Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel

Wo die Nacht beginnt

Szenelokale, ruhige Hinterhöfe, kultige Läden und Werkstätten machen den Charme von Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel aus.

Die beiden Viertel zwischen Altstadtring und Isar werden meist in einem Atemzug genannt: Nur durch die Fraunhoferstraße getrennt, erstreckt sich das Gärtnerplatzviertel nach Osten und das Glockenbachviertel nach Westen. Namensgeber sind Friedrich von Gärtner, Architekt unter König Ludwig I., und der heute unterirdisch verlaufende Glockenbach.

Das Staatstheater am Gärtnerplatz, heute vor allem Operetten- und Musical-Bühne der Stadt, dominiert den Platz. Ringsum reihen sich drei- bis vierstöckige Gebäude, dezent farblich aufeinander abgestimmt in unterschiedlichen Rot-Tönen, die die Anwohner als „Gärtnerplatz-Rot“ bezeichnen.

Durch die besondere Form des Rondells, die üppigen bunten Blumenbeete und den Brunnen im Zentrum bietet der Gärtnerplatz ein besonderes Ambiente. Er lädt ein zum Verweilen und Genießen. Cafés und Restaurants befinden sich zwischen kleinen Fachgeschäften und Lebensmittelläden. Die Einkaufsbummler des Tages wechseln sich abends ab mit den Theaterbesuchern.

Der Platz drückt aus, was das gesamte Viertel ausmacht: ein buntes Miteinander. Singles sind hier ebenso beheimatet wie kinderreiche Familien, Alt trifft auf Jung, hetero auf schwul und lesbisch. Gerade im Sommer ist der Gärtnerplatz ein beliebter Ort, um sich mit Freunden zu treffen, zu schauen, zu ratschen und zu flirten.

Der Gärtnerplatz drückt aus, was das gesamte Viertel ausmacht: ein buntes Miteinander. Singles sind hier ebenso beheimatet wie kinderreiche Familien, Alt trifft auf Jung, hetero auf schwul und lesbisch.

Als Ausgeh- und Szeneviertel sind das Gärtnerplatz- und das Glockenbachviertel bekannt. Ihre kultigen Bars, Kneipen und Szenelokale sind attraktiv. Gepflegtes Chillen für junge und junggebliebene Erwachsene ist hier angesagt.

Die ganze Nacht hindurch hält der traditionelle Kiosk an der Reichenbachbrücke Getränke und kleine Snacks bereit, aber auch einige Currybuden machen ihr Hauptgeschäft zwischen zwei und drei Uhr nachts. Hier gibt es sie noch: die „Steh-Kneipe“ an der Ecke.

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Ein neuer Trend ist eine Mischung aus Restaurant und Tanzlokal. Dort kann man den ganzen Abend verbringen, ohne für die unterschiedlichen Unterhaltungsaktivitäten eine neue Location aufsuchen zu müssen.

Ein Blick hinter die Fassaden zeigt idyllische und ruhige Hinterhöfe und Gärten, Werkstätten und Läden, die noch aus den 1950er- und 60er-Jahren stammen; daneben kleine, liebenswürdig und individuell eingerichtete Kneipen und Cafés.

Individualität wird groß geschrieben, das zeigt sich in den zahlreichen Independant-Labels, wo Tracht auf Afrika trifft, den kleinen Handwerksbetrieben, wie Schneidereien, Werkzeugläden und Stoffgeschäften. Kreative Namensgebungen wie „Blutsgeschwister“, Werkzeughandel „Schrauben-Mutter“, „Süßmund“ und „Götterspeise“ machen neugierig.

Tief im Viertel verwurzelt sind Institutionen, wie das Kloster der Niederbronner Schwestern mit einem Mädchenwohnheim. Quasi eine Institution im Viertel ist der Pfarrer der Maximilianskirche, Rainer Maria Schießler. Seine kreativen Gottesdienste und Aktionen, wie Fahrzeugsegnungen und „Viecherlmessen“, sind legendär.

Schon seit den 1960er-Jahren gibt es hier schwule Kneipen und Initiativen für sexuelle Gleichberechtigung. Das Leben der Münchner LGBT-Community spielt sich ebenfalls im hippen Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel ab mit seinen Szene-Bars, -Clubs und -Geschäften vor allem rund um die Müllerstraße.

Die Mitglieder der Rainbow-Community haben hier Heimat und Freiheit zugleich gefunden. Dass man sich selbstbewusst und selbstverständlich als schwul oder lesbisch zu erkennen gibt, ist schon lange kein Aufreger mehr.

Die wohl wildeste Zeit erlebte die Szene in den 1980er-Jahren. Queen-Sänger Freddie Mercury, der die bayerische Landeshauptstadt zu seiner zweiten Heimat auserkoren hatte, feierte in den Szenetreffs wie Old Mrs. Henderson (heute Paradiso Tanzbar), Deutsche Eiche oder Frisco (heute Padres) legendäre Partys. Seine Liebe zu München war so groß, dass er in der Hans-Sachs-Straße sogar zeitweilig eine Wohnung bezog.

Auch Rainer Werner Fassbinder, einer der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films der 1970er- und 80er-Jahre und Begründer des Münchner Antitheaters, wohnte vier Jahre lang in der Reichenbachstraße – mit Blick auf sein Stammlokal Deutsche Eiche.

Die Botschaft an die Gäste der Stadt ist eine eindeutige: München leuchtet – in allen Farben des Regenbogens!

 

 

Text: München Tourismus; Fotos: Frank Stolle; Illustration: Julia Pfaller; Video: Redline Enterprises