München gilt als einer der führenden zehn Deep-Tech-Standorte der Welt. Warum das Klima im „Isar Valley“ so optimal ist für die Entwicklung bahnbrechender Technologien, und wo man sie erleben und diskutieren kann, darüber hat unsere Autorin mit Zweien gesprochen, die es wissen müssen: Prof. Dr. Michael Decker, Generaldirektor des Deutschen Museums, und Prof. Dr. Helmut Schönenberger, CEO und Mitgründer der UnternehmerTUM GmbH, Europas führendem Gründungszentrum in München.
Ich verabrede mich mit den beiden Koryphäen in der Future Box im Deutschen Museum, einem perfekten Ort, um über das Thema „Innovation in München“ zu sprechen, denn hier sind neueste Technologien von Start-ups aus München und Bayern wie Quantencomputer, Raumschiffe und humanoide Roboter ausgestellt. Zum Interview steht uns die Box ausnahmsweise exklusiv zur Verfügung, aber normalerweise kann die interaktive, von einer KI moderierte Erlebnisausstellung, von allen Museumsgästen gebucht werden. Ich habe selbst vor einigen Tagen an einer Führung teilgenommen und war so begeistert, dass ich dieses Erlebnis während des Interviews immer mal wieder Revue passieren lasse.
Jetzt aber nehme ich erstmal zwischen den beiden Münchner Professoren Michael Decker (rechts im Titelbild) und Helmut Schönenberger (links im Titelbild) Platz am „virtuellen Lagerfeuer“ in der Future Box, um meine Fragen rund um den Innovationsstandort München zu stellen.
Herr Professor Decker, viele Menschen sind neugierig auf Zukunftstechnologien, davon aber erstmal auch oft überfordert. Wie nehmen Sie den Gästen im Deutschen Museum die Schwellenangst ?
Prof. Decker: Also tatsächlich sind ja ein Großteil der Innovationen, die wir im Deutschen Museum ausstellen, so etwas wie vergangene Zukünfte. Als diese Technologien entwickelt wurden, gab es entsprechende Bedarfe in der Gesellschaft, einen gesellschaftlichen Kontext, aus dem heraus diese Entwicklungen passiert sind. Viele Menschen springen direkt auf die Technik an, die natürlich auch für sich glänzt. Es gibt aber immer auch andere, die sich eher über die historischen Zusammenhänge nähern – wie die Leute zu einer bestimmten Zeit gelebt haben, wie die politische Situation war, in der es zu dieser erfolgreichen Innovation kommen konnte. Es ist mir ein Anliegen, diese verschiedenen Zugangspfade zu berücksichtigen und unterschiedliche Perspektiven auf die Technologien in der Ausstellung anzubieten.
Auch hier in der Future Box, wo jüngste technologische Entwicklungen aus München und Bayern von einer KI vorgestellt werden?
Prof. Decker: Ja, unterschiedliche Perspektiven anzubieten, hilft einem dann auch für das Verständnis der neuen Technologien, wo Menschen nun einmal einen ganz unterschiedlichen Wissensstand mitbringen. Wie im Übrigen auch bei der KI: Ich würde heute noch behaupten, dass die meisten Menschen von KI gar nicht so viel verstehen, obwohl wir in der Gesellschaft schon so lange darüber reden. Viele sagen sich vielleicht, ja Mensch, wenn alle schon so lange darüber reden, kann ich mich doch jetzt nicht hier noch hinstellen und fragen, was ist das eigentlich genau?
Hier sind solche Fragen nach der Funktionsweise modernster Techniken aber nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht?
Prof. Decker: Ja, Fragen zu stellen ist quasi Teil des Ausstellungs-Konzeptes der Future Box. Darüber hinaus haben die Leute hier die Möglichkeit, mit anderen Besucherinnen und Besuchern über das, was hier an Technik und neuen Erfindungen ausgestellt ist, in den Austausch zu kommen. Auch über Grenzen – darüber, wo wir als Menschheit vielleicht nicht mehr weiter gehen sollten. Und darüber, was wir ganz prima finden, wie die Chance, bald zum Mond zu fliegen. Jetzt hatten wir ja gerade die Artemis-Mission mit dem Rundflug um den Mond, die von den Medien ganz positiv aufgenommen wurde, das haben wir hier auch dargestellt.
