Geniale Künstler des bayerischen Barock

Die Brüder Asam und ihr heiliges Theater

Die Asamkirche ist ein auffälliges Bauwerk. Aus der Häuserfront der Sendlinger Straße tritt sie durch ihre farbige Fassade mit Säulen und Figuren hervor. Und innen erst! Nicht ein weißer Fleck, dafür Gold, Silber und Pathos. Regisseure dieser göttlichen Inszenierung sind die barocken Ausnahmekünstler Egid Quirin und Cosmas Damian Asam. Neben ihren Kunstwerken erinnert seit neuestem auch eine besondere Torte an das Wirken der Münchner Brüder.

Frömmigkeit, Fleiß, beste Netzwerke und ein gesundes Selbstbewusstsein ließen die Brüder Anfang des 18. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Künstlern des italienisch inspirierten bayerischen Spätbarocks aufsteigen. Woher kamen die italienischen Einflüsse? Die Erfolgsgeschichte der Asams beginnt mit einer italienischen Prinzessin, die bei ihrer Vermählung Mitte des 17. Jahrhunderts nur den Trostpreis gezogen hatte. Statt mit König Ludwig XIV. von Frankreich, war Henriette Adelaide von Savoyen 1650 als 14-Jährige mit dem gleichaltrigen bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria verheiratet worden.

Die Erfolgsgeschichte der Asams beginnt mit einer italienischen Prinzessin, die bei ihrer Vermählung Mitte des 17. Jahrhunderts nur den Trostpreis gezogen hatte.

Erst zwei Jahre nach der Trauung traf die junge Braut in München ein. Gerade einmal vier Jahre waren hier seit dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs vergangen. Bayern war verwüstet, die Künste lagen am Boden, während im Land des Sonnenkönigs Literatur, Musik und Architektur in voller Blüte standen.

„Alle Zeichen auf Barock“ – wie das Pathos Bayern eroberte

Die Prinzessin bekämpfte ihr Heimweh durch aufwendige Feiern all‘italiana und holte die Dichter, Musiker und Baumeister ihrer Heimat an den Münchner Hof. Den Deutschen traute sie wenig zu. Sie bezeichnete sie als „piu idioti nell‘edificare“, unfähig, wirklich anspruchsvolle Bauten für den Hof zu errichten. Dem Ruf Henriette Adelaides folgten unter anderen die Architekten und Baumeister Agostino Barelli, Enrico Zucchali und Antonio Viscardi. Mit der Theatinerkirche und Schloss Nymphenburg schufen sie die ersten Zeugnisse italienischen Hochbarocks in München – ein Stil, der noch für lange Jahre den Ton angeben sollte. Wer als Künstler etwas werden wollte, musste sich an die Italiener halten.

Wer als Künstler etwas werden wollte, musste sich an die Italiener halten.

In diese Zeit des künstlerischen Umschwungs hinein geboren wurden 1686 und 1692 die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam. Die Asams waren ein echter Familienclan. Bereits ihr Großvater war lange Jahre kurfürstlicher Hofmaler gewesen. Georg Asam, der Vater, war ebenfalls Maler und seine Frau eine vorzügliche Fassmalerin und Vergolderin. Sie arbeitete genauso im Betrieb mit, wie Maria Salome, die ältere Schwester der Asams. Sehr geschickt verstand sich die Künstlerfamilie darauf, ein Netzwerk von Auftraggeber*innen aufzubauen, das ihnen wichtige Aufträge sicherte.

Die Benediktiner verschafften den Asams Großaufträge beim Wiederaufbau der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Klöster. Bei den Arbeiten in Tegernsee, Benediktbeuern und Fürstenfeldbruck zählte Georg Asam zum festen Stamm der Fachkräfte, die für die berühmten italienischen Architekten Zucchali und Viscardi arbeiteten. Von frühester Jugend begleiteten die Kinder den Vater auf seine Baustellen und sahen italienischen Handwerkern und Künstlern aus nächster Nähe bei der Arbeit zu.

„Alle Wege führen nach Rom“ – ohne Fleiß kein Preis

Nach dem Tod des Vaters war es der Benediktinerabt Quirin, der den älteren der beiden Brüder, Cosmas Damian, zu Ausbildungszwecken nach Rom schickte. Der begabte Schüler dankte es dem Orden mit einem ersten Preis für Malerei beim Künstlerwettbewerb „Concorso Clementino“, den Papst Clemens XI 1702 gestiftet hatte. Es wird diskutiert, ob Egid Quirin ebenfalls einige Zeit in Rom verbracht hat. Aufmerksam studierten jedenfalls beide Brüder die Kunst und Architektur Roms, vor allem auch die Bauwerke des römischen Stararchitekten Gian Lorenzo Bernini. Diese haben den Bau der „Asamkirche“ St. Johann Nepomuk entscheidend beeinflusst.

St. Johann Nepomuk war der Modeheilige der Zeit. Er musste in Szene gesetzt werden, wollte man sich das Wohlwollen und neue Aufträge von Seiten der katholischen Kirche und der Wittelsbacher Kurfürsten sichern.

Die Asamkirche gilt heute als eines der bedeutendsten Bauwerke des süddeutschen Spätbarocks. Typisch ist die Art und Weise, wie hier Architektur, Malerei und Stuckaturen zu einem üppigen Gesamtkunstwerk verschmelzen. Spektakulär, wie es den Künstlerbrüdern gelang, einen vergleichsweise kleinen Innenraum durch perspektivische Tricks und geschickte Lichtführung bis in den Himmel hinauf zu weiten. Das Deckengemälde von Cosmas Damian zeigt die Leidensgeschichte des Heiligen Nepomuks mit Folterszenen und seinem grausamen Tod durch Ertränken in der Moldau. Der Heilige und die Wahrung des Beichtgeheimnisses sind  bestimmend für die Ausgestaltung des gesamten Kirchenraumes.

