Ein Porsche steht vor einem Geschäft in der Maximilianstraße in München.

12 Münchner Vorurteilen auf den Zahn gefühlt

Teuer, unfreundlich, bierverliebt?

Für die einen ist München die perfekte Mischung aus Großstadt und Alpenidylle, für die anderen ein Mix aus Lederhose, Luxus und latentem Grant. Es wird Zeit, die bekanntesten Vorurteile einmal unter die Lupe zu nehmen – und sie mit einem Augenzwinkern einzuordnen.

München ist so teuer.

Es stimmt: München ist die teuerste Stadt Deutschlands. Das spüren natürlich nicht nur Einheimische, sondern auch Gäste, denn Hotel- und Restaurantpreise liegen im Schnitt bei 25 Prozent über dem deutschen Durchschnitt. Besonders rund um das Oktoberfest sowie zur Weihnachtszeit muss man tiefer in die Tasche greifen. 
Wer diese Reisezeiten umgeht, kann jedoch Geld sparen. Warum nicht im Herbst das Kunstareal unsicher machen, im Frühjahr das Frühlingsfest besuchen oder im Sommer die umliegende Natur beim Wandern, Klettern, Schwimmen oder Radfahren erleben? So einiges ist in München außerdem kostenlos, wie der Englische Garten, die Isar oder der Olympiapark. Sonntags beträgt der Eintritt in die meisten Museen nur einen Euro und die Münchner Sterneküche bietet Mittagstische zum Probierpreis an. Die Tramlinie 19 fährt an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei und kann deshalb als kostengünstige Stadtrundfahrt genutzt werden. Und das Bier ist durchschnittlich wesentlich günstiger als anderswo, denn in München wird standardmäßig 0,5 ausgeschenkt und nicht 0,3.

Übrigens: Im europäischen – und auch internationalen Vergleich – liegen Münchens Hotelpreise unter dem Gesamtdurchschnitt und sind wesentlich günstiger als die in Städten wie Prag, Wien, Rom, London oder Dublin.

Einheimische nennen ihre Stadt Minga.

„Minga“ ist die bayerische Dialektform von München. Im Bairischen werden viele Wörter weicher ausgesprochen und verkürzt – den hochdeutschen „ü“-Laut gibt es kaum: Er wird meist ohne Lippenrundung gesprochen und klingt dann wie „i“ oder „ia“ – so wird aus „München“ schnell „Minga“. Der Begriff ist Ausdruck von Heimatgefühl und wird vor allem von denjenigen verwendet, die sich mit der Stadt stark verbunden fühlen. Man hört das Wort häufig im Wirtshaus, auf dem Viktualienmarkt oder im Stadion des FC Bayern München.

Die Isar ist so sauber.

Die Isar fließt durch München und ist ein wahres Naturparadies, das den Trubel der Millionenstadt schnell vergessen lässt. Das klare Wasser ist weder ein Filter, noch ein schlauer Marketingtrick: Die Isar ist tatsächlich einer der saubersten Stadtflüsse Europas dank jahrelanger Renaturierungsmaßnahmen, ihrer Herkunft als Gebirgsfluss und besonders strenger Kontrollen der Wasserqualität. Zwischen Kiesbänken, Auwäldern und den berühmten Isar-Gumpen ist der Fluss zu allen Jahreszeiten eine besondere Anlaufstelle, um Natur mitten in der Stadt zu erleben.

Fun Fact: In der Isar leben zahlreiche Fischarten – darunter Äsche und Huchen. Letztere sind vom Aussterben bedroht, was den Stadtfluss nur noch besonderer macht. 

In München regiert die Schickeria.

Ja, die Schönen und Reichen gibt es. Und sie zeigen sich gern. Wer die High Society erleben möchte, sollte der Schumann's Tagesbar einen Besuch machen, durch das Brienner Quartier flanieren oder (window)-shoppen auf der Maximilianstraße. Auch im ein oder anderen Café in Schwabing kann man auf alteingesessene Münchnerinnen und Münchner treffen, die mit Nerz um den Hals und Champagnerglas in der Hand zusammen sitzen. Das ist aber nur ein Teil von München.

