„Grantler“ bezeichnet im Bairischen einen mürrischen Menschen. Mit der satirischen Erzählung „Der Münchner im Himmel“ hat der Schriftsteller Ludwig Thoma ein Paradebeispiel für diesen Charakterzug geschaffen, den viele für typisch münchnerisch halten.
Der deutsche Schriftsteller und Rechtsanwalt Ludwig Thoma erlangte große Bekanntheit durch seine lebensnahen wie bissig-satirischen Schilderungen des bayerischen Alltags und der zeitgenössischen Politik. Er zog 1894 nach München und arbeitete dort unter anderem für die Satirezeitschrift Simplicissimus. Zu seinen bekanntesten Erzählungen gehört „Der Münchner im Himmel“ mit der Hauptfigur Alois Hingerl.
Hingerl, ein Dienstmann am Münchner Hauptbahnhof, erledigte einen Auftrag mit solcher Hast, dass er vom Schlag getroffen zu Boden sank und von zwei Engeln mit viel Mühe in den Himmel geschleppt wurde. Dort soll er als Engel Aloisius den ganzen Tag lang „Frohlocken“ und „Hallelujah singen“, und – als wäre das noch nicht genug – statt seines geliebten Münchner Bieres „himmlisches Manna“ trinken.
Das ist ihm natürlich gar nicht recht. „Sacklzementhalleluja! Luhja, sog i!“ schmettert er schließlich zornig von einer Wolke, was den lieben Gott aufgrund der Herkunft seines neuen Schützlings nicht zu überraschen scheint: „Aha, ein Münchner“, bemerkt er lakonisch und schickt Aloisius schnell wieder hinab nach München mit dem Auftrag, der Bayerischen Regierung die göttlichen Eingebungen zu überbringen.
Zurück zum Stammplatz im Hofbräuhaus: Sobald Aloisius wieder den Boden seiner Heimatstadt betritt, landet er – einer alten Gewohnheit gemäß – im Hofbräuhaus auf seinem alten Stammplatz. Dort vergisst er bei einer Maß und noch einer Maß den göttlichen Auftrag samt der Bayerischen Regierung. Als Ludwig Thoma den „Münchner im Himmel“ im Jahr 1911 schrieb, brachte ihm der Schlusssatz „ … und so wartet die Bayerische Regierung bis heute auf die göttlichen Eingebungen“ eine saftige Geldstrafe ein.
Weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt wurde die satirische Erzählung durch den Zeichentrickfilm von Traudl und Walter Reiner aus dem Jahr 1962, gesprochen von Adolf Gondrell. Im Frühjahr 2026 kommt „Der Münchner im Himmel“ außerdem als Film in die Kinos: Hier folgt man dem Taxifahrer „Wiggerl“, gespielt von Maximilian Brückner, der nach einem Verkehrsunfall im Himmel landet. Als irdischer Halbengel kommt er auf die Erde zurück, um an seinem Karma zu arbeiten. Die Regie führte David Dietl, der Sohn des bekannten Münchner Regisseurs Helmut Dietl, den man von Kultserien wie „Kir Royal“ oder dem „Monaco Franze“ kennt.
In München begegnet man Aloisius allerorten: Als Faschingskostüm, in Souvenirshops und sogar überlebensgroß im Hofbräuzelt auf dem Oktoberfest, wo er mit einer Harfe in der Hand über den Köpfen der Festgäste schwebt.