In der Future Box komme ich tatsächlich auch als nicht Technik-Nerd auf meine Kosten. Das kann ich nach meinem Besuch dort nur bestätigen. Ich habe in Naturwissenschaften nicht gerade geglänzt, wie wahrscheinlich die wenigsten aus der bunt gemischten Gruppe aus Kindern, Jugendlichen, Eltern und Großeltern, die am Tag der Führung mit mir von der Partie sind. Ein blaugrüner Lichtschweif weist uns den Weg durch die Dunkelheit. Die Begrüßung durch die freundliche KI namens „AI-ME“ nehmen wir ganz selbstverständlich hin. Nach ihrem Einführungsvortrag geleitet sie uns weiter zu den unglaublich interessanten Ausstellungsstücken: digitale Zwillinge von menschlichen Herzen, die heute schon die Leben von Neugeborenen mit Herzfehlern retten können, Miniatursterne, die auf der Erde nachgebaut wurden, und in absehbarer Zeit CO2-freie Energie liefern sollen. Menschenähnliche Roboter, die lernen, wie man bügelt, Blumen gießt und Menschen pflegt. Das Konzept geht auf: Die Leute stellen eine Frage nach der anderen. Manche trauen sich sogar mehrmals ans Mikro. Die Älteren fragen oft nach den Kosten einer Technologie, die jüngsten Teilnehmer*innen interessieren sich dafür, wie viele Tiefkühlpizzen man sich für dieses Geld kaufen könnte und ob ein Roboter nicht über Teppichkanten stolpert ...
Herr Prof. Schönenberger, Sie haben hier in der Future Box wahrscheinlich auch einige Ausstellungsstücke erkannt, deren Entstehen von Ihnen gefördert wurde. Gibt es darunter Technologien, die Sie ganz besonders faszinieren?
Prof. Schönenberger: Das Tolle an den Ausstellungsstücken hier ist ja, dass alle wirklich ein unglaublich hohes Erfindungspotential, eine unglaubliche Möglichkeit haben, die Welt zu verändern. Also beispielsweise das Fusionskraftwerk, das ausgestellt ist von Proxima Fusion, bietet die Möglichkeit, eine Energie in unerschöpflicher Weise zu sehr günstigen Konditionen zu schaffen. Wir befinden uns gerade in einer Ölkrise und da sieht man, wie wichtig das ist. Was wäre, wenn Deutschland eine Energiequelle hätte, die unglaublich günstig ist und ohne irgendwelche Restriktion zur Verfügung steht? Das verändert unser Land komplett zum Positiven. Und das zeigt: Nur ein Ausstellungsstück in einer Vitrine hier kann die Bundesrepublik wieder komplett auf einen Wachstumskurs schicken.
Ich habe vorhin gelauscht, da haben Sie Herrn Professor Decker über die Entstehung des FOREST-1-Satelliten von OroraTech erzählt, der im selben Raum zu sehen ist.
Prof. Schönenberger: Das Start-up Ororatech ist entstanden aus einer Gruppe von Studierenden an der Technischen Universität München (TUM), die eine Waldbranddetektion, eine Technologie zur Erkennung von Waldbränden in Echtzeit, bauen wollten. Sie haben dazu einen Satelliten aufgebaut und ins Weltall geschickt. Die nächste Stufe wird sein, eine ganze Satellitenkonstellation zu schaffen, mit der weltweit Waldbrände detektiert werden können. Und das Gute ist: Man hat entdeckt, dass diese technischen Möglichkeiten, die eigentlich für Waldbrände entwickelt wurden, auch für viele weitere technische Anwendungen und nicht nur für Waldbrände genutzt werden können. Auch dieses Beispiel zeugt vom konstanten Fortschritt und wir als Münchner und Bayern, als Deutsche und als Europäer, wir haben die Möglichkeit, mitten in diesem Spiel dabei zu sein. Und das ist das Schöne auch am Deutschen Museum. Da siehst du, was Generationen vor uns bewegt haben und wie das alles positiv unsere Welt, unser persönliches Leben beeinflusst hat und unsere Chance ist es, mit der Generation jetzt, aber auch mit der unserer Kinder, diesen tollen Weg weiterzugehen.
