Ludwigstraße

Auf dem Prachtboulevard des Königs

Wie sehr König Ludwig I. München und Italien liebte, zeigt sich auf der nach ihm benannten Ludwigstraße: überall Prachtbauten, die Häusern und Toren in Florenz und Rom nachempfunden sind. Sie ist die erste Straße im kompletten Rundbogenstil – und die erste, die in München asphaltiert wurde.

Fast wäre es nichts geworden mit der prächtigen Ludwigstraße in der Maxvorstadt. Zwar hatte der Münchner Magistrat, quasi der damalige Stadtrat, 1808 beschlossen, die Stadt in Richtung Norden zu erweitern. Doch als sich König Ludwig I., damals noch Kronprinz, der Sache annahm, wurde das Projekt größer und prunkvoller als geplant. Der König wollte einen Boulevard, einen Kilometer lang, vom Odeonsplatz im Süden bis zum heutigen Siegestor im Norden. Viel zu lang, befand der Magistrat, München werde in 100 Jahren nicht so stark wachsen. Erst als Ludwig I. damit drohte, seine Residenz nach Ingolstadt oder Regensburg zu verlegen, gab der Magistrat nach und genehmigte die Pläne.

Der König hatte viel vor. Auf der Ludwigstraße sollten die Säulen seines Königreichs sichtbar werden: Wissenschaft und Kunst, das römisch-katholische Christentum und die Königliche Regierung. Im Jahr 1816 beauftragte er Leo von Klenze mit der Gesamtgestaltung der Straße. 1827 übergab von Klenze an Friedrich von Gärtner. Beide Architekten erschufen imposante Gebäude – von Klenze vor allem im Süden der Straße im Stil der Neurenaissance, von Gärtner im nördlichen Abschnitt mit neoromantischen Elementen. Von Klenze und von Gärtner gelang ein großartiges Gesamtkunstwerk: Der Ludwigstraße kommt neben der Brienner Straße, der Maximilians- und der Prinzregentenstraße städtebaulich die größte Bedeutung in München zu.

Friedrich von Gärtner baute die bekanntesten Gebäude entlang des Boulevards: Von 1841 bis 1844 errichtete er die Feldherrnhalle nach dem Vorbild der Loggia dei Lanzi in Florenz. Die unter Münchnern „Stabi“ genannte Bayerische Staatsbibliothek war 1558 als Hofbibliothek der Wittelsbacher gegründet worden. Im Jahr 1843 zog sie vom Alten Hof in das neue Gebäude an der Ludwigstraße um. Heute beherbergt sie zehn Millionen Bücher, Zeitschriften, Drucke, eine der bedeutendsten Handschriftensammlungen der Welt und ein Exemplar der rund 180 noch existierenden Gutenberg-Bibeln.

Wenige Meter weiter stehen die zwei hoch aufragenden Türme der von 1829 bis 1844 erbauten Ludwigskirche mit ihrem farbenfrohen Mosaikdach. Auch im Inneren verbergen sich Schätze: das weltweit zweitgrößte Altarfresko „Das jüngste Gericht“ von Peter von Cornelius und die Kalksteinfiguren der vier Evangelisten mit Christus von Ludwig von Schwanthaler.

Auf Höhe des Professor-Huber- und des Geschwister-Scholl-Platzes mit ihren Springbrunnen befindet sich das Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität. Die LMU wurde 1472 in Ingolstadt gegründet und 1840 an die Ludwigstraße verlegt. Mit mehr als 50.000 Studenten ist die Elite-Uni die zweitgrößte Hochschule Deutschlands.

Ihren Abschluss findet die Ludwigstraße am Siegestor, das wie die Feldherrnhalle dem bayerischen Heer gewidmet ist. Von Gärtner errichtete den 24 Meter hohen Triumphbogen von 1943 bis 1850 nach dem Vorbild des Konstantinbogens in Rom. Auf seiner Spitze thront die Quadriga: die Bavaria, gesäumt von vier Löwen, die stadtauswärts blickt – der bayerischen Armee entgegen. Hier geht die Ludwigstraße in die Leopoldstraße über.

Wie alle großen Bauten an der Ludwigstraße wurde der Triumphbogen im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Der Wiederaufbau des gesamten Ensembles dauerte bis in die 1970er-Jahre hinein. Umso wichtiger die Inschrift auf der Rückseite des Siegestors: „Dem Sieg geweiht – Vom Krieg zerstört – Zum Frieden mahnend“.

 

 

Fotos: Dominik Morbitzer

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