München und die Musik

Luxus pur: Musikmetropole München

In München treten täglich hochrangige Solisten aus der ganzen Welt auf. In der Landeshauptstadt ist man musikalischen Luxus gewohnt und weiß ihn zu genießen. Neben den Spitzenorchestern sorgen auch andere Klangkörper für spannende Programme.

Orlando di Lasso, einer der bedeutendsten Komponisten der Hochrenaissance, verbrachte in München ruhmreiche Jahrzehnte als Leiter der Hofkapelle. Herausragende Musiktheaterstücke Richard Wagners („Tristan und Isolde”, 1865, „Die Meistersinger von Nürnberg”, 1868) wurden hier uraufgeführt. Richard Strauss wurde in München geboren. Mozarts „Idomeneo” trat in der Landeshauptstadt zum ersten Mal ins Rampenlicht (1781). Beinahe wäre Mozart auch Münchner geworden – er bewarb sich um die Stelle als Hofkapellmeister, doch es gab keine „Vakanz" für ihn. Mozarts Bestreben, an der Isar Fuß zu fassen, zeigt deutlich, dass München schon vor über 200 Jahren ein begehrtes Pflaster für hochrangige Musiker war.

In München zuhause sind drei Weltklasseorchester mit international renommierten Dirigenten an der Spitze. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit dem Chefdirigenten Mariss Jansons, die Münchner Philharmoniker mit Valerie Gergiev, ebenfalls Chefdirigent, und das Bayerische Staatsorchester (das Orchester der Bayerischen Staatsoper) seit 2013 mit Kirill Petrenko als Generalmusikdirektor: Diese drei Klangkörper sind die klassischen Flaggschiffe des Münchner Musiklebens.

Das Bayerische Staatsorchester hat neben seiner Gegenwart als weltweit geschätzter Opern-Klangkörper eine ungewöhnlich weit zurückreichende Geschichte zu bieten: Seine Wurzeln liegen im 16. Jahrhundert.

Das Bayerische Staatsorchester hat neben seiner Gegenwart als weltweit geschätzter Opern-Klangkörper eine weit zurückreichende Geschichte zu bieten: Seine Wurzeln liegen im 16. Jahrhundert; 1563 übernahm der Komponist Orlando di Lasso die Leitung der Hofkapelle des Herzogs Albrecht V., der Vorläuferin des Bayerischen Staatsorchesters. 1778 wurde das Münchner Hoforchester mit 33 Musikern der damals weltberühmten Mannheimer Hofkapelle zusammengeführt - denn Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz trat in München sein Regierungserbe an. Er brachte seine in der ganzen Musikwelt geschätzten Musiker mit, die damals für avantgardistische Orchesterkultur standen.

Mariss Jansons, Valerie Gergiev und Kirill Petrenko setzten eine beeindruckende Liste von Dirigenten fort, die wichtige Jahre und Jahrzehnte des Münchner Musiklebens geprägt haben. Um nur einige zu nennen: Hans von Bülow, Hermann Levi, Hans Knappertsbusch, Bruno Walter, Sir Georg Solti, Wolfgang Sawallisch, Zubin Mehta, Carlos Kleiber, Rafael Kubelik, Christian Thielemann, Kent Nagano und nicht zuletzt Sergiu Celibidache, der 18 Jahre lang, von 1979 bis 1996, die Münchener Philharmoniker zu einem ganz eigenen Klangbild führte. Ihm folgte James Levine nach. Erwähnt sei noch das gefeierte Bayerische Staatsballett, dessen Direktion zur Saison 2016/17 Igor Zelensky übernommen hat.

Ein weiteres Orchester, das sich in den letzten Jahren einen internationalen Spitzenplatz erobert hat, ist das Münchener Kammerorchester. Mit einem überaus mutigen Programm zwischen Klassik und Moderne setzte es Maßstäbe.