Fragen zu stellen ist quasi Teil des Ausstellungs-Konzeptes der Future Box. Darüber hinaus haben die Leute hier die Möglichkeit, mit anderen Besucherinnen und Besuchern über das, was hier an Technik und neuen Erfindungen ausgestellt ist, in den Austausch zu kommen. Auch über Grenzen – darüber, wo wir als Menschheit vielleicht nicht mehr weiter gehen sollten.
Sie selbst tragen ja wesentlich dazu bei, jungen Menschen den Weg zum eigenen Unternehmen zu ebnen. Man nennt Sie auch „Mister Start-up“. Würden Sie mal kurz schildern, was Sie in München gestartet haben, was die Idee dahinter war und was München dadurch hat, was andere vielleicht nicht haben, aber gerne hätten?
Prof. Schönenberger: Ich habe vor 20 Jahren die UnternehmerTUM mitgegründet. Das kam aus meiner Diplomarbeit und es ging darum, wie man jungen Menschen ermöglichen kann, neue Erfindungen und Firmen zu schaffen und das wirklich im weltweiten Maßstab. Vorbild war Stanford im Silicon Valley. Die Universität in den USA macht das schon sehr lange, sehr sehr gut und diesen Gründungsgeist und wie man Firmen aufbaut, das habe ich mit meinem Team nach München gebracht, und inzwischen gilt München als eine der zehn erfolgreichsten Deep-Tech-Standorte dieser Welt.
Mal angenommen, ich komme als aufgeregte Erstsemesterin an die TUM. Wo begegnet mir der Gründungsgeist? Wie komme ich denn überhaupt in Kontakt mit den Leuten von der UnternehmerTUM?
Prof. Schönenberger: Gleich am ersten Tag gibt es eine große Einführungsveranstaltung, zu der die 15.000 neuen Studierenden, die jedes Jahr an die TU München kommen, zusammenkommen. Das ist ein Festival, und auf diesem Festival erzählen auch die aktuellen Student*innen und die erfolgreichen Gründer*innen, was sie eigentlich die letzten fünf oder sechs Jahre gemacht haben. Welche Produkte sie gebaut haben und welche Firmen jetzt entstanden sind. Und so ist vom Tag eins der Geist da, dass man als junger Mensch Teil dieser Innovationsreise sein kann, und eben gemeinsam neue Produkte und Dienstleistungen ganz handfest bauen kann. Viele der Ausstellungsstücke, die Sie hier in der Future Box sehen, sind von diesen jungen Menschen geschaffen worden. Neben Carl von Linde und all diesen anderen tollen Erfinderinnen und Erfindern im Deutschen Museum, die ja alle diesen Weg beschritten haben. Die auch alle mal junge Menschen waren, die Neues entdeckt haben und so mutig und so ambitioniert, die Welt neu zu entdecken und neu zu erfinden.
Die künstliche Intelligenz namens „AI-ME“, die die Gäste durch die Future Box führt, blickt ja in ihrer Einführungsrede kritisch auf uns Menschen. Sie sagt, ihr habt viel erfunden, aber ihr habt auch viel kaputt gemacht. Achten heutige Erfinder*innen mehr auf Nachhaltigkeit?
