Beim Tag der Offenen Tür 1972 entdecken Münchner*innen und Besucher*innen das Olympiagelände.

München in den 70er-Jahren

Sex, Drugs und Olympia

Neu, neu, neu – das war das Motto vom München der 70er-Jahre. Für die Olympischen Spiele wurde allerhand in der Stadt gebaut und wie nebenbei erfand man außerdem den Disco-Sound in einem Tonstudio am Arabellapark.

Die 70er-Jahre ließen München erwachsen werden, denn die Olympischen Spiele 1972 zogen Gäste aus aller Welt in die Landeshauptstadt. Zeitgleich wurde die Stadt für ihren Disco-Sound berühmt, den Giorgio Moroder und Donna Summer am Arabellapark erfanden. Und dann war da auch noch die sexuelle Revolution: Auf die 68er-Bewegung folgte 1970 die FKK-Bewegung. Sogar die New York Times berichtete über die Nackerten und Hippies im Englischen Garten.

 

Die Rollings Stones und der Disco-Sound

Wenn es dunkel wurde am Monopteros, schwärmten jene Hippies und Freigeister um die Häuser: Man traf sich im legendären Piper Club am Kurfürstenplatz in Schwabing, der gerade einmal drei Jahre geöffnet hatte, bevor das Kreisverwaltungsreferat ihn schloss. Vielleicht waren ja die Drogen schuld? Inoffiziell nannte man die Kneipe nämlich auch „Joint“, laut Gerüchten konnte man schon an der Tür so ziemlich alles kaufen, seinen Rausch schlief man dann auf Matratzen im hinteren Teil des Clubs aus.

Die übliche Schwabing-Tour der 70er-Jahre führte weiter über das Woodstock und Café Europa bis ins Tiffany (Leopoldstraße 69) – angeblich der Lieblingsclub der Rolling Stones, wenn sie in München zu Gast waren. Hier lernten sich wohl auch Uschi Obermaier und Mick Jagger kennen. Zur Afterhour traf man sich danach noch im Pimpernel in der Müllerstraße – auch heute noch eine der wichtigsten Anlaufstellen für nimmermüde Partygäste.

Die übliche Schwabing-Tour der 70er-Jahre führte über das Woodstock bis ins Tiffany – angeblich der Lieblingsclub der Rolling Stones. Hier lernten sich wohl auch Uschi Obermaier und Mick Jagger kennen.

Die Rolling Stones waren nicht nur zum Feiern in der Stadt: Gleich zwei Alben nahmen sie in den damals weltberühmten Musicland Studios am Arabellapark auf. Eröffnet wurde das Studio Anfang der 70er von Giorgio Moroder, der hier zusammen mit Sängerin Donna Summer den Disco-Sound ins Rollen brachte: 1976 veröffentlichten sie miteinander den Song „Love to Love You, Baby“, der in den USA sofort auf Platz zwei der Charts rutschte. So kam es dazu, dass in der 70ern viele berühmte Künstler mit Giorgio Moroder arbeiten wollten – darunter Deep Purple, Iggy Pop, Led Zeppelin und Elton John.

Ebenfalls neu und damals wahrscheinlich einzigartig auf der Welt war der Club Yellow Submarine (Leopoldstraße 194): Das Nachtlokal in Schwabing sah von innen nicht nur aus wie ein U-Boot, in gewisser Weise waren die Gäste tatsächlich unter Wasser. Wer durch die runden Fensterluken schaute, sah nicht nur die 600.000 Liter Wasser, die den Club umgaben, sondern auch 30 echte Haie, die in diesem riesigen Becken zuhause waren.

 

Beton und Brutalismus: Die Architektur der 70er

Dieser Club befand sich in keinem geringeren Neubau als dem 1973 erbauten Schwabylon – ein Einkaufs- und Vergnügungszentrum, das damals einmalig in der Stadt war, von den Einheimischen allerdings nicht recht angenommen wurde. Revolutionär war, dass sich auf mehrere Stockwerke verteilt, nicht nur Büros, Wohnungen und Restaurants befanden, sondern auch eine Spielhalle, ein Kino, Schwimmbad, eine Therme und sogar eine Eislaufhalle. 160 Millionen DM kostetet der Bau des Architekten Justus Dahinden, der sich leider als Fehlinvestition erwies und 14 Monate später wieder leer stand.

