Rund um München gibt es so viele wunderschöne Seen, dass man leicht den Überblick verliert. An welchem See kann man besonders gut sporteln, Kultur erleben, im Biergarten sitzen? Unsere Typologie der bayerischen Seen klärt augenzwinkernd auf – von Starnberger See bis Königssee!
Der Starnberger See ist der zweitgrößte und einer der beliebtesten Seen in Bayern. Für seine Bekanntheit sind Kaiserin Sisi und König Ludwig II., aber auch die Prominenz am See verantwortlich. Die Menschen aus München lieben ihren „Starni“, weil er so schön sauber und schnell zu erreichen ist – in nicht einmal einer halben Stunde ist man von der Stadt aus dort. Wer am Ufer steht und auf die Alpen guckt, der weiß plötzlich, warum alle hier wohnen möchten.
Die Zugezogenen erkennt man: an der Pilotenbrille, dem Polohemd und dem Porsche 911er der Eltern
Typischer Satz: „Hier ist König Ludwig gestorben!“
Das wird getrunken: Offiziell Starnberger, heimlich dann doch eher Tegernseer!
Volkssport: Golfen, Tennis und Grundstückspreise vergleichen
So kommt man von München aus hin: Mit der S6 Richtung Tutzing oder mit der Regionalbahn Richtung Kochel oder Weilheim. Auch mit dem Auto ist man innerhalb von 30 Minuten in Starnberg.
Das kann man erleben: Ausstellungen im Buchheim Museum besuchen, auf die Roseninsel übersetzen, sich ein Elektro-Boot mieten, mit dem Ausflugsdampfer über den See schippern, auf der Ilkahöhe spazieren, ein SUP ausleihen, segeln lernen, mit dem Rad den See umrunden
Und hier kehrt man ein: Gasthaus Schauer in Possenhofen, Zum Fischmeister in Münsing, Forsthaus Ilkahöhe in Tutzing, Wirtshaus im Tutzinger Hof und Gourmetrestaurant Aubergine in Starnberg
Wem der Starnberger See zu abgehoben ist, der fährt zum Ammersee – der ist gleich nebenan und wesentlich gediegener. Das liegt vor allem an der Künstler-Vergangenheit der Region: Die Landschaften rund um den Ammersee wurden schon von Malern wie Carl Spitzweg und Fritz Winter verewigt. Dank dem alten Geld wird heute vor allem viel gesegelt, windgesurft und im Strandbad abgehangen. Einmal im Jahr finden außerdem der Dießener Töpfermarkt sowie das Schlossgartenfest Herrsching statt.
Die Zugezogenen erkennt man: daran, dass sie mit dem neuesten Lastenrad statt mit dem SUV ins Strandbad kommen.
Typischer Satz: „Heute sieht man aber bis zur Zugspitze!“
Das wird getrunken: selbstgemachte Quittenschorle mit Früchten aus dem eigenen Garten
Volkssport: Segeln, natürlich!
So kommt man von München aus hin: Die S8 fährt vom Hauptbahnhof in 50 Minuten nach Herrsching. Wer nach Dießen möchte, nimmt die Regionalbahn und steigt entweder in Weilheim oder in Geltendorf um. Mit dem Auto braucht man circa eine Stunde.
Das kann man erleben: Zum Kloster Andechs wandern, das Marienmünster bestaunen, im Strandbad Utting vom Zehn-Meter-Turm springen, einen Spaziergang durch den Kurpark Herrsching machen, das Bauernhofmuseums Jexhof besuchen
Und hier kehrt man ein: Lenas am See in Utting, Seerestaurant St. Alban in Dießen, Steg 32 in Herrsching, Restaurant Fischer in Stegen, Andechser Bräustüberl und Klostergasthof Andechs
Der Tegernsee lebt von seinen Gegensätzen: hohe Gipfel und tiefgrünes Wasser, bayerische Tradition und versnobte Schickeria, alte Bräustüberl und neue Sternerestaurants. Gefühlt leben hier mehr Bayern-Spieler als in München, die Mieten sind fast so hoch wie auf Sylt. Aber zwischen all dem Reichtum kommen die bayerischen Bräuche nicht zu kurz – wie bei den zahlreichen Waldfesten, bei denen Einheimische neben Münchnerinnen und Münchnern jeden Sommer ausgelassen in Tracht feiern.
Die Zugezogenen erkennt man: an der sündhaft teuren Trachtenjacke zur Designer-Jeans
Typischer Satz: „Da vorne wohnt Manuel Neuer!“
Das wird getrunken: Unter der Woche Möet, am Wochenende auch mal Dom Perignon
Volkssport: Vor der Arbeit noch schnell mit dem Gleitschirm vom Wallberg fliegen
So kommt man von München aus hin: Sowohl mit dem Zug als auch mit dem Auto dauert es circa eine Stunde bis zum Tegernsee. Die Regionalbahn (RB57) hält in Gmund sowie in Tegernsee.