Prof. Schönenberger: Wenn Neues erfunden wird, sollte das ökologisch, gesellschaftlich, aber auch wirtschaftlich sinnvoll sein. Das ist die Definition von Nachhaltigkeit. Und wenn bei uns Gründerinnen und Gründer an neuen Dingen dran sind, dann sind es genau diese Dimensionen, die angeschaut werden. Und das kann dann sein, dass Altlasten behoben werden, aber es kann auch sein, dass komplett neue Dinge wie Quantencomputer erfunden werden. Das ist im Grunde ein total offenes Spiel und letztendlich geht es darum, die Chancen, die Möglichkeiten, die es gibt, neu zu fassen und unsere Leben und unsere Umwelt besser zu machen.
„AI-ME“, unsere virtuelle Gastgeberin während der Führung durch die Future Box, sieht die Menschheit einerseits kritisch, vertraut aber andererseits auf deren Forschergeist, um ein Leben im Einklang mit unserem Planeten in Zukunft möglich zu machen. Sie begrüßt alle Fragen, die wir während der Führung stellen. Und wenn sie einmal ins Stocken kommt, moderieren die menschlichen Future Hosts. So lernen wir einiges: Dass beispielsweise die Außenhaut der Raumkapsel NYX auch aus Naturkork besteht und bereits 2028 an die Raumstation ISS zu deren Versorgung andocken soll. Und dass sie nicht als Weltraumschrott enden wird. Wie gut, denn durch eine virtuelle Brille können wir gleichzeitig sehen, welche Unmengen von Müll unseren Planeten umkreisen ...
Wenn man die Vita der Erfinder*innen von früher betrachtet und vergleicht mit den jungen Unternehmer*innen von heute, was hat sich geändert ?
Prof. Schönenberger: Heute ist es viel einfacher, zu gründen, weil die ganzen Unterstützungsmöglichkeiten da sind. Die TU München zum Beispiel ist ein Ort, der zum Paradies für Gründer wurde. Student*innen haben Zugang zu diesen ganzen Technologien, sie können im Maker Space, der Hightech-Werkstatt von UnternehmerTUM, ihre Prototypen bauen, sie können mit Firmenpartnern hier im Münchner Netzwerk die Dinge testen. Früher war es viel mühsamer, viel kleiner, viel langsamer. Die Herausforderung heute ist, dieses Rennen viel schneller zu laufen. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten sehr viel besser und auch das Verständnis dafür, wie man neue Dinge schafft und dann wirklich auch groß herausbringt und zu weltweiten Erfolgen macht.
Wie sieht es denn mit dem Frauenanteil aus? Fassen auch immer mehr Frauen den Mut zu gründen?
Prof. Schönenberger: Gott sei Dank, ja, wir machen eigene Programme dafür. Jede erfolgreiche Gründerin zieht weitere erfolgreiche Gründerinnen nach, weil diese Role Models, diese Vorbilder so wahnsinnig wichtig sind. Wir Menschen werden ja insbesondere durch andere Menschen inspiriert. Und wenn man erlebt, dass die Studentin, die vor vier Jahren angefangen hat, das auch geschafft hat, dann sind auch andere Studentinnen viel zuversichtlicher, diese Wege selbst auch zu gehen.
Heute ist es viel einfacher, zu gründen, weil die ganzen Unterstützungsmöglichkeiten da sind. Die TU München zum Beispiel ist ein Ort, der zum Paradies für Gründer wurde.
Man bezeichnet München inzwischen als Isar Valley. Herrscht hier ein besonderer Innovationsgeist? War die Zukunft hier schon immer ein bisschen mehr zuhause als anderswo?
