Kinos

Charme oder Glamour: Filmgenuss nach jeder Fasson

Prosecco oder Popcorn: München hat wunderbare Kinos für jeden Geschmack. Wer den Charme von früher liebt, geht in die schnuckeligen, altmodischen Lichtspiele, die an kleine Theater erinnern und oft noch freie Platzwahl haben. Wer es so entspannt und bequem wie zu Hause haben möchte, darf in kuscheligen Sesseln und Sitzsäcken Independent-Filme schauen. Und wer etwas Luxus braucht, fährt den Fußhocker hoch und bestellt sich Essen und Trinken einfach an den Platz.

Die ersten Filmvorführungen in München gab es bereits 1896 im Panoptikum an der Kaufingerstraße. Bald folgten einige Lichtspielhäuser. Einige der ersten richtigen Kinos in München existieren immer noch – wie das Arena Filmtheater im Glockenbachviertel seit 1912. Und auch wenn es nun in Zeiten von Netflix & Co. immer mal wieder Gerüchte über Schließungen gibt – in München kann weiterhin auf die vielfältigste Art auf die Leinwand geschaut, heimlich geknutscht und geraschelt werden.

 

Retro-Charme

Das Studio Isabella ist wie eine Zeitmaschine. Das Programmkino in Schwabing existiert bereits seit 1919. Der Charme von damals ist geblieben. Anders als in den großen Kinos macht hier der Mann an der Kasse alles in einem: Er verkauft Kinokarten, Erdnüsse, Getränke – und macht wenig später auch den Film an. In seinem Saal mit 165 Sitzplätzen zeigt das Kino nur ausgewählte Filme. Bekannt ist das Isabella für das „Cine Español“, sein spanischsprachiges Kino. Jeden Mittwoch laufen Independent-Filme im Original – mal mit, mal ohne Untertitel.

Wem es im Isabella gefällt, der wird auch die Museum-Lichtspiele in der Nähe des Isartors lieben. Dieses Kino hat in München absoluten Kultstatus: Seit 40 Jahren wird im Rokokosaal einmal pro Woche „The Rocky Horror Picture Show“ gezeigt – ein Kultfilm aus den Siebzigern, zu dem häufig verkleidetes Publikum erscheint. Doch es laufen auch Blockbuster mit Niveau und Indie-Filme im Original oder mit Untertiteln. Hier herrscht Anarchie und freie Platzwahl, weshalb es sich lohnt, früh da zu sein.

„Wer das ABC liebt, muss mit dem ABC beginnen“, sagte der französische Regisseur Claude Chabrol. Er meinte das ABC-Kino gleich an der Münchner Freiheit. Es ist ein typisches Programmkino mit einem kleinen Saal im Parterre, den man nach der Vorstellung über die Seitenausgänge wieder verlässt. Das Lichtspielhaus von 1914 zeigt beste Arthaus- und Independent-Filme. Hier waren schon alle wichtigen Münchner Filmemacher zu Gast: Fassbinder, Eichinger, Wenders, Valentin, Polt. Seinen Namen hat das ABC übrigens in den 50er-Jahren bekommen, damit es in den Zeitungen von allen Münchner Kinos als erstes erwähnt wurde.

Das Filmtheater am Sendlinger Tor ist etwas ganz Besonderes, das verraten schon die stets handgemalten Plakate an der Außenfassade. Hier kann man seit mehr als 100 Jahren in roten Plüschsesseln Filme sehen – sogar auf dem Balkon und in der Königsloge. Gezeigt werden aktuelle Filme, aber auch „Klassik am Sonntag“ – das sind Aufzeichnungen der Live-Premieren von Ballett- und Opernstücken des „Royal Opera House“ in London.

 

Glanz und Glamour

Das Kontrastprogramm liefert das Neue Arri in Schwabing. Nach einer Kernsanierung gibt es nun statt einem drei Kinosäle sowie ein großes Foyer mit Bar. Die Gäste sitzen in breiten Ledersesseln mit elektrisch ausfahrbaren Fußteilen und viel Abstand zum Sitznachbarn. Auf der Leinwand läuft gehobener Mainstream, also nicht die Streifen mit den lautesten Effekten, aber viele Filme aus Hollywood. Auch für deutsche und europäische Produktionen ist Platz. Außerdem gibt es Filmreihen und Matineen sowie Übertragungen aus der Oper oder vom Ballett.