Das kann man erleben: das Olaf Gulbransson Museum besuchen, eine Führung durch die Papierfabrik Gmund machen, im Monte Mare saunieren, in der Naturkäserei TegernseerLand Käse verkosten, im Jod-Schwefelbad schwitzen, mit der Wallbergbahn fahren, über den Tegernseer Höhenweg wandern, den See bei einer Rundfahrt erkunden
Und hier kehrt man ein: Bräustüberl Tegernsee, Schlosswirtschaft Tegernsee, Berggasthof Neureuth und Café Aran in Tegernsee, Käfer Gut Kaltenbrunn und Amsel Restaurant in Gmund, Voitlhof 1532, Haubentaucher und Mesner Gütl in Rottach-Egern, Freihaus Brenner in Bad Wiessee
Der Chiemsee wird auch „Bayerisches Meer“ genannt, weil er mit rund 80 km² der größte See in Bayern ist. Besonders ist hier nicht nur die Landschaft der Chiemgauer Alpen mit der bekannten Kampenwand, sondern auch die Fülle an Kultur. Und während die Gäste das Schloss Herrenchiemsee oder die Fraueninsel mit dem ältesten Nonnenkloster Deutschlands besichtigen, powern sich die Ansässigen beim Sporteln aus – in den Bergen wie auf dem Wasser.
Die Zugezogenen erkennt man: an der SUP-Sammlung in der Garage
Typischer Satz: „Also ich könnte ja nicht mehr in einer Großstadt leben!“
Das wird getrunken: Tagsüber Energy-Gel beim Graveln, abends alkoholfreies Weißbier im eigenen Garten
Volkssport: Bestzeiten auf Komoot vergleichen
So kommt man von München aus hin: In circa einer Stunde ist man sowohl mit dem Auto, als auch mit der Bahn in Prien. Von hier aus kann man dann mit dem Schiff weiter auf die Herreninsel fahren.
Das kann man erleben: das Schloss Herrenchiemsee besuchen, die Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel besichtigen, im Kloster Seeon übernachten, mit dem Fahrrad den See umrunden, auf die Kampenwand wandern, ein SUP ausleihen, mit der Chiemsee-Bahn fahren, in der Beach Bar in Übersee sitzen
Und hier kehrt man ein: Restaurant Fischerei Minholz in Bernau, Zum Fischer am See in Prien, Steghouse am Chiemsee und Seehäusl in Gstadt, Schlosswirtschaft Herrenchiemsee, Chiemseer Wirtshaus in Chieming
Der Walchensee wird gerne mit der Karibik verglichen, weil das Wasser des kühlen Bergsees türkisfarben schimmert. Aufgrund der besonderen Thermik ist der See ein beliebter Ort zum Wind- oder Kitesurfen. Und außerdem einer der ältesten See Bayerns; genauso alteingesessen geht es hier auch zu – zwischen Traditionswirtschaften, Ausflugscafés und Pensionen, in denen die Zeit still zu stehen scheint.
Die Einheimischen erkennt man: an Arbeitsdirndl, Schürze und dem bayerischen Dialekt
Typischer Satz: „Schleich di, do wird ned geparkt!“
Das wird getrunken: Dunkelbier
Volkssport: Münchner-Kennzeichen-zählen
So kommt man von München aus hin: Mit dem Auto über die A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen oder mit Bahn und Bus über Kochel am See. Von München sind es etwa 1 bis 1,5 Stunden. Frühes Ankommen lohnt sich – vor allem für jene, die mit dem Auto anreisen, denn die Parkplätze sind begrenzt.
Das kann man erleben: mit der Bergbahn auf den Herzogstand fahren, eine Tour auf den Jochberg machen, auf dem Campingplatz Walchensee übernachten, windsurfen, baden, radeln
Und hier kehrt man ein: Wallerei Walchensee, Waldschänke Niedernach, Berggasthof Herzogstand, Jocheralm, Strandcafé Bucherer
Der Königssee hat etwas Mystisches – das liegt zum einen sicherlich an seiner Tiefe, denn mit 192 Metern ist er der tiefste See in Bayern. Und zum anderen an den hohen umliegenden Gipfeln, wie dem Watzmann, Jenner oder Hohen Göll, deren Form an eine liegende Hexe oder Teufelshörner erinnern. Magisch ist auch die Überfahrt nach St. Bartholomä, wenn der Bootsführer an der Echowand seine Trompete spielt! Dann versteht man, warum die halbe Welt diesen See besucht, der mit seinem smaragdgrünen Wasser zu den schönsten in ganz Deutschland zählt.
Die Einheimischen erkennt man: an den Wanderschuhen, den Karohemden und Trachtenhüten
Typischer Satz: „Schee is' scho – drum san aa olle do.“
Das wird getrunken: eine frische Buttermilch auf der Alm
Volkssport: Sich über die Gäste aufregen, die für ein Instagram-Foto an den Wasserfällen ihr Leben riskieren.
So kommt man von München aus hin: Mit dem Auto über die A8 Richtung Salzburg in 2,5 Stunden und mit dem Zug und Bus über Berchtesgaden bis nach Schönau etwa drei Stunden.
Das kann man erleben: Mit dem Elektroboot nach St. Bartholomä oder zur Saletalm fahren, in den Obersee springen, zur Fischunkelalm wandern, auf den Jenner fahren, ein Ruderboot ausleihen, ein Foto vom Malerwinkl aus machen
Und hier kehrt man ein: Echostüberl, Fischerei St. Bartholomä, Seealm Königssee, Königsbachalm, Jenneralm, Fischunkelalm, Mooskaser Saletalm