Prof. Decker: Es wurde eine Art von Role Model übernommen von Stanford, aber dafür braucht es schon eine Umgebung, die das prinzipiell ermöglicht. Wo, wie man so schön sagt, ein gewisser Spirit herrscht. Den gibt es möglicherweise so nicht überall. Die Kombination der beiden Universitäten Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Technische Universität München (TUM), die wir hier in München haben, trägt entscheidend dazu bei. Gerade mit Blick auf die vielen Exzellenzcluster. Exzellenzcluster sind der härteste Wettbewerb in Deutschland, den wir haben in Hinblick auf zukünftige Innovationen. In München gibt es an den beiden großen Universitäten mehrere Exzellenzcluster, d.h. Spitzenprojekte in der Forschung, die im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördert werden. Einige Cluster sind gemeinsame Verbünde von LMU und TUM, was die starke Forschungskooperation in München unterstreicht. Transfer ist in diesem Wettbewerb um die Förderung der Cluster mittlerweile ein echtes Bewertungskriterium geworden. Wir müssen bei unseren Forschungsvorhaben immer mitdenken, wie wir diese Gedanken, die wir haben, in die Welt kriegen, in die Umsetzung, in die Industrie, in die Innovation. Wie wir sie aber auch in die Gesellschaft bringen.
Die Zukunft wird aus unserer Sicht eine gute sein, aber sie wird auch sehr anspruchsvoll, sehr wettbewerbsorientiert und sehr schnell sein. Ich wünsche mir, dass wir einfach mit Freude und mit Mut dieses Wettrennen weiterlaufen, dass dieser Spirit, dieser Wettbewerbsgeist weiter fortbesteht.
Da scheint mir die Vernetzung in München ganz gut zu funktionieren …
Prof. Decker: Die Vernetzung ist ausgezeichnet. Man stellt die Zusammenarbeit mittlerweile deutlich über die ehemalige Konkurrenzsituation.
Prof. Schönenberger: Genau, hier funktioniert dieser Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, den es in der Vergangenheit schon gab. Das Deutsche Museum ist ja genau ein Ort, der davon erzählt. Und heute wird das fortgesetzt, dass die großen mittelständischen Firmen, die wir hier haben, ganz eng zusammenarbeiten auch mit der Wissenschaft, mit den Studierenden, und eben dieses Neue schaffen. Und das ist das Besondere: Dabei werden sie auch unterstützt von der Gesellschaft, von der Politik, die das als etwas Positives, Chancenorientiertes wahrnehmen.
Herr Prof. Decker, Herr Prof. Schönenberger, eine Fee kommt in ihr Büro geflattert und Sie haben drei Wünsche frei für die Zukunft ihrer Herzensprojekte. Was wünschen Sie sich?
Prof. Decker: Also wir haben über eine Million Besuchende hier auf der Insel und mein erster Wunsch wäre tatsächlich, das Vertrauen dieser Menschen in die Zukunft wieder ein Stück weit zu stärken. Vor allem mit dem Gedanken, dass man Zukunft auch gestalten kann. Mein Grundgedanke bei den Ausstellungen ist, dass man die Technologie nie bis ins Detail verstehen wird – aus der Ausstellung geht niemand raus und sagt, ich weiß jetzt, wie Fusion funktioniert – mein zweiter Wunsch wäre aber, dass jeder sie nach dem Besuch hier ein bisschen besser einordnen kann und für sich selbst verorten und dann daraus auch einige Dinge für sich ableiten kann. Dafür müssen wir solche Gesprächsräume wie die Future Box schaffen. Mein dritter Wunsch wäre, dass die Menschen immer wieder kommen, vor allem auch die jungen Leute und die Schulklassen, damit wir die Möglichkeit haben, die ein bisschen zu „massieren“ in Richtung dieser innovativen Gedanken.
Wir haben über eine Million Besuchende hier auf der Insel und mein erster Wunsch wäre tatsächlich, das Vertrauen dieser Menschen in die Zukunft wieder ein Stück weit zu stärken. Vor allem mit dem Gedanken, dass man Zukunft auch gestalten kann.
Prof. Schönenberger: Da haben wir das gleiche Ziel. Und nochmal ein Hinweis zu den Zahlen an dieser Stelle: An der TU gründet jeder 250. Studierende eine Firma: Und damit sind wir die gründungsstärkste Uni Europas. Wenn es uns jetzt auch noch gelingt, jeden 250. Gast des Deutschen Museums zum Machen zu bewegen, dann wären wir bei weitem das gründungsstärkste Land dieser Welt. Ich wünsche mir, dass wir ganz konsequent weiter diesen Weg und dieses Wettrennen gehen können. Die Zukunft wird aus unserer Sicht eine gute sein, aber sie wird auch sehr anspruchsvoll, sehr wettbewerbsorientiert und sehr schnell sein. Ich wünsche mir, dass wir einfach mit Freude und mit Mut dieses Wettrennen weiterlaufen, dann werden München, Bayern und Deutschland eine riesige Chance haben. Also, das wünsche ich mir, diesen Spirit, auch diesen Wettbewerbsgeist, dass der weiter fortbesteht.