Eine der größten städtebaulichen Veränderungen, die München den Olympischen Spielen zu verdanken hat, war natürlich der Bau der U-Bahn und S-Bahn. Im Oktober 1971 eröffnete die Strecke zwischen Kieferngarten und Goetheplatz, ein Jahr später folgte die Verbindung von Münchner Freiheit bis zum Olympiazentrum. Heute hat das Münchner U-Bahnnetz über 100 Kilometer Fahrstrecke und ganze 96 Stationen über die ganze Stadt verteilt. 

Wer eine Zeitreise machen möchte, der besucht den 85 Hektar großen Olympiapark – hier sieht alles noch aus wie in den Siebzigern: das Olympiadorf, das berühmte Zeltdach, die Schwimmhalle und das Olympiastadion.

Für die Gäste der Olympischen Spiele entstanden damals zudem die neugestaltete Fußgängerzone in der Kaufingerstraße (1972), das Untergeschoss vom Stachus (1970) sowie das BMW Museum (1973). Wer heute eine Zeitreise machen möchte, der besucht einfach den 85 Hektar großen Olympiapark – hier sieht alles noch aus wie in den Siebzigern: das Olympiadorf, das bis heute an das schreckliche Attentat denken lässt. Heute kann man beim Erinnerungsort Einschnitt noch über alle Geschehnisse informieren. Dann ist da noch das berühmte Zeltdach, die Schwimmhalle und das Olympiastadion. 

Ein waschechter Brutalismus-Bau ist außerdem das 18-stöckige Pharao-Haus am Fritz-Meyer-Weg in Oberföhring, das ebenfalls heute noch steht. Wer an 70er-Jahre-Architektur denkt, kommt nicht an den typischen Hochhaussiedlungen vorbei. Eines der größten und wichtigsten Viertel aus dieser Zeit in München ist Neuperlach, das in den 1970ern fertig gestellt wurde und neben Wohnraum für 60.000 Menschen auch Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten zur Verfügung stellte. Das Bauunternehmen Neue Heimat, das damals für viele Wohnsiedlungen in ganz Deutschland verantwortlich war, konnte auch bei den Vorbereitungen auf Olympia helfen: So entstanden innerhalb von kürzester Zeit 4000 Unterkünfte für Pressevertreter.

 

Die Olympischen Sommerspiele 1972

Vom 26. August bis zum 11. September 1972 war es dann soweit: Nach jahrelangen Vorbereitungen konnte die Stadt endlich Gäste aus aller Welt empfangen. Über 7100 Athletinnen und Athleten aus 122 Mannschaften nahmen an den Olympischen Sommerspielen 1972 teil – damals ein Teilnehmerrekord! Die meisten Wettkämpfe wurde auf dem Olympiagelände ausgetragen oder in Münchens Umland wie der Ruderregatta in Oberschleißheim. Aber auch die umliegenden Städte wie Nürnberg, Augsburg, Ingolstadt, Regensburg und Passau wurden zu wichtigen Austragsstätten.

Bis heute ist das visuelle Erscheinungsbild von Olympia weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Figuren im typischen 70er-Jahre-Design wurden von Otl Aicher entworfen, der mit seinen schlichten Piktogrammen ein neues Design erfand, das von allen Menschen schnell verstanden werden kann. Aus seiner Feder stammt auch der „Olympia-Waldi“, das erste Maskottchen der Olympischen Sommerspiele. Es war damals überall zu sehen und zu kaufen – als Spielzeug, Poster oder Puzzle.

 

Hier kann man die 70er-Jahre noch heute in München erleben:

 

 

Text: Anja Schauberger; Fotos: Stadtarchiv München

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