Winter in München

Wintersport mitten in der Stadt

Ob Sommer oder Winter, ob Wochenende oder Feierabend, die Münchner fahren gerne raus in die Natur, um sich ein bisschen sportlich zu betätigen. Dabei muss man gerade im Winter nicht einmal weit fahren, denn auch mitten in der Stadt ist einiges möglich. Unsere Autorin hat es ausprobiert. 

Wintersport mitten in der Stadt – geht das? An einem klirrend kalten Wintertag mache ich mich auf, die bayerische Hauptstadt in Sachen Wintersport auf Herz und Nieren zu testen. Langlaufen, Schlitteln, Eisstockschießen und Eislaufen stehen auf dem Programm. Vorbereitend reserviere ich am Abend zuvor die Langlaufausrüstung beim DAV (Deutschen Alpenverein), leihe mir von einem Kollegen einen Schlitten und reserviere eine Eisstockschießbahn. Das ist es auch schon.

 

Langlaufen klassisch

Ab 8 Uhr kann ich meine Skier abholen und mache mich somit pünktlich zum DAV am Isartor auf. Per Seiteneingang kann man hier vor den offiziellen Öffnungszeiten rein und trifft auf stets superfreundliches Personal, das mir meine Ausrüstung aushändigt. Man ist per Du hier – versteht sich, unter Sportlern. Die Frau am Empfangstresen verabschiedet mich mit den Worten „Da freut sich aber eine, rauszukommen“, und ich mache mich Richtung Loipe auf.

Ohne jeglichen Gegenverkehr laufe ich meditativ meine Bahnen. Richtung Süden. Und wieder zurück in den Norden. Ich könnte ewig so weitermachen.

Ich habe mich für die Loipe am rechten Isarufer entschieden: Wo ich im Sommer zum Schwimmen, Laufen und Mountainbiken bin, will ich meinen Lieblingsort der Stadt nun auf Skiern erleben. Eine von zahlreichen Möglichkeiten ist diese meist gespurt, jedoch nicht von der Stadt und nur für die klassische Version des Langlaufens. Skating ist hier nicht möglich. So erstreckt sich eine lange Loipe von der Reichenbachbrücke bis zum Flaucher.

Ich starte an der Eisenbahnbrücke und mache mich auf Richtung Süden. Mit mir unterwegs sind an diesem Morgen zwar keine weiteren Langläufer, dafür eine Vielzahl an Hunden, die im Schnee toben. Ohne jeglichen Gegenverkehr laufe ich somit meditativ meine Bahnen. Richtung Süden. Und wieder zurück in den Norden. Ich könnte ewig so weitermachen. Allerdings ruft auch schon die nächste Disziplin.

 

Schlitteln

Da ich mich bereits an der Isar befinde, noch einiges vorhabe und den Tag mit so wenig wie möglich Fahrerei vergeuden möchte, entscheide ich mich für den Neuhofener Berg mitten in Sendling (von der S-Bahn Station Mittersendling sind es ca. fünf Minuten zu Fuß). Die Piste ist von der Stadt als Schlittenberg ausgezeichnet. Um die Uhrzeit bin ich noch fast alleine – die Kids müssen am Freitagvormittag ja noch alle zur Schule oder in den Kindergarten.

Zahlreiche Spuren und grüne Flecken versprechen jedoch buntes Treiben an den Winternachmittagen zuvor. Wie in alten Kindertagen ziehe ich den Schlitten hinter mir den Berg hoch, um dann für die Abfahrt anzusetzen. Was für ein Geschwindigkeitsrausch. Und wieder. Und nochmal. Und ein letztes Mal. Ich kann nicht genug bekommen. Muss dann jedoch irgendwann weiter, da meine Reservierung für das Eisstockschießen naht.