Wer das bodenständige München erleben möchte, fährt am besten vom Hauptbahnhof in die ehemaligen Arbeiterviertel Sendling, Giesing und Westend. Dort grüßt man sich auf der Straße, es gibt Kleinkunstbühnen und Streetart zu entdecken, Wirtshäuser, in denen Einheimische anstoßen und gemütliche Cafés, die noch nicht überlaufen sind. Diese Viertel zeichnen sich vor allem durch ihren alltäglichen Charme aus – wer diesen als Kontrast erleben möchte, ist hier goldrichtig. 

Weißwurst muss vor 12 Uhr mittags gegessen werden.

Die Weißwurst ist ein Frühstücksgericht, auch wenn das auf den ersten Blick ungewöhnlich scheint. Es handelt sich um eine ungebrühte Wurst, die sich früher ohne Kühlung nicht lange gehalten hat und deshalb täglich frisch hergestellt wurde. Ursprünglich sollte man sie verzehren, bevor die Uhr zwölf schlug. Dazu gehören auch heute noch süßer Senf, Brezn und Weißbier. Was sich geändert hat: Mittlerweile kann man sie natürlich ganz unbedenklich auch später essen, viele Wirtshäuser servieren sie den ganzen Tag. Wer das Original erleben möchte, kommt am besten vormittags in ein traditionelles Gasthaus und beginnt den Tag auf die klassische Münchner Art.

In München wird sehr viel Bier getrunken.

Bier gilt in München als Kulturgut, denn es schmeckt einfach köstlich. Sechs große Brauereien, weltberühmte Biergärten, das Oktoberfest und das Hofbräuhaus machen die Stadt zu einer Bierhochburg und verankern das Getränk im Alltag der Einheimischen. Außerdem befindet sich die älteste noch bestehende Brauerei der Welt, die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan, in Freising bei München.

Was jedoch viele überrascht, ist die Tatsache, dass auch der Weinkonsum pro Kopf höher liegt als in jeder anderen deutschen Großstadt. Ausgeschenkt wird er in hervorragenden Lokalen, Bars spezialisiert auf Naturwein und exzellenten Vinotheken. München kann also beides – Bier, das nach Reinheitsgebot gebraut wird, und Weine nach höchstem Standard. Beide Getränke sind Teil einer Trinkszene, die über die Frage „Bier oder Wein?“ hinausgeht. 

In München tragen alle Dirndl und Lederhosen.

Dirndl und Lederhose gehören zwar zur bayerischen Kultur, im Alltag sieht man sie in München aber seltener als vermutlich angenommen. Die meisten gehen ganz normal gekleidet zur Arbeit, zur Uni oder ins Café – genau wie in anderen europäischen Großstädten. Tracht wird vor allem von Kellner*innen in traditionellen Wirtshäusern getragen und zu besonderen Anlässen, etwa beim Oktoberfest, auf Volksfesten oder bei traditionellen Feiern. Auch gibt es immer mehr Hochzeitsausstatter, die sich auf Tracht spezialisieren, da es für Dirndl und Lederhosen sehr edle Modelle und Stoffe gibt. Generell ist jedoch für viele die Tracht ein Ausdruck regionaler Identität und Festkultur – kein täglicher Dresscode.

Es gibt keine Hochhäuser in der Stadt.

München setzt bewusst auf ein harmonisches Stadtbild. Ein Bürgerentscheid aus dem Jahr 2004 begrenzt die Höhe neuer Gebäude im Innenstadtbereich auf unterhalb der Höhe der Frauenkirche, damit die historischen Türme sichtbar bleiben und die Alpen an klaren Tagen den Horizont prägen. Moderne Architektur gibt es dennoch: In Stadtteilen wie Schwabing oder am Arabellapark finden sich höhere Gebäude – und von diversen Aussichtspunkten wie dem Olympiaturm und einladenden Dachterrassen hat man einen weiten Blick über die Stadt bis zu den Bergen.

München ist so sauber.

