Skurriler Humor vom Feinsten: Das Valentin-Karlstadt-Musäum im Isartor widmet sich dem Leben und Wirken des Münchner Komikers und Volkssängers Karl Valentin (1882 bis 1948) und seiner kongenialen Partnerin Liesl Karlstadt.
Münchner Museen

Mein Lieblings-Teil: Münchner erzählen

Bekannte Münchner stellen ihr Lieblingsobjekt in Münchner Museen vor – und erzählen, warum sie ausgerechnet dieses Ausstellungsstück so berührt. Folge 1: Caroline Link, Ludwig Wappner und Milen Till.

Milen Till (Künstler und DJ):

"Leistenbruch" von Karl Valentin

 

„Das Kunstwerk von Karl Valentin im Valentin-Karlstadt-Musäum im Isartor habe ich als Teenager zum ersten Mal entdeckt. Mein Vater hat es mir gezeigt, zusammen mit der geschmolzenen Eisskulptur und den ,Vater und Sohn‘-Regenschirmen. Mein Vater hat für das Stadtmuseum 2009 eine Karl-Valentin-Ausstellung mit dem Titel ,Gestern oder im 2. Stock‘ vorbereitet. ,Der Leistenbruch‘ hängt an der Wand der schmalen Wendeltreppe im zweiten Stock, nicht weit vom berühmten Nagel Valentins, an den er seinen zuvor ausgeführten Beruf ,Schreiner‘ hängte. Für mich ist dieses avantgardistische Werk so bahnbrechend, weil Valentin schon so früh Humor und Absurdes als Kunst erkannte und somit Wegbereiter für DADA und Konzeptkunst wurde. 

„Die ,Leiste‘ funktioniert als perfektes ,Readymade‘. Noch vor Duchamp! So weit hat Valentin womöglich gar nicht gedacht, aber das macht es ja noch spannender."
Milen Till

Es löst in mir Staunen und Freude aus, vor allem auch, weil die ,Leiste‘, welche in der Malerei mit der Leinwand zur Grundausstattung gehört, somit als perfektes ,Readymade‘ funktioniert. Noch vor Duchamp! So weit hat Valentin womöglich gar nicht gedacht, aber das macht es ja noch spannender. Ich sehe mir den ,Leistenbruch‘ immer wieder an, wenn es regnet zum Beispiel. Da ist es besonders schön gemütlich oben im Stüberl des Museums. Aber das Stück hängt auch sonst immer da, und ich komme immer wieder hin. Zumindest bis 17.59 Uhr, denn um die Uhrzeit schließt das Museum. München ist ohne Valentin und Valentin ohne München nicht vorstellbar. Für mich ist er der Jahrhundert-Münchner.“

Zu sehen im Valentin-Karlstadt-Musäum

Caroline Link (Regisseurin):

"Wolkengespenster" von Richard Riemerschmid

 

„Bei einem Bummel durch das wunderbare neue Lenbachhaus hat mich vor einigen Jahren das Bild ,Wolkengespenster‘ von Richard Riemerschmid aus dem Jahr 1897 begeistert. Vollmond, Wolken, schemenhafte Figuren. Ein Mann jagt eine Frau. Sinnlich? Bedrohlich? Das liegt im Auge des Betrachters.

„Das Bild hat eine große archaische Kraft, und es hat mich an eigene Träume erinnert, die mich beängstigt und gleichzeitig elektrisiert haben. Ich liebe den Jugendstil."
Caroline Link

Das Bild hat eine große archaische Kraft, und es hat mich an eigene Träume erinnert, die mich beängstigt und gleichzeitig elektrisiert haben. Ich liebe den Jugendstil. Das Spiel mit der Natur und dem Unterbewussten macht mir Freude. Es ist ein Teil meiner Arbeit als Filmemacherin. In der Villa Stuck und eben im Lenbachhaus finden sich einige großartige Beispiele dieser Epoche. Eine Postkarte von den ,Wolkengespenstern‘ steht auf meinem Schreibtisch und inspiriert mich beim Drehbuchschreiben.“

Zu sehen im Lenbachhaus

Ludwig Wappner (Architekt und Stadtplaner):

"Barberinischer Faun"

 

„Ein besonderer Museumsort in München, der mich bei jedem Besuch immer wieder nachhaltig berührt, ist die Glyptothek am Königsplatz in München. Meine intensive erste Berührung fand in den ersten Semestern meines Architekturstudiums an der TU München von 1979 bis 85 im Rahmen der geliebten Freihandzeichenausbildung statt. Eine Skulptur zieht mich damals wie heute besonders an: die des elegant und wunderbar gestalteten ,Barberinischen Fauns‘ – um 220 v.Chr. aus der Epoche des Hellenismus von 323–146 v.Chr. –, die zentral im westlichen ,Saal des Faun‘ platziert wurde.

„Besonders am Morgen komme ich gerne hierher. In der Ruhe und im Morgenlicht lässt sich die Raffinesse dieser Skulptur wunderbar bis ins Detail studieren."
Ludwig Wappner

Dort steht sie, belichtet von einem zentralen Oberlicht in der Kuppel, analog dem Pantheon in Rom, unnachahmlich elegant und präzise konturiert mitten im Raum. Hier verschmelzen Raum, Material, Tageslicht und die Geometrie und Ästhetik dieser Skulptur zu einem wunderbaren Gesamtkunstwerk, das jeden interessierten Betrachter sofort in seinen Bann zieht. Besonders am Morgen komme ich gerne hierher. In der Ruhe und im Morgenlicht lässt sich die Raffinesse dieser Skulptur wunderbar bis ins Detail studieren.

Neben den Skulpturen, der Architektur des Hauses ist aber auch das famos gelegene Café im Museum, geöffnet zum grandiosen Innenhof hin, einen Besuch wert. Ein Geheimtipp in München, insbesondere in der Mittags- und Nachmittagssonne.“

Zu sehen in der Glyptothek

 

 

Protokolle: Nansen & Piccard; Fotos: Christian Kasper, Frank Stolle