Eisstockschießen

Die natürlichste und schönste Bahn, der Nymphenburger Kanal, war aufgrund der Wetterbedingungen in den Wochen zuvor leider nicht geöffnet – der Kanal war nicht zugefroren. Somit muss eine Alternative her. Schon bei der Reservierung stelle ich fest, dass Eisstockschießen in München wohl ziemlich angesagt ist. Meine erste Bahn der Wahl ist komplett ausreserviert. Freundlicherweise verweist mich der Wirt an eine mir noch unbekannte Lokalität, den Augustiner Schützengarten, ebenfalls im Stadtteil Sendling.

Ich schieße einen Eisstock nach dem anderen und versuche diese so nah wie möglich am Mittelpunkt der Zielscheibe am Ende der Bahn zu platzieren.

Wo ich sonst eher zum Baumarkt oder für einen Besuch in der Autowerkstatt hinkomme, befindet sich etwas versteckt ein üppiger Biergarten und für den Winter drei Bahnen zum Eisstockschießen. Ich habe Glück, die Bahnen sind noch frei. Der nette Wirt erklärt mir, dass am Abend immer ausgebucht ist.

Für das leibliche Wohl sorgt er dann mit Getränken (im Angebot unter anderem eine Glühweinflatrate) und Essen das aus einem Foodtruck – zu bayrisch „Standl“ – heraus verkauft werden. Der Wirt erklärt mir kurz die Spielregeln, dann kann es auch schon losgehen.

Ich schieße einen Eisstock nach dem anderen und versuche diese so nah wie möglich am Mittelpunkt der Zielscheibe am Ende der Bahn zu platzieren. Hin und Her. Im Unterschied zum Langlaufen und Schlitteln macht Eisstockschießen allein aber nicht ganz so viel Spaß. Also weiter zur nächsten Disziplin.

Video: einfach Winter

Eislaufen

Auch Eislaufen wäre unter anderen Witterungsbedingungen am Nymphenburger Kanal möglich. Die komfortablere und wetterunabhängigere Variante bietet jedoch das Prinzregentenstadion. Gebürtige Münchner Kollegen erklären mir gleich, dass sie schon als Kind dort waren und das Stadion eine langjährige Tradition hat.

An Kindheit bzw. Jugend erinnert auch mich der Eislaufsport. Da stand ich zuletzt auf Schlittschuhen. Somit blicke ich der vierten und letzten Disziplin für heute mit Freude aber auch etwas Angst entgegen. Es ist sehr lange her, dass ich zuletzt auf dem Eis stand. Dazu kommt, dass gerade das Eis präpariert wird, als ich ankomme. Heißt: spiegelglatte Fahrbahn!

Ohne es zu bemerken, zeichnet sich ein breites Grinsen auf mein Gesicht. Ich habe es nicht verlernt. So laufe ich Runde um Runde. Und noch eine. Und noch eine.

Am Rand warten alle Eisläufer schon sehnsüchtig auf die erneute Freigabe der Bahn. Von der Hobbyeistänzerin, den pubertierenden Teenies, Kids mit und ohne Eltern, ist alles mit dabei. Wie früher leihe ich mir ein paar Eishockeyschlittschuhe und gehe auf gummiartigem Untergrund – erneute Kindheitserinnerung – Richtung Bande.

Meine Hoffnung, mir Unterstützung durch einen Pinguin zu holen, auf dem ich mich abstützen kann, wird zerschlagen, als ich sehe, dass diese nur für Kinder reserviert sind. Vorsichtig wage ich mich aufs Eis und hangele mich an der Bande entlang. Nach ersten Steh- und Gleitversuchen wage ich mich auf die freie Fläche und ziehe meine erste Runde.

Ohne es zu bemerken, zeichnet sich ein breites Grinsen auf mein Gesicht. Ich habe es nicht verlernt. So laufe ich Runde um Runde. Und noch eine. Und noch eine. Perfekter Abschluss eines langen Wintersport-Tages.

 

Text: Ulrike Zieher; Fotos: Nansen & Piccard; Video: Redline Enterprises

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