden Geschäftsmannes. Weil er so sehr in Gedanken ist, hat er seinen Aktenkoffer in der U-Bahn liegen gelassen … Liege ich damit richtig?“ (Lars U., Student, München)

 

Der amerikanische Maler und Bildhauer Jonathan Borofsky hat den Walking Man als permanente Installation für den Rückversicherer Munich Re erschaffen. Die 17 Meter hohe Skulptur, durch deren Beine man hindurchschreiten kann, steht wie ein eigenwilliges Eingangstor vor dem neuen Geschäftsgebäude der Versicherung. Das Unternehmen sieht „in Gestus und Körperhaltung (…) Aufbruchswillen und Entdeckergeist.“ Vom Künstler selbst, der auch den Molecule Man in Berlin und den ikonischen Hammering Man in Frankfurt am Main geschaffen hat, ist keine eigene Interpretation überliefert.

Mae West, Effnerplatz

 

„Sieht aus wie eine riesige Sanduhr – will uns das Ganze sagen, wie vergänglich doch alles ist?“ (Evi R., Schülerin, München)

„Komisches Ding – erinnert mich an einen überdimensionalen Mikadohaufen, der gleich in sich zusammenfällt.“ (Holger W., Unternehmensberater, München)

„Ach ja, die Mae West – ich weiß, dass die Stäbe im Winter beheizt sind. So bilden sich keine langen Eiszapfen, die auf die Dächer der hindurchfahrenden Trambahnen fallen könnten.“ (Klaus S., Lehrer, München)

 

Dieser Plastik gingen intensive Debatten voraus, Münchens ehemaliger OB Christian Ude fühlte sich von dem Entwurf an einen Eierbecher und Blumenständer erinnert. Im Stadtrat setzte sich das 1,54 Millionen teure Kunstwerk von Rita McBride schließlich mit 40 zu 35 Stimmen durch. Durch den Verweis auf die stark taillierte Hollywoodschauspielerin wollte McBride im schwierigen Abstimmungsprozess die Entscheider für die spezielle Form des Rotationshyperboloids gewinnen. Die 52 Meter hohe Skulptur setzt eine Ortsmarke, ohne dabei den Raum monumental zu besetzen.

Sphere, Fünf Höfe

 

„Weltkugel, ist doch klar! Stellt die zunehmende Vernetzung dar, oder? (Rainer R., Taxifahrer, München)

„Ein poetisches Gebilde allemal – ich glaube die Skulptur soll einfach nur schön sein. Doch: Wie kam die überhaupt hier hinein?“ (Sabine W., Physiotherapeutin, München)

„Eine abstrahierte Pusteblume? Eine Schneeflocke? Eine stählerne Pfingstrose? Dieses schwebende Ding kann für mich irgendwie alles sein!“ (Daniela H., Versicherungskauffrau, Freising)

 

Die große hängende Kugel aus Stahlgeflecht des dänisch-isländischen Künstlers Ólafur Elíasson im Viscardi-Hof reflektiert die zunehmende globale Vernetzung. Es ist nicht die einzige Arbeit, die Elíasson im öffentlichen Raum Münchens geschaffen hat. Von ihm stammt auch eine Treppenskulptur in Form einer Doppelhelix (Innenhof der KPMG-Niederlassung), sowie die violett-bläulich spiegelnde Fassade des Probengebäudes der bayerischen Staatsoper am Marstallplatz.

Present Continuous, Gabelsberger Straße

 

„Hat er in der letzten Nacht zu viel getrunken? Sieht aus, als würde sich der Gute gerade kräftig übergeben!“ (Matthias R., Student, München)

„Yoga mit Krückstock? Oder was soll das? Ich kann mir auf dieses Kunstwerk keinen Reim machen.“ (Louise C., Touristin aus London)

„Die Figur blickt nach unten – vielleicht weil da das ägyptische Museum verborgen ist?“ (Peter S., Rentner, München)

 

Die 3,60 Meter hohe Skulptur des niederländischen Bildhauers Henk Visch ist Teil des Skulpturenparks im Pinakothekenviertel. Die filigrane rote Säule, auf welcher der Kopf der nach vorne gebeugten Figur ruht, symbolisiert einen „Sehstrahl“. Dieser ins Erdreich hineinragende Strahl verweist nicht nur auf das direkt darunter liegende Ägyptische Museum, sondern verbindet auch physisch die Oberfläche mit einem Ausstellungsraum.

 

 

Fotos: J. Wildgruber, Werner Böhm, Messe München

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