„Alles ist eitel“ – die Asams zwischen echter Frömmigkeit und Attitüde

Man kann den Asams eine große Frömmigkeit nicht absprechen, der Bau der Kirche diente ihnen aber auch als Visitenkarte ihrer Kunstfertigkeit. St. Johann Nepomuk war der Modeheilige der Zeit. Er musste in Szene gesetzt werden, wollte man sich das Wohlwollen und neue Aufträge von Seiten der katholischen Kirche und der Wittelsbacher Kurfürsten sichern.

Der Papst hatte den Märtyrer nur vier Jahre zuvor heiliggesprochen. Zudem war es die Wahrung des Beichtgeheimnisses gegenüber einer Wittelsbacherin, die der Märtyrer mit dem Tod hatte bezahlen müssen.

Bemerkenswert ist bei allem Kult um den Heiligen die Tatsache, dass die Kirche weniger unter dem Namen „St. Johannes Nepomuk Kirche “ als unter dem Namen „Asamkirche“ bekannt wurde. Das sagt eigentlich schon alles über den besonderen Status der Brüder.

Die Asams inszenierten sich selbstbewusst und wurden entsprechend behandelt. Sie waren aber auch extrem fleißig und für ihre Arbeitsaufträge von der Schweiz bis Böhmen unterwegs. Aus heutiger Sicht betrieben sie ein geschicktes Marketing. Nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“, verlangten sie für zahlreiche Aufträge in Klöstern und Kirchen nur den Gotteslohn.

Dieser Einsatz trug jetzt Früchte. Die Erlaubnis zum Bau der Kirche erteilten der Fürstbischof von Freising und Kurfürst Karl Albrecht, der spätere Kaiser Karl VII., höchstpersönlich. Ein Relief des Bischofs ziert das Kapitell des Pfeilers rechts vom Eingang. Die Grundsteinlegung der Kirche fand am 6. Mai 1733 in Anwesenheit des sechsjährigen Kurprinzen Maximilian III. Joseph statt.

„Alles vom feinsten“ – die Wohnhäuser der Asams in München

Viele Details der Ausgestaltung der Kirche dokumentieren den höfischen Anspruch der Asams. Eine doppelstöckige Kapelle mit zwei Altären übereinander, der Blick auf den Altar durch einen Sehschlitz vom benachbarten privaten Wohnhaus aus und nicht zuletzt eine eigene Grablege in der Kirchengruft, gingen weit über das hinaus, was sich einfache Bürger*innen erlauben durften.

In der Nachbarschaft wohnende, nicht weniger überragende Künstler, wie die Bildhauer Johann Baptist Straub und Ignaz Günther, lebten wesentlich bescheidener. Das Wohnhaus des ewigen Junggesellen Egid Quirin, gleich neben der Asamkirche, gilt als das bedeutendste Künstlerhaus des 18. Jahrhundert in München. Seine Fassade liest sich wie ein Bilderbuch der Kunst und des Glaubens.

In der Nachbarschaft wohnende, nicht weniger überragende Künstler, wie die Bildhauer Johann Baptist Straub und Ignaz Günther, lebten wesentlich bescheidener.

Statt der damals üblichen Lüftlmalerei setzte Egid Quirin auf seine Meisterschaft als Stuckateur: Figuren, Girlanden, Gött*innen, Faune und Satyre und die heilige Jungfrau wirken wie von leichter Hand hingeworfen. Gleich über dem Portal, dessen holzgeschnitzte Tore heute im Bayerischen Nationalmuseum ausgestellt sind, werkeln drei entzückende Putti für die Münchner Stadtgöttin. Sie sind Allegorien der Malerei, Bildhauerei und Architektur und damit in gewisser Weise die Alter Egos der Asam Brüder.

Zu den Bauwerken, die man heute noch in München besichtigen kann, zählt auch das Wohnhaus der Familie des älteren Bruders Cosmas Damian. Ursprünglich besaß er an diesem Ort in Thalkirchen ein kleines Landgut mit eigener Kapelle. Erhalten blieb einzig das Wohnhaus, das nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde. Die Fassade zieren Repliken der Originalbilder von Cosmas Damian. Mitte September 2020 hat hier im Asam-Schlössl eine neue Gastronomie eröffnet.

Der gebürtige Ire, Wahlmünchner und leidenschaftliche Koch Shane McMahon hat das barocke Schmuckstück zusammen mit seiner Frau übernommen. Er hat unter Hans Haas im Tantris gearbeitet und betrieb jahrelang das Shane‘s Restaurant im Glockenbachviertel. Im Asam-Schlössl setzt das Paar jetzt auf bayerische Küche und Spezialitäten vom Grill. Eine Besonderheit ist die von der amtierenden Deutschen Meisterin der Konditoren und Vize-Weltmeisterin Lilli Hauser kreierte Asam-Torte, ein Traum aus Bayerisch Crème und Orangen. Die wäre sicher auch den Asams eine Sünde wert gewesen.

 

Tipp: Werke der Asams kann man in München auch in der Damenstiftkirche, der Dreifaltigkeitskirche, der Pfarrkirche St. Peter, der Heilig-Geist-Kirche und im Neuen Schloss Schleißheim sehen. Auch im nahen Freising haben die Asams künstlerisch Spuren hinterlassen.

Bei der Stadtführung „Barocke Pracht" zeigen Ihnen offizielle Gästeführer*innen der Landeshauptstadt München neben der Asamkirche auch andere wundervolle Kirchen und luxuriöse Palais der Innenstadt.

 

 

Text: Karoline Graf; Fotos: Frank Stolle

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