Ein weiteres Orchester, das sich einen internationalen Spitzenplatz erobert hat, ist das Münchener Kammerorchester. Seit den neunziger Jahren hat sich das Ensemble ein markantes Profil verschafft. Mit seinem mutigen Programm zwischen Klassik und Moderne setzte es Maßstäbe. Mehrmals wurde das Münchener Kammerorchester von den Deutschen Musikverlegern für das beste Konzertprogramm einer Saison ausgezeichnet. Komponisten wie Wolfgang Rihm, Jörg Widmann und Iannis Xenakis schrieben Auftragswerke für dieses Orchester.

Mit der Saison 2016/17 hat Clemens Schuldt sein Amt als neuer Chefdirigent in der Folge von Alexander Liebreich angetreten. Auch die Münchner Symphoniker spielen eine wichtige Rolle im Münchner Musikleben. Sie waren ehemals das Orchester des Komponisten und Dirigenten Kurt Graunke. Heute stehen sie unter der Leitung von Kevin John Edusei, mit Philippe Entremont und Ken-David Masur als Ehren – beziehungsweise Gastdirigenten. Neu ist die After-Work-Konzertreihe „HörBar Schmelztiegel“. Bei einer Konzertlänge von einer Stunde ohne Pause bleibt auch im Anschluss an das Konzert noch ausreichend Zeit für einen gemütlichen Ausklang des Abends. Das Besondere daran: Das große Orchester hautnah und im kleinen Rahmen zu erleben. Ausdrücklich erwünscht: Kommen, wie man ist, und das Getränk mit in den Saal nehmen!

Das Münchner Rundfunkorchester ist das zweite Orchester des Bayerischen Rundfunks und steht seit 2017 unter der musikalischen Leitung des Dirigenten Ivan Repušić. Konzertante Opernaufführungen mit herausragenden Sängern im Rahmen der Sonntagskonzerte und die Reihe „Paradisi gloria“ mit geistlicher Musik des 20./21. Jahrhunderts gehören ebenso zu seinen Aufgaben wie Kinder- und Jugendkonzerte mit pädagogischem Begleitprogramm, Themenabende unter dem Motto „Mittwochs um halb acht“ oder die Aufführung von Filmmusik. Das Münchner Rundfunkorchester ist am Puls der Zeit wie es immer wieder auch mit anderen symphonischen Grenzgängen − vom Jazz bis zur Video Game Music beweist. 

Von der Krimi-Autorin Donna Leon weiß man, dass sie jahrelang der Oper wegen nach München reiste. Sie liebt Händel und schätzte die Vielzahl der Händel-Produktionen an der Bayerischen Staatsoper unter Sir Peter Jonas (1993 bis 2006). Während seiner Intendanz verschaffte sich das Haus die Reputation, nicht nur Wagner-, Verdi- und Mozart-Glanz bieten zu können, sondern auch stets zu überraschen. Jonas pflegte besonders die Barockoper und einen grell-witzigen Inszenierungsstil mit Regisseuren wie David Alden oder Martin Duncan und dem musikalischen Feuer des Barock- Spezialisten Ivor Bolton.

Unter dem Intendanten Sir Peter Jonas (1993 bis 2006) verschaffte sich die Bayerische Staatsoper die Reputation, nicht nur Wagner-, Verdi- und Mozart-Glanz bieten zu können, sondern auch stets zu überraschen.

Heute leitet Nikolaus Bachler, der vom Wiener Burgtheater kam, die Bayerische Staatsoper. Er setzt wie Jonas auf hohe Qualität mit Regisseuren wie Christoph Loy und wagt auch Provozierendes, etwa mit Christian Stückls Inszenierung von „Palestrina". Diese Oper ist eine Komposition des für seine Rolle im Nationalsozialismus umstrittenen Hans Pfitzner und wurde 1917 in München uraufgeführt. Die Bayerische Staatsoper fasst 2.100 Zuschauer und verfügt mit 2.500 Quadratmetern Bühnenfläche über die weltweit drittgrößte Opernbühne nach der Opéra Bastille in Paris und dem Teatr Wielki in Warschau. Jedes Jahr im Juni/Juli sind spektakuläre Premieren und die wichtigsten laufenden Produktionen bei den Münchner Opernfestspielen in Starbesetzung zu erleben.

Das Staatstheater am Gärtnerplatz, 1865 als Actien-Volkstheater gegründet, ist eines der beiden großen Opernhäuser Münchens. Es vereint unter seinem Dach die Sparten Oper, Operette, Musical, Tanz und Konzert. Seit der Spielzeit 2012/13 steht es unter der Intendanz von Josef E. Köpplinger, der das Renommee des Hauses kontinuierlich ausbaute. Nach fünfjähriger Sanierung wurde im Herbst 2017 das Stammhaus am Gärtnerplatz wieder bezogen und mit einer großen Festgala eröffnet. Weit über 200 Vorstellungen, dazu viele Sonderveranstaltungen, stehen jährlich auf dem Spielplan. Das Theater wurde mehrfach national und international ausgezeichnet, nicht zuletzt wegen seines in Deutschland einzigartigen genreübergreifenden Sängerensembles.

Beide Münchner Opernhäuser haben vielbeachtete Inszenierungen auch im unter August Everding 1995 wiedereröffneten und prächtig restaurierten Prinzregententheater gezeigt. Das 1901 eröffnete Haus ist die Heimstatt der Bayerischen Theaterakademie und als besonders schöner Raum nach dem Vorbild des Bayreuther Festspielhauses ein begehrter Spielort.

Musikmetropole München

Entdecken Sie zusammen mit einem Guide der Stadt München die Stationen von Mozart, Wagner und Strauss sowie die aktuellen Künstler von Weltrang. Alle Infos finden Sie hier.

Maßstäbe für neue Opern-Ästhetik setzt die 1988 aus der Taufe gehobene Münchener Biennale für neues Musiktheater. Der Komponist Hans Werner Henze initiierte und leitete einst dieses Festival; sein Nachfolger war der Komponist und Intendant Peter Ruzicka. Die Münchener Biennale gehört zu den avantgardistischen Aushängeschildern Münchens. Sie ist weltweit das einzige Festival, das ausschließlich Uraufführungen von Werken des neuen Musiktheaters zeigt und hat jungen Komponisten und Komponistinnen schon in der Vergangenheit vielfältige Möglichkeiten eröffnet, sich und ihre künstlerischen Ambitionen auf höchstem Niveau auszuprobieren. 2016 übernahmen die beiden Komponisten Daniel Ott und Manos Tsangaris die künstlerische Leitung der Biennale.

München ist eine Stadt der offenen Ohren. Neben der Musiktheater-Biennale halten sich hier auch Reihen wie die von Komponist Karl Amadeus Hartmann nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Avantgarde-Reihe Musica viva (veranstaltet vom Bayerischen Rundfunk), sowie ein alternatives Forum junger Komponisten namens ADEvantgarde, das über die Jahre immer mehr Beachtung als Garant für unalltägliche Musik wurde. Die Reihe Musica viva wurde seit 1996 unter der Leitung von Udo Zimmermann zu einem Publikumsmagneten; 2011 übernahm der angesehene Musikwissenschaftler Winrich Hopp die künstlerische Leitung.

Wichtige Impulse verdankt das Festival dem Komponisten und Mitorganisator Josef Anton Riedl, der auch fünf Jahrzehnte lang überdies eine Experimentalmusik-Reihe namens Klang-Aktionen veranstaltete, die immer wieder mit ungewöhnlichen Programmen auf sich aufmerksam machte – nicht zuletzt mit Lautpoesie des Bachmann-Preisträgers Michael Lentz.

Eine weitere Facette zum neuen Musikleben in der Stadt fügt das Orchester Jakobsplatz München zu. Programmatisch setzt das Ensemble seinen Fokus auf selten gespielte Werke jüdischer Komponisten, kombiniert mit Musik des 20./21. Jahrhunderts. Das Orchester wurde 2005 unter der Federführung von Daniel Grossmann, dem heutigen künstlerischen Leiter, gegründet. Seit 2007 ist das Orchester Jakobsplatz München regelmäßig im Hubert-Burda-Saal im Jüdischen Zentrum Jakobsplatz mit einem Konzertzyklus zu erleben. Ein fester Bestandteil der Reihe ist seit Herbst 2009 das Konzert zum Jüdischen Neujahr. „Happy new ears", das Bonmot des großen John Cage, würde auch hier passen.

Von vielen wird der Jazz als die zweite klassische Musik seit dem 20. Jahrhundert angesehen. In München hat diese Musik, die „Kunst der Blue Notes", eine höchst lebendige Tradition.

Von vielen wird der Jazz als die zweite klassische Musik seit dem 20. Jahrhundert angesehen. In München hat diese Musik, die „Kunst der Blue Notes", eine höchst lebendige Tradition. Nach dem Zweiten Weltkrieg gastierten die Stars wie Louis Armstrong und Duke Ellington, später auch John Coltrane, im Kongress-Saal des Deutschen Museums und an anderen Spielorten der Stadt, Musiker wie Abdullah Ibrahim gehören zu den Stammkünstlern in Clubs wie dem berühmten, heute nicht mehr existierenden „Domicile"; der „heißeste" Saxophonist der deutschen Jazzszene der 1950er- und 60er-Jahre, Max Greger, war in München beheimatet, der Saxophonist und Filmmusik-Star Klaus Doldinger ließ sich in Münchens Nähe nieder.

Auf vielen Bühnen wird in München gejazzt – von der Philharmonie im Gasteig bis im nun schon über ein Vierteljahrhundert existierenden, täglich geöffneten und weltweit geschätzten Club „Unterfahrt", der 2012 den Musikpreis der Stadt München erhielt. Auch im Bayerischen Hof wird Jazz auf höchstem Niveau geboten. Seit 2009 bietet der BMW Welt Jazz Award eine hochkarätige Reihe von Matinee-Konzerten bei freiem Eintritt, die so beliebt sind, dass am Sonntag Morgen die Besucher quer durch die BMW Welt bis zur U-Bahn Schlange stehen, um noch einen Platz in der spektakulären Architektur des Doppelkegels zu ergattern. Darüber hinaus sind in München vier weltweit bekannte und überaus erfolgreiche Plattenlabels ansässig, deren Hauptakzent auf dem Jazz liegt: ECM, enja, Winter & Winter und ACT.

Auf dem Max-Joseph-Platz vor der Staatsoper erleben Gäste und Einheimische bei Oper für Alle im Rahmen der alljährlichen Opernfestspiele kostenlos ein Konzert und die Liveübertragung einer Opernaufführung. Diese Veranstaltung ist sowohl Publikumsmagnet wie auch Stimmungshöhepunkt im Münchner Musik-Sommer. Klassik am Odeonsplatz steht für Musik auf höchstem Niveau in einzigartiger Kulisse. Seit der Gründung des hochkarätigen Klassik-Open-Airs im Jahr 2000 treten an einem Wochenende im Juli auf einem der prachtvollsten Plätze Europas die Münchner Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zusammen mit weltberühmten Klassikstars auf.

Auf dem Max-Joseph-Platz vor der Staatsoper gibt es während der Opernfestspiele stets „Oper für alle" an ausgewählten Tagen - mit Übertragungen auf Großleinwand und per Lautsprecher.

Zwischen 2000 und 2018 mit dabei waren der Schlagzeuger Martin Grubinger, der Geigenvirtuose David Garrett, die Sopranistin Diana Damrau, der chinesische Pianist Lang Lang und viele andere mehr. Veranstalter sind der Bayerische Rundfunk und die Landeshauptstadt München. An beiden Konzerttagen zusammen finden insgesamt 16.000 Besucher Platz. Das Sommer-Event hat sich inzwischen als festes Highlight und eine von vielen spannenden Facetten der Musik Metropole München etabliert.

 

 

Text: München Tourismus; Fotos: Christian Kasper, Werner Böhm