Gegen Ende der Tour durch die Future Box wenige Tage zuvor diskutieren wir Teilnehmer*innen rund um das virtuelle Lagerfeuer die Frage, ob und wie weit man Roboter in der Pflege einsetzen sollte. Und, wie wunderbar ist das denn? – Menschen, die sich vorher noch nie gesehen haben, treten generationsübergreifend in eine lebhafte Unterhaltung ein. Während sich die Älteren weitgehend einig darüber sind, dass der Roboter zwar gerne alle möglichen Handreichungen übernehmen kann, aber niemals Tränen trocknen, meldet sich ein etwa zehnjähriger Junge zu Wort: „Ich bin da anderer Meinung“, sagt er, „vielleicht kann der Roboter das nicht auf dem heutigen Stand der Technik, aber wir werden sicher soweit kommen, dass Roboter Gefühle und auch Mitgefühl lernen können.“ Darauf sagt dann niemand mehr was. Wir sind beeindruckt und überlassen dem klugen Köpfchen das Schlusswort, vielleicht ist er ja der 250. Besucher, der die Welt in naher Zukunft schon positiv mit verändern wird!
Eine letzte Frage noch: München zieht Firmen und Forscher natürlich nicht zuletzt wegen seiner schönen Lage an. Fahren Sie auch mal in die Berge oder raus an einen See?
Prof. Decker: Also bei mir sind es tatsächlich die Seen ... oft der Starnberger See. Insbesondere, weil er auch gut zu erreichen ist. Mein Hobby ist Rudern. Vor dem Hintergrund habe ich hier gute Möglichkeiten. Auch auf der Ruderregattastrecke in Schleißheim. In meinem ersten Jahr hier in München am Deutschen Museum habe ich das noch nicht so richtig geschafft, aber ich habe es fest vor. Im Moment begnüge ich mich mit dem Joggen entlang der Isar, denn hier, das ist der belebteste Ort, den ich mir vorstellen kann. Also da war ich geradezu begeistert, wie belebt die Insel ist, auch nachdem das Museum geschlossen ist.
Und Sie, Herr Professor Schönenberger?
Prof. Schönenberger: Ganz klassisch: Skifahren, Mountainbiken und Bergsteigen.
Dann sind Sie in München sehr gut aufgehoben!
Prof. Schönenberger: Ja, genau, ich bin ja auch ein echter Münchner.
Ich bedanke mich recht herzlich für das Gespräch!
Prof. Dr. Helmut Schönenberger absolvierte sein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart. Im Jahr 2002 gründete er gemeinsam mit der Unternehmerin Susanne Klatten die UnternehmerTUM GmbH in München, basierend auf dem Vorbild der Stanford University im Silicon Valley. Als heutiger CEO hat er maßgeblich dazu beigetragen, die Gründerszene in München deutlich voranzubringen. Darüber hinaus ist Schönenberger Vizepräsident für Entrepreneurship an der Technischen Universität München.
Prof. Dr. Michael Decker ist studierter Physiker und seit Juni 2025 Generaldirektor des Deutschen Museums. Er ist außerdem Professor für Wissenschaftskommunikation und Technikfolgenabschätzung an der Technischen Universität München (TUM) und Inhaber des Oskar-von-Miller-Lehrstuhls, der sich mit der Vermittlung von wissenschaftlichen und technischen Themen an die Öffentlichkeit sowie der Abschätzung der gesellschaftlichen Auswirkungen technischer Entwicklungen beschäftigt.