Weil die Stadt es ernst meint mit der Sauberkeit. Rund 40 Millionen Euro investiert München jedes Jahr in Sauberkeit, das bedeutet, etwa 400 Beschäftigte und mehr als 250 Reinigungsfahrzeuge sorgen täglich dafür, dass Straßen, Plätze und Parks gepflegt bleiben.
Und das Ergebnis lässt sich sehen. Einheimische sagen im Scherz, in München könne man von der Straße essen – so weit muss es natürlich nicht gehen, aber hier sitzt man gerne auf einer sauberen Parkbank und muss auch nicht am Montagmorgen über Müllberge steigen. Sauberkeit ist in München kein Zufall, sondern Teil der urbanen Lebensqualität, von der natürlich auch die Gäste profitieren. 

Die Menschen sind unfreundlich.

Das berühmteste Vorurteil von allen. Und natürlich steckt ein Funken Wahrheit drin: Internationale Umfragen zeigen immer wieder: München macht es den Expats nicht immer einfach beim Ankommen und Eingewöhnen. Der „bayerische Grant“ ist zwar selten böse gemeint, doch seine Mischung aus Direktheit und trockenem Ton sorgt oft für Missverständnisse. „Er steht eher im Weg, wenn man aus einer weicheren Kultur kommt und das Grantige persönlich nimmt“, sagt die interkulturelle Expertin Kiriko Nishiyama dazu. „Wenn man jedoch Sprache und Kultur besser versteht, lernt man, die Herzlichkeit dahinter zu erkennen.“  Wer sich aufs bayerische Grantlern einlassen kann, lernt schnell, wie viel Hilfsbereitschaft, Humor und Herzlichkeit in den Münchnerinnen und Münchnern steckt. Diese kleine Herausforderung lohnt sich also.

Es gibt keine Spätis in München.

Die bayerischen Ladenöffnungszeiten sind traditionell geregelt, weshalb klassische 24-Stunden-Spätis wie in Berlin selten sind. Dafür bietet München viele Alternativen: Kioske mit verlängerten Öffnungszeiten dürfen bestehen, sofern sie nicht nur Getränke und Snacks verkaufen, sondern durch einen Bartresen oder eine kleine Sitzgelegenheit die Möglichkeit des Verzehrs vor Ort bieten. Tankstellen, Bahnhofsshops, Bars und Wirtshäuser haben ebenfalls bis spät in die Nacht geöffnet. So lässt sich auch in allen Vierteln nach 20 Uhr noch entspannt ein Getränk oder Snack finden.

Gut zu wissen: Der allseits bekannte „Kiosk Reichenbachbrücke“ im trubeligen Glockenbachviertel hat fast rund um die Uhr geöffnet. Er schließt lediglich für eine Stunde von 5 Uhr bis 6 Uhr morgens.

München ist die nördlichste Stadt Italiens.

Rein geografisch stimmt das natürlich nicht, aber wer zu Besuch kommt, versteht schnell, warum die Stadt zumindest im Herzen ein Teil des italienischen Stiefels ist. „Es gibt 700 italienische Restaurants in München und das prägt die Stadt natürlich“, erklärt der Münchner Bestsellerautor von Bella Germania, Daniel Speck. „Außerdem erinnert die Lebensart manchmal an die mediterrane, zum Beispiel durch den Biergarten. Dieses Draußensitzen und Gucken.“ In der Architektur steckt ganz viel italienischer Baustil, deutlich zu erkennen an der Theatinerkirche und der Leopoldstraße, einem richtigen Corso, auf dem viel und gerne flaniert wird. 
Und auch das Klima unterstützt das Münchner Wunschdenken, zu Italien zu gehören: Tatsächlich sorgt die Nähe zu den Alpen für viele warme Föhntage und überraschend viel Sonne – ein kleines Klimawunder nördlich des Brenners. Natürlich bleibt München bei alledem unverkennbar bayerisch, doch der Mix rückt Geselligkeit, Genuss und Entschleunigung in den Mittelpunkt des Lebens.

 

 

Text: München Tourismus: Fotos: Frank Stolle, Dominik Morbitzer
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