Ein bisschen Glamour gibt’s im Gloria-Palast. Nach einem Sektempfang bietet das Kino am Stachus kulinarische Köstlichkeiten, die man während des werbefreien Vorprogamms direkt zum bequemen Kinosessel bestellen kann. Hier gibt’s besonders viel Platz für die Beine – und sogar Fußhocker. Die Filmauswahl reicht von den neuesten Filmen über spezielle Klassiker bis hin zu Matineen und Live-Übertragungen klassischer Konzerte und Opern aus aller Welt.

Mit 38 Plätzen ist die Astor Cinema Lounge im Hotel Bayerischer Hof sehr intim – und, wie es der Name verspricht, für schicke Kinogänger geeignet, die sich etwas gönnen wollen. Die Kellner kommen direkt an die Kuschel-Couch. Zu sehen gibt es neben ausgewählten Hollywood-Streifen auch immer wieder alte Klassiker aus den 50er- und 60er-Jahren.

 

Entspannt wie im Wohnzimmer

Das liebevoll renovierte Neue Maxim an der Landshuter Allee in Neuhausen birgt eine eigene kleine Kuriosität: Der Kinosaal im Erdgeschoss verfügt über Tageslicht und wird deshalb auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Ein kleinerer Saal ist mit Sitzsäcken ausgestattet und bietet kuschliges Wohnzimmer-Flair. Hier werden nicht die neuesten Blockbuster gezeigt, sondern Filme abseits des Mainstreams, oft auch in Originalversion. Zudem gibt es häufig Diskussionsrunden mit Schauspielern und Filmemachern.

Das Filmmuseum am Sankt-Jakobs-Platz zwischen Marienplatz und Viktualienmarkt ist eines von sieben Filmmuseen in Deutschland, die von Städten und Kommunen finanziert werden. Der Begriff „Museum“ ist für Besucher allerdings etwas verwirrend, denn hier gibt es keine Ausstellungen über Filmkunst, sondern täglich wechselnde Filme in einem eigenen Kinosaal mit 165 Plätzen. Darunter: Retrospektiven, thematische Filmreihen mit deutschen und internationalen Produktionen sowie ausgewählte Erstaufführungen – alles in Originalfassung mit Untertiteln. Regisseure, Schauspieler und andere Filmschaffende sind regelmäßig zu Gast, um mit dem Publikum über die Filme zu diskutieren. Wer Lust auf eine große Dosis Kultur hat, kann davor noch das darüberliegende Stadtmuseum besuchen und mehr über München lernen. Auch ein Abstecher ins Stadtcafé im Parterre lohnt sich immer. So kann man hier auch wunderbar den ganzen Tag verbringen.

Den besten Arthaus-Filmen haben sich auch die City-Kinos an der Sonnenstraße am Stachus verschrieben – aber nicht nur. Die Betreiber wählen das Programm sorgfältig aus: Egal ob Indie oder Mainstream, der Film muss einfach gut sein. Je nach Thema wird dann auch der passende Kinosaal ausgewählt. Entweder geht es in den großen Raum mit gut 350 Sitzplätzen oder in einen intimeren Saal. Danach treffen sich alle Kino-Besucher wieder unter freiem Himmel im lauschigen Innenhof.

Ein einzigartiges Kino-Erlebnis bietet das Werkstattkino nahe dem Gärtnerplatz. In einem winzigen Hinterhof führt eine Treppe nach unten zum Vorführraum. Hier werden Filme gezeigt, die es in München sonst nicht zu sehen gäbe: Sex-Filme, Biker-Movies oder ganz spezielle Dokumentarfilme – eine faszinierende Mischung aus Poesie und Trash gleich neben dem urigen Fraunhofer-Wirtshaus.

Fast vergessen wird manchmal das Monopol an der Schleißheimer Straße – so unscheinbar wirkt es von außen. Innen wird bei einer breiten Auswahl an Filmen auf ewig lange Werbung verzichtet. Das Kino wirbt mit: „Kein Popcorn und keine Nachos!“ Klingt seltsam, sorgt aber dafür, dass sich niemand durch Geraschel und Krümel gestört fühlt. Dafür können Gäste an einer Bar im Saal einen Gin Tonic und andere Drinks bestellen. Wer sich dem Monopol verbunden fühlt, darf übrigens eine „Stuhlpatenschaft“ übernehmen und das kleine Kino damit finanziell unterstützen. Der Name des Spenders steht dann für immer und ewig auf einem Münchner Kinosessel.

 

 

Fotos: Bayerischer Hof, Astor Film Lounge, Martina Dobrusky, Deniz Ispaylar

Verwendung von Cookies

Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen