Passionsspiele Oberammergau

Das Spiel vom Leiden, Sterben und der Auferstehung

Die Passionsspiele Oberammergau gehen auf eine lange Tradition zurück. Alle zehn Jahre bringen die Bewohner des Ortes bereits seit 1634 das heute wohl erfolgreichste und größte Laienspiel der Welt auf die Bühne. Die nächste Aufführung findet am 16. Mai 2020 statt.

Woher kennt man Oberammergau? Der pittoreske Ort liegt keine 100 Kilometer südwestlich von München im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Ein Wanderweg mit Ammergauer Alpenpanorama verbindet ihn mit dem weltberühmten Schloss Linderhof von Märchenkönig Ludwig II. Außerdem gibt es ja auch noch diesen Volkslied-Ohrwurm: „Ob er aber über Oberammergau, oder aber über Unterammergau, oder aber überhaupt nicht kommt, des ist net g'wiss“. Sicher aber, wie das Amen in der Kirche, ist die Ankunft von Jesus und seinen Jüngern im nächsten Jahr bei den Passionspielen in Oberammergau. 2020 führen die Oberammergauer das Spiel vom Leiden, Sterben und der Auferstehung des Gottessohns zum 42. Mal im eigens dafür errichteten Passionstheater auf.

Die Bewohner des 5000 Seelendorfes lösen mit dem Theaterstück ein uraltes Gelübde ein: 1633, mitten im Dreißigjährigen Krieg, schworen die Oberammergauer unter dem Eindruck von 80 Pesttoten den Eid, alle 10 Jahre die Passion Christi aufzuführen, wenn der Ort vor weiteren Opfern verschont bliebe. Und da das Sterben tatsächlich ein Ende nahm, brachten die Bürger 1634 das erste Passionsspiel auf die Bühne. Mit über 2000 Mitwirkenden sind die Passionsspiele Oberammergau heute das größte und wohl erfolgreichste Laienspiel der Welt. Seit 2014 zählen sie sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

In eine der zahlreichen Rollen schlüpfen kann nur, wer im Ort geboren wurde, oder seit mindestens 20 Jahren hier lebt. Jede der 21 Hauptrollen wird doppelt besetzt, für einen Einzelnen wäre es nur schwer möglich, den Aufführungsmarathon von Mai bis Oktober durchzustehen. Auch die Zuschauerinnen und Zuschauer müssen etwas Zeit mitbringen: Die elf Akte des Spiels dauern insgesamt fünf Stunden. Dazwischen liegt eine dreistündige Pause. Wer von außerhalb anreist, hat meistens eine oder zwei Übernachtungen gebucht.

Selbstverständlich ist auch der Spielleiter Christian Stückl ein gebürtiger Oberammergauer. 2020 wurde er bereits zum vierten Mal mit der Inszenierung der Passionsspiele betraut. Wie viele seiner Vorgänger hat er unter anderem das Handwerk der Herrgottsschnitzer gelernt. Die traditionellen Holzfiguren und Schnitzereien sind eine Touristenattraktion in Oberammergau, genauso wie die bemalten Häuser im Stil der Lüftlmalerei und eben die Passionsspiele. Über eine halbe Million Besucher reisten dafür 2010 nach Oberammergau, allen voran Amerikaner und Engländer.

In seinen 30 Jahren als Spielleiter hat Stückl viele Veränderungen durchgesetzt: eine gründliche Umarbeitung der Textvorlage, aus der auch judenfeindliche Passagen entfernt wurden, die Verlegung eines Teils der Aufführung in die Abendstunden und die Gleichberechtigung der weiblichen Darsteller. Nicht gerüttelt hat er am sogenannten Barterlass, der vorschreibt, dass alle Darstellerinnen und Darsteller für ihren Auftritt gute eineinhalb Jahre auf Haareschneiden und Rasur verzichten müssen. Mit dem Anschlag des Barterlasses an die Tür des Festspielhauses begann bereits im Oktober 2018 die heiße Phase der Vorbereitungen. Premiere feiern die Passionsspiele Oberammergau 2020 am 16. Mai.

www.passionsspiele-oberammergau.de

 

 

Foto: Passionsspiele Oberammergau / Kienberger

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